Ein letztes Mal auftrumpfen

Während zehn Jahren gehörte der STV Marbach mit der Gymnastik Grossfeld zu den dominierenden Vereinen der Schweiz. Am ETF wird der amtierende Schweizer Meister diese Disziplin ein letztes Mal wettkampfmässig aufführen. Nicht ganz freiwillig.

Andrea Kobler
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Letzte Vorbereitung der Gymnastik Grossfeld des STV Marbach anlässlich des Fussballspiels Rebstein – Mels. Die Turner wissen, wohin es geht: «ETF, wir kommen.» (Bild: hst)

Letzte Vorbereitung der Gymnastik Grossfeld des STV Marbach anlässlich des Fussballspiels Rebstein – Mels. Die Turner wissen, wohin es geht: «ETF, wir kommen.» (Bild: hst)

Bei Schweizer Meisterschaften stand der STV Marbach die letzten neun Jahre mit der Gymnastik Grossfeld immer auf dem Podest, fünfmal zuoberst. Am Eidgenössischen Turnfest wollen die 23 Turnerinnen und Turner nochmals die höchste Note aller Teilnehmenden erreichen.

Letzte konzentrierte Vorbereitungen

Seit Januar bereitet sich das Team um den Technischen Leiter Reto Ebneter und die Oberturner Benjamin Tanner und Heidi Lan- genegger seriös auf das grosse Ziel vor. Das heisst drei bis vier Trainings die Woche in Gymnastik, Leichtathletik und Fachtest Allround. Die Vorbereitungen liefen gut, diejenigen in der Gymnastik mit Noten über 9,6 gar ausgezeichnet.

Ein besonderes Erlebnis war der Auftritt in der Pause des Challenge-League-Fussballspiels Aar-au gegen Lausanne mit doppeltem Hühnerhaut-Feeling. Es lag Schnee und die Turnenden wurden von den 4500 Fussballzuschauern gefeiert. «Es war eine coole, aber aufgrund der Wetterbedingungen doch grenzwertige Erfahrung», so Reto Ebneter. Die Hauptprobe wieder bei Fussballern, in der Pause des letzten 2.-Liga-Meisterschaftsspiels Rebstein gegen Mels.

Nochmals die beste Gymnastik zeigen

Vieles hat der amtierende Schweizer Meister seit dem Titel in Burgdorf nicht geändert. 15 Sekunden des 4 Minuten und 30 Sekunden langen Programms wurden optimiert. «Wir bekamen letztes Jahr nie Abzug im Programm, turnen die gesamte Vorführung gern. Also bestand kein Grund, etwas zu ändern», erklärt Reto Ebneter. Dafür wurden vier junge Turner eingebaut. Am «Eidgenössischen» in Aarau ist das Ziel klar: «Wir wollen an dieser inoffiziellen Schweizer Meisterschaft noch einmal der beste Verein in dieser Disziplin sein und die Note von 9,56 vom letzten Eidgenössischen in Biel übertrumpfen.»

STV Marbach mit 60 Turnenenden

Eine Herausforderung wird sein, dass der STV Marbach morgen Donnerstag, 20. Juni, morgens um 9 Uhr als erster der besseren Vereine in der Grossfeldgymnastik bewertet wird und so als erster Richtwert für die Notenvergabe gilt. Geturnt wird bis Samstagabend. Der STV Marbach beteiligt sich am dreiteiligen Vereinswettkampf. Neben der Paradedisziplin Gymnastik Grossfeld besteht dieser aus Gymnastik Bühne mit dem Handgerät Seil, aus Leichtathletik (Weitsprung und Pendelstafette) sowie dem Fachtest Allround. Für Marbach ist es wichtig, in der ersten Stärkeklasse anzutreten. Also dort, wo die Vereine mit den meisten Mitwirkenden teilnehmen und dort, wo der Turnfestsieger gekürt wird. Das Ziel der 60 Marbacher Turner sind 27,5 Punkte. Beim letzten «Eidgenössischen» in Biel 2013 belegte der Oberrheintaler Dorfverein mit 27,33 Punkten den 29. Rang unter 69 Vereinen. Die letzten Herausforderungen sind nun organisatorischer Natur: Die Anreise heute Abend, die Übernachtung im Zelt und dann, dass jeder zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht.

Auch in Zukunft an der Spitze einordnen

Nach dem «Eidgenössichen» gibt es in der Gymnastik neue Wettkampfvorschriften. Die Disziplinen Klein- und Grossfeld werden zusammengelegt. «Da immer weniger Vereine in der Gymnastik Grossfeld starteten, wussten wir, dass es irgendwann eine Änderung geben wird», so Ebneter. Dennoch waren die Marbacher überzeugt, dass die Gymnastik Grossfeld nicht gänzlich wegfallen wird: «Es ist diejenige Disziplin, in der am meisten Athleten zusammen turnen. Diese zu streichen wäre nicht im Sinne des Turnsports.» Wie die Rasengymnastik der Zukunft genau aussehen wird, ist noch unbekannt. Reto Ebneter ist zuversichtlich: «Es wird anders werden. Aber wir Marbacher werden uns weiter in der Spitze einordnen.»

Neben den Aktiven werden auch die Männer und Frauen des STV Marbach am «Eidgenössischen» starten. Sie wollen ein Wort um den Sieg im dreiteiligen Vereinswettkampf der 1. Stärkeklasse mitreden. Die Leichtathleten sind neben dem Vereinswettkampf auch im LMM Leichtathletik-Mannschafts-Mehrkampf im Einsatz. Spätestens am Marbacher Kilbisonntag werden die Resultate bekannt sein. Dann werden die Turnerinnen und Turner um 18 Uhr auf dem Dorfplatz empfangen.