Ein schrecklich-schöner Erfolg

«Schreck am See» macht keine Werbung und kann sich dennoch vor Anfragen kaum retten. Start ist am 15. Oktober, alle Vorstellungen sind bereits ausgebucht. Was ist das Geheimnis? «Schreck»-Vater Hans-Peter Enderli verrät es.

Maya Schmid-Egert
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In Enderlis Bücherwand findet sich eine Reihe von Werken, die er für «Schreck am See» verwendet hat. (Bild: Maya Schmid-Egert)

In Enderlis Bücherwand findet sich eine Reihe von Werken, die er für «Schreck am See» verwendet hat. (Bild: Maya Schmid-Egert)

Zehn ausverkaufte Lesungen mit 550 Besuchern, das ist ein Erfolg.

Hans-Peter Enderli: Wir sind langsam gewachsen, starteten vor zwölf Jahren mit zwei Lesungen, die Premiere fand im ehemaligen «Hirsch-in» in Berneck statt. Heute könnten wir zwanzig Lesungen anbieten. Die Nachfrage ist so gross, dass wir das Anmeldeprozedere ändern müssen. 2014 steht neu ein Reservationstelefon vom 3. bis 8. März offen.

Was ist das Geheimnis dieses Erfolges? «Schreck am See» liegt weder zentral noch macht es Werbung.

Enderli: Es sind verschiedene Komponenten, die eine Rolle spielen. Sicher der Ort am Seealpsee. Um diese Jahreszeit geht praktisch niemand mehr dorthin. Es gibt Nebelschwaden, die eine besondere Atmosphäre erzeugen. Das hat was von Abenteuer. Dann sind wird nicht nur eine Kulturveranstaltung, sondern sprechen auch Geniesser an.

Lässt sich ableiten, was beim Publikum ankommt?

Enderli: Es ist der Mix, der es ausmacht. Spannende Texte, die ich vortrage, die Live-Cartoons von Jürg Kühni, die Musik von Andi Loser, der Gesang von Blueserin Yvonne Moore und die verrückten Teller aus der Forellen-Küche.

Wie sehen die aus?

Enderli: Rony Fritsche denkt sich zu jeder Geschichte einen Gang aus. Einmal kreierte er aus Maisschnitten eine Alphütte. Daneben legte er eine Siedwurst mit eingeschnitten Beinen und Haaren aus gebratenen Zwiebeln in eine rote Sauce. Der Senn, der vor seiner Hütte im eigenen Blut liegt. So etwas vergessen die Gäste nicht mehr.

«Schreck am See» ist ein Frontalangriff auf alle, auch den sechsten Sinn?

Enderli: So ist es. Die Idee rührt daher, dass ich vor Jahren feststellen musste, dass gewöhnliche Lesungen, die ich in meiner Buchhandlung in Altstätten veranstaltete, selbst mit Top-Autoren wie Hugo Loetscher nicht mehr funktionierten. So entstand «Schreck am See». Dieses Konzept wendet sich nicht nur an die Kulturbeflissenen, sondern auch an die Geniesser. Und davon gibt es zum Glück viele.

Es gebe viele Stammgäste, heisst es. Wie schafft man es, nicht langweilig zu werden?

Enderli: Indem man Texte auswählt, die humorvoll und etwas schräg sind, am liebsten sogar schrecklich. Der Schrecken sollte einem dann treffen, wenn man's nicht erwartet. Ich greife gerne auf Texte von Edgar Allan Poe, Roald Dahl, Ernst W. Heine, Susy Schmid und anderen zurück. Zwei Texte stammen dieses Jahr auch von mir. Daraus machen wir einen Wettbewerb.

Im Internet gibt's ein Bild eines über den See schwebenden Klaviers. Was hat es damit auf sich?

Enderli: Zum Zehnjährigen bauten wir für das Piano ein Floss. Darauf setzten wir Feuerwerksvulkane, die wir nach jeder Lesung steigen liessen. Nach der letzten füllten wir das alte Piano mit Holz und zündeten es an. Eine Performance. Andi Loser meinte, dass wir etwas Ähnliches wieder durchführen sollten. Das haben wir 2012 dann auch gemacht.

Die «Schreck am See»-Crew bleibt sich treu. Es scheint Spass zu machen.

Enderli: Die Gäste sagen uns, dass man uns die Freude anmerke. Wenn der Funken überspringt, kann dies süchtig machen. Auf beiden Seiten. Rony Fritsche sagt, dass es kaum einen Tag gebe, an dem er nicht mit «Schreck am See» konfrontiert werde. Die Anfragen kommen aus der ganzen Schweiz, die treuesten aus dem Rheintal.

Eine Anekdote aus zwölf Jahren?

Enderli: Einmal hatten wir eine Gruppe, die sich im Tal bei strömendem Regen und Dunkelheit auf den Weg gemacht hatte. Zum Start der Lesung begann es in dicken Flocken zu schneien. Als die Gruppe sich wieder auf den Heimweg machte, lagen draussen vierzig Zentimeter Neuschnee.

«Rien ne va plus» heisst das neue Programm. Worum geht es?

Enderli: Es geht um Roulette und um alles, was mit Spielen zu tun hat. Wie immer starten wir mit einem Apéro im Freien. Diesmal wird dort ein Glücksrad stehen mit einem Klavier, das man aus der Ferne bedienen kann. Mehr sage ich nicht.

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