«Ein Schnaps hiess Dope»

HEERBRUGG. Patrick Noack, Oberarzt am Swiss Olympic Medical Center, referierte vor den OMR-Sportschülern über Dopingsubstanzen und -praktiken.

Yves Solenthaler
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Patrick Noack erzählte von abenteuerlichen Ausreden – hier die «Zahnpasta-Affäre» von Langstreckenläufer Dieter Baumann. (Bild: ys)

Patrick Noack erzählte von abenteuerlichen Ausreden – hier die «Zahnpasta-Affäre» von Langstreckenläufer Dieter Baumann. (Bild: ys)

«To Dope» bedeutet aufputschen. Ursprünglich stammt die Bezeichnung gemäss Patrick Noack von den Buren in Südafrika, die einen starken Schnaps «Dope» genannt hatten. Alkohol als angebliches Dopingmittel ist bekannt von der Tour de France des frühen 20. Jahrhunderts. Heute bietet die Sportmedizin ausgeklügeltere Methoden zum Betrug an. Geblieben ist Alkohol auf der Dopingliste bei bestimmten Sportarten – zum Beispiel dem Schiessen.

«Viermal Sex vor dem Rennen»

Das erfuhren die 45 Zuhörer beim Vortrag von Patrick Noack. Der ehemalige Leichtathlet (LC Brühl), der inzwischen Triathlons bestreitet, ist Oberarzt des Swiss Olympic Medical Centers in Magglingen und Teamarzt bei den Schweizer Triathleten und Langläufern. Er erzählte den Sportschülern und deren Eltern sowie Trainern über Dopingsubstanzen und verwegene Praktiken von Betrügern.

Diesen ziemlich technisch anmutenden Teil lockerte der Sportarzt mit Ausreden erwischter Sportler auf. Der im letzten Oktober 34-jährig an einer Lungenembolie gestorbene ex-Radprofi Frank Vandenbroucke aus Belgien hatte von bei ihm gefundenen Dopingsubstanzen behauptet, sie seien für den Hund bestimmt gewesen. US-Sprinter Dennis Mitchell führte seinen erhöhten Testosteron-Wert auf «viermal Sex und zu viel Alkohol» vor dem Wettkampf zurück: «Die Lady hatte Geburtstag, da hatte sie eine besondere Behandlung verdient.

» Und den Klassiker hatte Noack auch bereit. Der deutsche Langstreckenläufer Dieter Baumann sagte, seine Zahnpasta sei von Dritten mit dem Wirkstoff Nandrolon versetzt wurde. Da verwundert es nicht, dass Baumann inzwischen als Komiker durch Deutschland tingelt.

Doping auch im Breitensport

Eindrücklich waren auch die Schilderungen der Dopingpraktiken.

Die enorm aufwendigen, oft sich selbst entwürdigenden Mittel, die Doper anwenden, machen vor allem eines deutlich: Doping ist weit mehr als ein Kavaliersdelikt, es steckt eine geballte Ladung kriminelle Energie dahinter. Und es ist nicht auf den Spitzensport beschränkt: Am Triathlon-Ironman in Zürich wurden Dopingkontrollen unter Breitensportlern durchgeführt.

«Sehr hoch war der Anteil an erhöhten Koffeinwerten, erschreckend hoch der Einsatz von Schmerzmitteln», sagt Noack.

Für Sportler besteht oft eine Unsicherheit. Wie verhält es sich mit Nahrungsmittelzusätzen? Welche Medizin ist bei einer Grippe erlaubt? Patrick Noack verwies auf die Website «www.dopinginfo.ch», die unter anderem solche Infos enthält. Als er wissen wollte, wer dort schon vorbeigeschaut hat, schnellte keine Hand nach oben.

Christoph Rüttimann, der als Leiter der Sportlerklasse zum Vortrag eingeladen hatte, sagte abschliessend: «Vielleicht ist es ein gutes Zeichen, dass kein Schüler diese Homepage kennt.»