Ein Zoll, zwei Dörfer, eine Angst

Der Termin für die Brückensanierung zwischen den Dörfern dies- und jenseits des Rheins steht, der Staatsvertrag für die Zollamt-Auslagerung so gut wie. In Vorarlberg ist man wegen des Zolls geteilter Meinung.

Kurt Latzer
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Ab 2020 soll die Brücke wieder den heutigen Erfordernissen entsprechen und der Schweizer Zoll nach Mäder verlegt sein. (Bild: Archiv/Kurt Latzer)

Ab 2020 soll die Brücke wieder den heutigen Erfordernissen entsprechen und der Schweizer Zoll nach Mäder verlegt sein. (Bild: Archiv/Kurt Latzer)

«Ein Entwurf der Schweizer Zollverwaltung liegt vor», sagte Johannes Pasquali, Sprecher des Bundesministeriums für Finanzen auf Anfrage der Redaktion im Oktober. Den Staatsvertrag für die Verlegung des Schweizer Zollamtes von Kriessern nach Mäder bezeichnete Pasquali als sinnvoll.

Zollverlegung: Noch nichts Konkretes

Michael Steiner, Pressesprecher des eidgenössischen Finanzdepartements, Zollverwaltung (EZV) sagte kürzlich: «Der Staatsvertrag ist noch nicht unterzeichnet. Aber die eidgenössische Zollverwaltung ist bezüglich des Vorhabens Onestop Mäder – Kriessern nach wie vor in engem Kontakt mit den österreichischen Behörden.» Die Federführung des Projekts liege beim Land Vorarlberg respektive der österreichischen Zollverwaltung. Von beiden Seiten habe die EZV bisher keine Infos betreffend einer konkreten Umsetzung erhalten.

Konkretes weiss der Bürgermeister der Gemeinde Mäder nicht. «Ich habe kürzlich mit dem Verantwortlichen im Land geredet und der wusste nichts von einem Staatsvertrag», sagte Rainer Siegele. Und wie steht man im Dorf ennet dem Rhein zur gemeinsamen Zollabfertigung auf Vorarlberger Boden? «Wir sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagt der Bürgermeister, «lachen, weil die Staus am Morgen für die Grenzgänger ein Ende haben, weinen, weil wir befürchten, es könnte noch mehr Schwerverkehr angelockt werden.»

Lenkung der Lastwagen massgebend

«Wir wollen den Schwerverkehr nicht den Nachbarn zuschieben», sagt Rolf Huber, Gemeindepräsident von Oberriet, «die Verlegung der Zollabfertigung nach Mäder aber ist die beste und am schnellsten umsetzbare Lösung, die Staus an der Brücke zu minimieren.» Auf der Schweizer Seite ist die Situation prekär: Stehen am Kriessner Zoll zwei Lastwagen, geht nichts mehr. Weder von und zur Autobahn A13 noch in und aus dem Dorf. Daran ändern auch die vom Bundesamt für Strassen (Astra) vorgesehen Massnahmen nichts.

Der Knoten Kriessern/Altstätten soll analog zu Au und Widnau/Diepoldsau verlängerte Ausfahrten bekommen. Rolf Huber weiss: Je attraktiver ein Grenzübergang ist, desto mehr Lastwagen wollen ihn benutzen. «Wichtig ist, wie der Schwerverkehr ab dem Güterbahnhof und dem Schweizer Zollamt in Wolfurt gelenkt wird», sagt Rolf Huber. Heute darf der Schwerverkehr von dort aus nur auf den vorgeschriebenen Routen rollen.

Letzte Brücke mit Verjüngungskur

Sie ist vorläufig die letzte grenzüberschreitende Brücke im St. Galler Rheintal, die eine Verjüngungskur verpasst bekommt. Das Bauwerk ist nicht nur in die Jahre gekommen und in schlechtem Zustand, es muss seit einigen Jahren immer mehr Gewicht tragen.

Die Arbeiten für die Sanierung der Brücke zwischen dem Oberrheintaler und dem Vorarlberger Dorf wurden im Oktober ausgeschrieben. Kommenden April will man die ersten Vorbereitungsarbeiten in Angriff nehmen ohne Schliessung der Brücke. Sollten dennoch Sperren nötig sein, sollen sie nachts erfolgen. Im Sommer kehrt an den Portalen beidseits der Brücke Ruhe ein. Die Hauptarbeiten an der Brücke sind zwischen dem 11. Juni und 11. Oktober 2019 geplant. In diesem Zeitraum ist das Rhein überquerende Bauwerk für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Der Fussgänger- und Radverkehr wird während der Totalsperrung provisorisch über ein Arbeitsgerüst geführt. Die Arbeiten am Unterbau der Brücke finden von Oktober 2019 bis Juni 2020 bei rollendem Verkehr statt.