Ein Papst zog durchs Rheintal

BALGACH. Konstanz und die Bodenseeregion feiern von 2014 bis 2018 das 600-Jahr-Jubiläum des Konzils. Zu diesem Anlass arbeitet Urs Stieger an einem Stück. Mehr verrät er am Vollmondabend auf Grünenstein.

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Urs Stieger arbeitet an einem neuen Stück. (Bild: pd)

Urs Stieger arbeitet an einem neuen Stück. (Bild: pd)

1414 zieht Papst Johannes XXIII von Italien kommend mit «600 herren ond cortissan» über den Arlberg und stürzt beim Chlösterlin (und nachher am Konzil von Konstanz). Er zieht weiter über «Veltkirch, öber den Rii, Rinegg, Chreuzelingen nach Constentz».

Konstanz und die Bodenseeregion feiern 2014 bis 2018 das 600-Jahr-Jubiläum des Konzils.

Neues Stück 2017

Zu diesem Anlass arbeitet Urs Stieger an einem Stück, basierend auf den Liedern des Südtiroler Sängers und Ritters Oswald von Wolkenstein.

Das Stück soll kein Mittelalter-Spektakel werden, sondern mit den Liedern und Zitaten von Oswald von Wolkenstein (und anderen) die Individualisierung der Menschen in der Frührenaissance zeigen.

Der kommende Vollmondabend auf Schloss Grünenstein zeigt die Materialien, die zu diesem Stück beitragen: Die Richentalchronik, die während dem Konzil entstand, die Bilder daraus werden zu sehen sein, die Lieder Oswald von Wolkensteins, die Aufzeichnungen aus seinem Leben, andere zeitgenössische Quellen. Dabei soll nicht ein knochentrockener Historikerabend herauskommen. Eine Mischung aus Musik, Text und Bild bringt diese Zeit sinnlich in das Turmzimmer von Grünenstein.

Auf einem «Konzilzug» vom Arlberg her wird das Stück 2017/2018 in den Dörfern und Städten zwischen «Chlösterlin und Constentz» gezeigt. Dabei können sich Interessierte als Konzilpilger für eine Woche am Zug beteiligen. Eingebettet ist auch die Geschichte von Jörgen von Ens, der von der «Veste Grimmenstain» bei St. Margrethen aus die Konzilpilger überfiel und ausraubte, bis er, dreist am Konzil verkehrend, erkannt und verhaftet und sein Diener im Bodensee ertränkt wurde.

Autobiographische Lieder

Urs Stieger befasst sich schon mehrere Jahrzehnte mit den Liedern des Südtiroler Ritters Oswald von Wolkenstein. Nie zuvor haben Lieder solch autobiographische Züge getragen. Seien es Schilderungen seiner vielen Reisen, seine Erlebnisse in Konstanz oder alltägliche Probleme mit Kindern, Ehefrau und Angestellten. Auch die Musik, die nachweislich Wolkenstein selbst geschrieben hat, ist neu. Die aufkommende Renaissance erweitert den musikalischen Horizont, neue Instrumente werden erfunden und gespielt.

Der Vollmondabend des Vereins Froschkönig findet am Samstag, 6. Dezember, um 20 Uhr auf Schloss Grünenstein statt. Reservation unter Telefon 079 404 47 12 oder info@frosch koenigreich.ch. (pd)