Ein vergnüglicher Konzertabend

Zu einem unterhaltsamen Fagott-Abend lud die Rheintalische Gesellschaft für Musik und Literatur am Samstagabend in den Rheinecker Löwenhof ein – klassische Unterhaltungsmusik von grosser Virtuosität und in höchster Perfektion.

Max Pflüger
Merken
Drucken
Teilen
Mit Humor und virtuosem Können begeisterten (von links) Michael von Schönermark, Benedikt Schobel, Hans Agreda und Douglas Bull das Publikum im Rheinecker Löwenhof. (Bild: Max Pflüger)

Mit Humor und virtuosem Können begeisterten (von links) Michael von Schönermark, Benedikt Schobel, Hans Agreda und Douglas Bull das Publikum im Rheinecker Löwenhof. (Bild: Max Pflüger)

RHEINECK. Am Samstagabend begeisterte die Löwenhofserenade der Rheintalischen Gesellschaft für Musik und Literatur (RGML) einmal mehr. Der gediegene Rahmen des grossartigen Landschlosses, die virtuos vorgetragene und doch lockere und unterhaltsame Musik aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert und der sympathische und humorvolle Auftritt der vier jungen Musiker ergänzten sich. Die Gäste erlebten einen unvergesslichen musikalischen Abend.

Quadriga Fagott Ensemble, das sind Michael von Schönermark, Douglas Bull, Benedikt Schobel und Hans Agreda, vier talentierte Fagottisten, die durch ihre Konzertreisen und ihr Mitwirken in grossen und renommierten Orchestern in der Musikwelt einen klingenden Namen tragen. Einmal mehr ist es den RGML-Verantwortlichen gelungen, die Rheintaler Kulturszene mit Künstlern von Weltruf zu beleben.

Löwenhofserenade stirbt nicht

Die Löwenhofserenade kann auf eine lange Tradition zurückblicken, wie RGML-Präsident Meinrad Vögele in der Begrüssung aufzeigte. Obwohl die Besitzer- und Mäzenenfamilie Bärlocher das altehrwürdige Gebäude vor kurzem an die Hümpeler AG, eine Immobiliengesellschaft aus dem Mittelrheintal, verkauft hat, wird die Löwenhofserenade nicht sterben. Der neue Besitzer ist auf Wunsch der Verkäuferfamilie bereit, das Herrschaftshaus mit der prächtigen Gartenanlage auch weiterhin für kulturelle Anlässe zu öffnen, wie Meinrad Vögele den Gästen der Serenade mitteilen konnte.

Musik in gediegenem Rahmen

Diese Mitteilung ist erfreulich. Zeigte doch gerade die diesjährige Löwenhofserenade mit aller Deutlichkeit, wie geeignet der Löwenhof für klassische Kammermusik ist. Der französische Barockgarten mit Springbrunnen, Orangerie und mit dem kleinen, reich geschmückten Pavillon liess den Konzertbesucher förmlich eintauchen in die musikalische Welt des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Brötchen vom Heerbrugger «Max» und ein feines Glas Bernecker Wein setzten in der Pause dann das Pünktchen aufs «i» eines Abends, der sich so zu einem Gesamtkunstwerk für alle Sinne zusammenfügte.

Da störte auch die Amsel nicht, die sich von einem Baumwipfel im Löwenhofgarten mit ihrem Lied immer wieder ins Programm einbrachte und mit den Fagotten um die Wette musizieren wollte: Natur, Architektur und Kultur waren im Einklang.

Von Vivaldi bis Gershwin

Mit dem Allegro-Satz aus einem Violinkonzert von Antonio Vivaldi wurde das Konzert eröffnet. Erstaunlich, wie originalgetreu den Fagottisten die Interpretation des Steicherwerks gelang. Zu verdanken ist dies sicher auch der absoluten Perfektion, mit der sie ihr Instrument beherrschen: Fast unbemerkt hüpfte die Melodie von Fagott zu Fagott. Einmal im Zwiegespräch mit Vorgabe und Antwort, dann wieder im munteren Fluss weiterführend.

Mit leichten und unterhaltsamen Werken von Vivaldi, Georg Christoph Wagenseil (1715 bis 1777) und Rossini gestalteten die vier Musiker den ersten Teil des Abends. Etwas anspruchsvoller für die Zuhörer war das Divertimento für vier Fagotte von Allan Stephenson (geboren 1949). Das Werk des südafrikanischen Komponisten weist zwar durchaus klassische Züge auf, doch klingen immer wieder moderne Rhythmen und Harmonien mit.

Quadriga Fagott präsentierte den Abend mit Humor und machte Musik mit Augenzwinkern. Besonders im zweiten Teil, der von Tanzimpressionen lebte: «Thé dansant im Landschlösschen», von Julius Weissdorn im 19. Jahrhundert komponiert, melancholischer Tango von Piazzolla bis hin zu «T got rhythm» von George Gershwin, mit dem ein brillantes Konzert von höchster Qualität schloss.