Ein Treff für typische Mädchen

WIDNAU/DIEPOLDSAU. Mädchen stecken oft hinter Buben zurück. Im Mädchentreff MIA – Mädchen in Aktion sollen sie sich in einem geschützten Raum mit ihren Themen befassen. Am Freitag, 24. Januar, ist er das erste Mal geöffnet – nur für Mädchen.

Monika von der Linden
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Das Team von «MIA – Mädchen In Aktion» bietet neu einmal im Monat einen Mädchentreff an. Wie bei einer Räuberleiter geben Pfarrerin Silke Dohrmann (von links), Monika Frei, Tamara Eugster und Alexandra Steiger Starthilfe, eigene Ideen zu entdecken und zu verfolgen. (Bild: Monika von der Linden)

Das Team von «MIA – Mädchen In Aktion» bietet neu einmal im Monat einen Mädchentreff an. Wie bei einer Räuberleiter geben Pfarrerin Silke Dohrmann (von links), Monika Frei, Tamara Eugster und Alexandra Steiger Starthilfe, eigene Ideen zu entdecken und zu verfolgen. (Bild: Monika von der Linden)

Eine durchschnittliche Familie als Beispiel: Ein zwölfjähriger Sohn und eine zehnjährige Tochter. Die Geschwister verstehen sich gut, manchmal aber scheint die Luft zu explodieren. «Sie <hormonieren> mehr, als dass sie harmonieren», kommentiert Alexandra Steiger die Müttern bekannte Situation mit einem verständnisvollen Lächeln. «Ein Mädchen wäre manches Mal froh, könnte es sich an einen Ort zurückziehen, an dem es nicht stark sein oder zurückstecken muss.»

Diesen Ort findet die Zehnjährige nun in der Evangelischen Kirchgemeinde Widnau-Diepoldsau-Kriessern, im Mädchentreff MIA (Mädchen in Aktion). Alexandra Steiger (Widnau) möchte mit Mädchen typische Mädchen-Themen besprechen. Sie hat in Pfarrerin Silke Dohrmann, Tamara Eugster (Widnau) und Monika Frei (Diepoldsau) drei Mitstreiterinnen gefunden. Einmal monatlich laden sie Schülerinnen zwischen der fünften Primarklasse und der Konfirmation abwechselnd nach Widnau und Diepoldsau ein.

Geistliche Begleitung

Der Mädchen-Treff versteht sich als Teil der geistlichen Begleitung von Kindern und Jugendlichen in der Kirchgemeinde. «Nur Mädchen sind willkommen – keine Buben», sagt Silke Dohrmann. «Buben wirken durch ihr Verhalten oft dominanter. Es ist erwiesen, dass Mädchen sich in Gegenwart von Buben eher zurückziehen.» Im Religionsunterricht habe sie gute Erfahrungen gemacht, Geschlechter in schwierigen Situationen voneinander zu trennen. Der Treff soll ein sicherer Ort sein. «Wir bieten ihnen ein Werkzeug, mit dem sie ihr Selbstbewusstsein stärken. Dann durchbrechen sie die Bezogenheit auf die Buben und sind nicht mehr so angreifbar.»

Ziel ist, den jungen Frauen zu vermitteln, sie dürfen und sollen sich im eigenen Körper wohl fühlen. «Deshalb starten wir jeweils mit körperlicher Aktion – mit Zumba», sagt Alexandra Steiger. Nach einer Schulwoche mag niemand am Freitagabend sofort absitzen und etwas essen. «Wir werden miteinander lachen. Dann bringt Bewegung Spass. Sie müssen sich nicht schämen – nicht in der Gruppe und nicht ausserhalb», sagt Monika Frei. Am ersten Treffen werden sich die Mädchen und die Frauen erst einmal beschnuppern. «Thema wird sein, was sie unter typischen Mädchen-Anliegen verstehen.» Das könne Kochen, Schminken, Ernährung, aber auch Mobbing und Selbstverteidigung sein. «Wir wollen sie unterstützen, eigene Grenzen kennen und Schwächen akzeptieren zu lernen. So können sie sich auf das besinnen, was sie können», sagt Tamara Eugster. Mit jedem Treffen mehr, kristallisieren sich Themen und Aktionen heraus . «Sie werden spüren, dass sie Kraft und Talent haben, selbst etwas zu initiieren.»

Menschen- und Gottesbild

Ihr Menschenbild orientiere sich an ihrem Gottesbild», sagt Silke Dohrmann. «Stelle ich mir Gott als Mann mit langem Bart vor, denke ich eher bei Männern an Menschen mit viel Kraft und Vollmacht als bei Frauen.» Gott sei männlich und weiblich, weil er Frau und Mann nach seinem Ebenbild geschaffen habe. «Das ist Grund, Mädchen zu stärken.»

Und stärken möchten die drei Frauen alle Mädchen, nicht nur Mitglieder der beiden christlichen Konfessionen. «Auch Kopftuchträgerinnen sind willkommen», sagt Silke Dohrmann.

Die Mütter berichten von Kontakten zwischen ihren Töchtern und moslemischen Mädchen. Dabei lassen sie keinen Zweifel zu: Sie werden im Treff MIA Freundschaften unterstützen. Dies gilt auch für Kontakte in die übrigen Dörfer der Kirchgemeinde. Sie treffen sich abwechselnd in Widnau und Diepoldsau. «Ein Bub fährt eher mit dem Velo ins Nachbardorf als ein Mädchen. Deshalb bieten wir einen Fahrdienst an», sagt Alexandra Steiger.

Das erste MIA-Treffen findet am Freitag, 24. Januar, von 18 bis 20.30 Uhr im Kirchgemeindehaus Widnau statt. Um 17.45 Uhr steht beim Kirchgemeindehaus Diepoldsau ein Fahrdienst bereit, in Kriessern nach Absprache, unter Telefon 076 326 02 70.