Ein Schatz am Gartenteich

Garten

Urs Stieger
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Am Gartenteich haben wir in diesen Tagen einen Schatz versteckt. Zwar ist er nicht unter der Erde oder unter den Steinen, aber man muss schon wissen, wo er eingegraben ist, sonst findet man ihn nicht. «Uuchruut» wird man uns dazu sagen, ein Griff, und er ist im Kompost. Der Schatz ist kein Goldstück, kein Edelstein, von Goldvreneli ganz zu schweigen. Es ist eine Pflanze, ja, ein Pflänzchen, kaum 5 cm gross. Doch es ist eine der seltensten Pflanzen Europas, die es – welche Errungenschaft – auf die Rote Liste der gefährdeten Pflanzen gebracht hat.

Myosotis rehsteineri wurde sie zu Ehren des Pfarrers und Naturforschers Johann Konrad Rechsteiner (1797 – 1858) getauft. Der deutsche Name tönt fast wie ein Hilferuf, er ist es auch: Bodensee-Vergissmeinnicht. Einst gab es fast an allen Schweizer Seen dieses kleine blaue Blümchen. Ende des 20. Jahrhunderts war es fast verschwunden, man glaubte, dass es ausstirbt. Zwar hat es sich etwas erholt, aber gegenüber früheren Zeiten ist das Pflänzchen immer noch extrem selten.

Spezialisierte Gärtnereien haben sich die Aufgabe gestellt, das blaue, unscheinbare Blümchen künstlich zu vermehren. Ein solches Pflänzchen wächst nun hoffentlich gut in unserem Garten.

Am und im Gartenteich ist trotz Spätfrost das Leben zurückgekehrt. Dank der warmen Frühlingstage haben sich dieses Jahr aussergewöhnlich viele Kaulquappen entwickelt. Weder Schnecken, Molche noch Wasserinsekten haben offensichtlich Schaden erlitten bei den Spätfrösten, die Zünslerraupen sind wie eh und je quickfidel! Andere Pflanzen und Bäume nicht!

Jetzt, einige Wochen nach dem Ereignis, sieht man, wie sich die Pflanzen weiterentwickeln oder auch nicht. Die Platanen sind immer noch braun, aber die Knospen haben sich verdickt, immerhin ein Hoffnungsschimmer. Die Marroni bringen wahrscheinlich keine Nüsse dieses Jahr, aber die kleinen Edelkastanien, die später austreiben, entwickeln sich normal.

Wie fast überall sind Hortensien zurückgefroren, Kiwi sowieso. Aber, man muss schon gut schauen, dass man inmitten des Grüns in tausend Schattierungen die Erfrierungen noch registriert. Und nochmals: Wir leben nicht davon!

Das blaue Wunder erleben: Der Kaiser- oder Prinzessinnenbaum (Kolumne vom 13. Mai) ist anscheinend nicht so harmlos, wie ich ihn geschildert habe. Allerdings habe ich leider den Hinweis, dass unser Baum ein Klon ist, der unfruchtbare Samen macht, wegen der Länge des Textes wieder gelöscht. Alte Sorten können, vielleicht auch wegen dem wärmeren Klima, auch bei uns keimen. Wer eine Paulownia pflanzen möchte, um im Garten sein blaues Wunder zu erleben, sollte sicher sein, dass der Baum nicht invasiv wird. Es gibt Züchtungen, die sind es erwiesenermassen nicht, wie die Hybride «Nordmax 21», die in Deutschland in Plantagen angebaut wird und in unserem Garten blüht.

Grosse und kleine Wunder: Blauglockenbaum und Bodensee-Vergissmeinnicht.

Urs Stieger

Berneck

Der Autor der «Gartenkolumnen» liest und referiert zum Thema am Mittwoch, 7. Juni, um 19.30 Uhr in der Bibliothek Berneck.