Ein Name, drei Männer

In der Seelsorgeeinheit Blattenberg engagieren sich im Kirchenrat drei Männer aus drei Dörfern. Bemerkenswert ist: Alle drei heissen Daniel Kühnis. Eine Verwechslung erregte unsere Aufmerksamkeit.

Monika von der Linden
Drucken
Teilen
Daniel Kühnis, Rüthi, ist ledig. Er war vier Jahre Pfarreirat und ist in zweiter Amtszeit Verwaltungsrat sowie Delegierter im Pfarreirat.

Daniel Kühnis, Rüthi, ist ledig. Er war vier Jahre Pfarreirat und ist in zweiter Amtszeit Verwaltungsrat sowie Delegierter im Pfarreirat.

OBERRIET. Im redaktionellen Arbeitsalltag sind Fehler leider nicht ganz ausgeschlossen. Wünschbar ist, dass sie rechtzeitig entdeckt und korrigiert werden. Geschieht das nicht, kann es ärgerlich sein.

Ein Malheur ist mit einem Beitrag der Seelsorgeeinheit Blattenberg passiert. Beim Korrekturlesen wurde der Kirchenrat Daniel Kühnis von der Redaktion zum Präsidenten «befördert». Das wäre besser unterlassen worden. Denn ausser jenem Daniel Kühnis, der Katholisch Montlingen-Eichenwies präsidiert, gibt es den Kirchenrat Daniel Kühnis aus Rüthi (der gemeint war).

Als der Redaktorin die Verwechslung auffiel und sie erfuhr, dass es in der Seelsorgeeinheit (SE) sogar drei engagierte Herren mit Namen Daniel Kühnis gibt, traf sie sich mit ihnen. Damit an dieser Stelle weitere Verwechslungen vermieden werden, fügen wir dem Namen jeweils den Anfangsbuchstaben des jeweiligen Wohnortes an: F (für Freienbach), M (Montlingen), R (Rüthi).

Ausrede wie bei Zwillingen

Noch vor wenigen Jahren wurden die drei Männer nur selten verwechselt. «Ich wurde nur angerufen, wenn jemand den Pädagogen suchte», meint Daniel Kühnis (R).

Betreibungen, Zeugnisse, Liebesbriefe oder sonstige Dokumente, die einem anderen Daniel Kühnis galten, erhielt bisher niemand.

Seit sechs Jahren aber gibt es die SE Blattenberg, und seither wachsen die Dörfer enger zusammen. Also nimmt das Potenzial an Irrtümern zu. Erst recht, weil alle drei dem Verwaltungsrat einer jeweils anderen Kirchgemeinde in derselben SE angehören.

«Manchmal bekomme ich falsche E-Mails», meint Daniel Kühnis (M). Die Adressen unterscheiden sich zwar, enden aber alle mit @se-blattenberg.ch. Das merkt er schnell und leitet sie weiter. Lachend fügt er an: «Das ist wie bei eineiigen Zwillingen. Ich könnte ja auch sagen, ich sei nicht zuständig.»

Daniel war ein Dauerbrenner

Kühnis ist ein Oberrieter Geschlecht. Bald jeder Träger des Namens hat Vorfahren in der Gemeinde. Vor einigen Jahrzehnten war der Vorname Daniel ein Dauerbrenner. So erklären sich die drei Namensvetter die Häufung. «Daniel heisst: der Göttliche», fügt Daniel Kühnis (F) an, als mögliche Erklärung für ihre Nähe zur Kirche. Über sein Engagement für die Schule und das Dorf kam der Heilpädagoge Daniel Kühnis (M) der Kirche näher. «Rechnen ist nicht alles», sagt er. In der Kirche könne er sehr gut seine christlichen Werte weitergeben, zum Beispiel in Schülergottesdiensten, die er als Bibellehrer mitgestaltet.

Als alten Zopf sieht auch Daniel Kühnis (F) diese Werte nicht an: «Wer aus der Kirche austritt, stellt meist das Ich und kaum mehr das Gemeinschaftliche in den Vordergrund.» Als der gelernte Eisenwarenverkäufer und heutige Unternehmer eine Familie gründete, kam er gezielt aus der Anonymität der Stadt zurück nach Freienbach, um zu bauen. «Ich möchte mich im Dorf engagieren», sagt er. Die Anfragen kamen von selbst, und weil die Kirche es noch schwerer hat als weltliche Vereine, Freiwillige zu finden, fiel ihm die Entscheidung leicht. Er wird zwar manchmal dafür belächelt, es trifft ihn aber nicht.

Überall Kosten-Nutzen-Denken

Acht Sitzungen im Verwaltungsrat, zwei Seniorennachmittage und zwei weitere Sitzungen – mehr Aufwand sollte das Amt Daniel Kühnis (R) nicht abverlangen. Er wusste aber, dass es mehr werden würde, denn er wuchs am Valentinsberg auf und ging als Kind im Pfarrhaus ein und aus.

Der Gottesdienst ist für den Postangestellten ein beruhigender Fixpunkt in der Alltagshektik. Er möchte sich für die Öffentlichkeit engagieren, heute in der Kirche, früher in der Gewerkschaft. «Kirche und Berufswelt haben viele Parallelen», sagt er. Es werden überall Kosten-Nutzen-Rechnungen aufgestellt. In Rüthi sieht er als Verwaltungsrat den Gottesdienst am Freitagabend in Gefahr, weil immer weniger Gläubige kommen. «Sie sind unsere Stammkunden.»

Keine Endzeitstimmung

Weil die Klientel aus der älteren Generation kleiner werde, müsse das II. Vatikanische Konzil endlich umgesetzt und den Jungen mehr Verantwortung übertragen werden», meint Daniel Kühnis (M). «Wir müssen jetzt gut arbeiten, vorausschauen und Seelsorger anstellen, die den Samen aufkeimen lassen, aber bloss keine Endzeitstimmung verbreiten.» Die Pfarreien müssten ihren Glauben entwickeln, ihn leben und nicht nur von ihm erzählen.

Einen Ansatz sieht Daniel Kühnis (R) im Projekt Firmung ab 18: «Die heutigen Firmbegleiter in unserer Seelsorgeeinheit durchliefen es selbst.»

Heutigen Eltern wurde, als sie Jugendliche waren, die Kirche verleidet. «Wir wurden stur und stier unterrichtet» nennt der Montlinger Kühnis eine unschöne Erinnerung. Der Rohrstock war gerade abgeschafft worden. «Aber die Kirche strahlte nicht die Wärme und Geborgenheit aus, die ich mir gewünscht hatte.» Die Rolle der Ortsseelsorger sei zentral dafür, ob sich ein junger Mensch für die Kirche und den Glauben begeistern lasse oder ob er sich abwende.

Daniel Kühnis, Freienbach, ist verheiratet, hat zwei Kinder und gehört seit 1. Januar der Kirchenverwaltung Kobelwald an.

Daniel Kühnis, Freienbach, ist verheiratet, hat zwei Kinder und gehört seit 1. Januar der Kirchenverwaltung Kobelwald an.

Daniel Kühnis, Montlingen, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er ist Verwaltungsratspräsident von Montlingen-Eichenwies.

Daniel Kühnis, Montlingen, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er ist Verwaltungsratspräsident von Montlingen-Eichenwies.

Eine fröhliche Runde, entstanden auf Wunsch der Reporterin. Sie verwechselte die drei Herren Daniel Kühnis miteinander und spricht mit ihnen darüber, welche Probleme und Vorteile bestehen, wenn man mit gleichem Namen in einer Seelsorgeeinheit engagiert ist. (Bilder: Monika von der Linden)

Eine fröhliche Runde, entstanden auf Wunsch der Reporterin. Sie verwechselte die drei Herren Daniel Kühnis miteinander und spricht mit ihnen darüber, welche Probleme und Vorteile bestehen, wenn man mit gleichem Namen in einer Seelsorgeeinheit engagiert ist. (Bilder: Monika von der Linden)