«Ein Vorbild für andere Gemeinden»: St.Margrethen empfängt ihre neue Regierungsrätin – nach über 100 Tage im Amt

Die Gemeinde St.Margrethen feierte ihre neue Regierungsrätin Laura Bucher. Auch die örtliche SP jubelte.

Yves Solenthaler
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Laura Bucher hält ihren Sohn im Arm und geniesst mit Ehemann Roland Stillhard den feierlichen Empfang.

Laura Bucher hält ihren Sohn im Arm und geniesst mit Ehemann Roland Stillhard den feierlichen Empfang.

Bild: Yves Solenthaler

Corona brachte vieles, darunter auch Zeitpläne durcheinander: Erst zwei Tage nach einer Medienkonferenz zu ihren ersten 100 Tagen im Amt wurde Lau­ra Bucher von der Gemeinde St.Margrethen, wo die 36-Jährige aufgewachsen ist und noch immer wohnt, feierlich empfangen.

Die Musikgesellschaft St.Margrethen spielte feierliche Töne. Gemeindepräsident Reto Friedauer hielt eine Ansprache, ebenso wie SP-Ortspräsident Armin Hanselmann und die Geehrte selbst. Die neue Sozialministerin erhielt Geschenke mit Bezug zum Bauen: Eine Schaufel von der Gemeinde und ein Steinmannli-Spiel von der Partei. Mit einem Glas Wein von der Ortsgemeinde kann sich Laura Bucher von den Strapazen er­holen.

«Das Dorf bereitete Laura Bucher auf das Amt vor»

Am 19.April ist Laura Bucher im zweiten Wahlgang in die St. Galler Regierung gewählt worden. Als eine der Jüngsten und als erste Mutter von zwei Kindern im Vorschulalter. Sie ist verheiratet mit Roland Stillhard, mit dem sie am Freitag in der Pferdekutsche bei der Rheinauhalle vorfuhr. Seit 2010 sass die promovierte Juristin für die SP im Kantonsrat. In der Gemeinde selbst hatte sie kein Amt inne, war aber SP-Ortspräsidentin und ihre erste politische Aktivität war es, gegen die Schliessung der kleinen Migros am Bahnhof zu opponieren. Jetzt wurde sie als dritte St.Galler Regierungsrätin empfangen, die in St.Margrethen aufgewachsen ist. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin und ihrem Vorgänger – Heidi Hanselmann und Joe Keller – wohnt Laura Bucher auch als Regierungsrätin im Dorf.

Armin Hanselmann lernte Laura Bucher v/o Kobold als Pfadileiterin kennen. Dass seine Freude über ihre Wahl in die Regierung «riesig» war, liegt nicht nur daran. Als SP-Ortspräsident im Rheintal, zumal in einer Gemeinde, die bei den letzten Kantonsratswahlen zu über 36% die SVP wählte, kann man nicht damit rechnen, ein Regierungsmitglied in seinen Reihen zu haben. Er überreichte seiner Partei­kollegin ein Steinmannli-Spiel:

«Nur wer die Steine sorgfältig aufeinanderschichtet, kann die Balance halten.»

Gemeindepräsident Reto Friedauer gratulierte herzlich zur Wahl in den Gemeinderat. Er erwähnte Laura Buchers Mitgliedschaft in der Pfadi, im Turnverein und in der Musikgesellschaft: «St.Margrethen hat sie ein Stück weit auf das Regierungsamt vorbereitet.» Sie erhält an ihrem Geburtsort nun einen Baum, den sie mit der am Freitag geschenkten Schaufel im geplanten Naturerlebnispark des Kindergartens Wiesenau pflanzen kann.

«St.Margrethen ist der Welt zugewandt»

Laura Bucher begann ihre Ansprache damit, dass sie vielen Vorurteilen begegne: «St.Margrethen? Ah, das Dorf an der Autobahn... Ah, dort wo es viele Ausländer gibt.» Sie sieht das Dorf, in dem sie aufgewachsen, hingegen wie der St.Margrether Dichter Johannes Brassel:

«Das herzig Dörfli am Rhy, ‘s liit gad z’mitzt uf de Welt.»

Eine Verkehrsverbindung in alle Richtungen, auch ins europäische Ausland sowie ein Miteinander und Füreinander der Kulturen, der Welt zugewandt. «Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel war hier spürbar, bevor alle vom Wandel redeten», sagte Laura Bucher. Die soziale und wirtschaftliche Frage, die ihr gerade in St.Margrethen begegnet sei, habe sie in die Politik getrieben. «Mein Grossvater hat früher im Italienerteam beim FC Fussball gespielt», sagte Laura Bucher. Sie preist die integrativen Kraft und das soziale Bewusstsein «ihres» Dorfs: «Damit ist St.Margrethen ein Vorbild für viele andere Gemeinden im Kanton.»