Ein Liebesbrief von Gott

Aus christlicher Sicht

Silke Dohrmann
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Kennen Sie das auch? Sie sitzen in der Bahn, kommen mit einem Mitreisenden ins Gespräch und entdecken, dass Sie gemeinsam einen Bekannten haben. Oder sich für eine Musikrichtung interessieren oder engagiert sind in einer Kirchgemeinde. Ein Gespräch beginnt, die Zeit vergeht wie im Flug und man vergisst ­beinahe, auszusteigen (einmal ist es mir passiert!). Ein amerikanischer Freund nannte es so: Das ist ein Liebesbrief vom lieben Gott.

Mir gefällt die Bezeichnung dafür: Liebesbrief Gottes. Manch wundervolle, unerwartete Begegnung kommt mir in den Sinn, die einen munter, fröhlich und lebendig macht. Wenn wir uns nur lange genug unterhalten mit Fremden, werden wir etwas Gemeinsames finden. Nach dem Motto: Ein Fremder ist ein Freund, dem du noch nicht begegnet bist.

Welche Freude es dem Heiligen Geist wohl macht, wenn er es geschafft hat, wieder Menschen zum Lachen und Staunen zu ­bringen? Wie er uns mit der Nase darauf stösst, dass unser Lebensfaden hineingewoben ist in Gottes Kommunikationsnetz. Und nichts, gar nichts davon haben wir im Griff!

In der Bibel gibt es viele Erzählungen, wie Menschen Liebesbriefe von Gott erhalten: «Geh dorthin!», sagt Gott, «Du wirst das und das vorfinden, und dann begegnet dir eine Person, sie braucht dich, du wirst ihr helfen können.» Oder: «Du wirst sehen, dass sie es ist, die dir weiterhilft.» Ich finde, es ist ein schöner Gedanke: Gott schreibt uns Briefe, damit wir weiter ins Leben vertrauen können, – trotz allem, was uns bedroht und Angst macht. Dass wir unser Leben nicht in der Hand haben, aber dass es gut ist, dass wir jetzt, an genau diesem Ort, wach und präsent sind. Gott spricht nämlich hier zu uns und wartet auf unsere Antwort – und dass wir uns auf den Weg machen. Ob wir das noch hören können, dauerbeschallt und zerstreut, wie wir manchmal sind? Ein Lied aus dem neuen St. Galler Gesangbuch spricht von den Zeichen der Liebe Gottes:

Vater, ich will dir danken, dich, den Schöpfer preisen für die Schönheit, die mich jeden Tag umgibt. Vater, du schenkst das Leben auf so viele Weise, und in all dem erkenne ich Zeichen deiner Liebe.

Zeichen deiner Liebe, Zeichen deiner Treue zu uns, Herr, du zeigst uns immer wieder deine Treue und Gunst. Zeichen deiner Liebe, Zeichen deiner Treue zu uns, Herr, du gibst uns immer wieder Zeichen deiner Liebe.

Beste Wünsche für einen Sommer mit Mut zur Begegnung.

Silke Dohrmann

Pfarrerin in Widnau-Kriessern