Ein Sinnbild für das Leben

Was wollen uns denn die Muscheln hier sagen, mitten im Schweizer Winter? Würden da nicht eine Schneelandschaft oder weiss verschneite Berge besser passen?

Alfred Gugolz, Pfarrer Aus Oberriet
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Wie die Muscheln und die Kieselsteine sind auch wir nur Teilchen im Weltgeschehen. (Bild: Evelyn Gugolz)

Wie die Muscheln und die Kieselsteine sind auch wir nur Teilchen im Weltgeschehen. (Bild: Evelyn Gugolz)

Was wollen uns denn die Muscheln hier sagen, mitten im Schweizer Winter? Würden da nicht eine Schneelandschaft oder weiss verschneite Berge besser passen?

Das mag schon zutreffen hier für unser Land, unser Rheintal – aber wir sind nicht allein auf dem Globus. Die Erde dreht sich, und da, wo wie bei uns Winter ist, da ist es woanders Sommer. Alles ist im Fluss, nichts bleibt genauso, wie es ist. Aber hinter allem ist doch eine umfassende Ordnung, und wenn wir wollen, auch ein Sinn, wenn wir ihn erkennen.

Das Muschelbild, das unsere Tochter im letzten Herbst am Strand in einem arabischen Land fotografierte und das mich fasziniert, ist gewissermassen zugleich auch ein Sinnbild des Lebens, des vergangenen Jahres. Am Ende des gerade erst begonnen Jahres wird es nicht anders sein. Und es ist zugleich ein Symbol für jeden einzelnen Tag. Bruchstückhaft setzt sich alles aus unzähligen Splittern, aus wunderschönen Kleinoden, die es zu entdecken und zu ergreifen gilt, zusammen. Irgendwie scheint alles seinen Platz, seine Bedeutung zu haben. Oft erkennen wir erst im Nachhinein, wozu es gerade so und nicht anders gut war. Wir hadern vielleicht mit unsrem Schicksal, haben Unglück und Leid, eine schwere Krankheit erfahren müssen.

Doch das Leben ging weiter. Aber waren da nicht nur kaputte, zerschlagene Muscheln darunter, gab es da nicht auch Momente des Glücks, der Hoffnung, der kleinen Wunder, die sich ohne unser Dazutun einstellten? Wichtig scheint mir, sich immer wieder auf das Schöne, auf das Positive auszurichten, allem Bösen und Tragischen, das uns und in der Welt passieren mag, zum Trotz.

Die Welt können wir nur verändern, wenn wir im Kleinen anfangen, letztlich bei uns selber, wenn wir bereit sind, hinzuschauen, den wichtigen Augenblick zu erkennen. Wie die Muscheln, die Kieselsteine sind auch wir nur Teilchen im Weltgeschehen, wie zufällig hingespült am Meeresstrand, nur einen Moment lang, dann verändert sich durch neue Wellen schon wieder das Bild. Machen wir das Beste daraus!

Was wird uns das Jahr 2013 bringen? Wer weiss das schon? Nehmen wir es gelassen hin, voll Zuversicht, Glauben und Hoffnung, dass nichts verloren geht in dieser Welt – und werfen wir ab und zu einen Blick auf dieses Foto.

Christa Spilling: «Gott segne dich, dass du dem Morgen mit froher Erwartung entgegensiehst; dass dir aus dem, was dir bisher an Schönem gelungen ist, Freude und Kraft für die Zukunft erwächst und sich in dem, was du tust und was dir geschenkt wird, deine Sehnsucht erfüllt.»

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