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Ein Herz für Reptilien: Widnauerin bietet ausgesetzten Schildkröten ein Zuhause

Jacqueline Gschwend-Pfenninger kümmert sich seit elf Jahren um verletzte und ausgesetzte amerikanische Eindringlinge. Sie arbeitet dabei eng mit dem Tierschutz zusammen.
Benjamin Schmid
Jacqueline Gschwend-Pfenninger bei der Installation des neuen Biotops für ihre Wasserschildkröten. (Bild: Jens Teuber)

Jacqueline Gschwend-Pfenninger bei der Installation des neuen Biotops für ihre Wasserschildkröten. (Bild: Jens Teuber)

Die Sonne strahlt vom Himmel, als ich langsam auf Jacqueline Geschwend-Pfenningers kleine Oase in ihrem Garten zusteuere. Sechs Wasserschildkröten bewohnen das zweimal zwei Meter grosse und über einen Meter tiefe Aquarium. Während ich mich vorsichtig nähere, höre ich die kleinen urzeitlichen Tiere ins Wasser gleiten, um kurz darauf ihre Köpfchen raus zu strecken und die Lage zu checken. Argwöhnisch beobachten mich die Augenpaare und sehen, wie ich mich vis-à-vis des Biotops setze.

Kaum haben sie bemerkt, dass ich keine Gefahr bin, kämpft sich eine Rotwangen-Schmuckschildkröte mit kurzen Beinchen an Land und geht in meine Richtung. Trotz ihres Panzers sind die sechs Amerikaner sehr agil. Jacqueline Gschwend-Pfenninger besitzt nebst den Rotwangen-Schmuckschildkröten auch Gelbwangen-Schmuckschildkröten, Mississippi-Höckerschildröten und einen Extremtaucher – eine Moschusschildkröte. Fast ein halbes Jahr können sie unter Wasser bleiben – ohne Luft zu holen. Das ist rekordverdächtig und einmalig. «Ein spezielles Organ im Rachen macht das möglich», sagt sagt Jacqueline Gschwend-Pfenninger. Forscher hätten dies erst kürzlich herausgefunden. Ihre Moschusschildkröte bleibe aber nicht so lang unter Wasser und lasse sich «glücklicherweise» öfters blicken.

Zusammenarbeit mit dem Tierschutz

Tierliebend war die 36-Jährige schon immer. Eine Tierhaarallergie verhinderte jedoch den Besitz von Haustieren wie Hunde, Katzen oder Meerschweinchen. Mit 20 Jahren legte sich die Widnauerin ihre ersten eigenen Tiere zu – es waren Echsen. Fünf Jahre später nahm sie vom Tierschutz ihren ersten Pflegling entgegen, eine Rotwangen- Schmuckschildkröte.

«Ich hatte Platz, Interesse und ein Herz für die obdachlos gewordenen Reptilien», sagt sie.

Seither bemühe sie sich, die Haltebedingungen fortwährend zu verbessern. «Als nächstes möchte ich einen natürlichen Teich anlegen, damit sich die Tiere gemäss innerer Uhr im Schlammboden für die Winterruhe eingraben können.»

In den letzten zehn Jahren fragte sie der Tierschutz immer wieder an, ob sie verletzte oder ausgesetzte Tiere vorläufig aufnehmen könne. Meistens seien daraus ein paar Jahre geworden. «Nach Möglichkeit gebe ich genesene Tiere anderen Haltern ab», sagt die Floristin, «aber ich kann mich nicht immer von allen Tieren trennen.»

Innige Beziehungen sind entstanden

Die amerikanische Gelbwangen-Schmuckschildkröte fühlt sich wohl in Widnau. (Bild: Benjamin Schmid)

Die amerikanische Gelbwangen-Schmuckschildkröte fühlt sich wohl in Widnau. (Bild: Benjamin Schmid)

Manchmal muss Jacqueline Gschwend-Pfenninger die Tiere unter Quarantäne stellen, um die gesunden vor den verletzten Tieren zu schützen. Die Pflege sei je nach Verletzung mehr oder weniger intensiv. «Vor Jahren bekam ich ein Tier, dem die Nase und ein Auge fehlten», sagt die 36-Jährige. Die von einer Krähe attackierte Schildkröte brauchte viel Zeit zur Erholung.

Dabei sei eine innige Beziehung entstanden, die über die Behandlung hinaus währte. Eine andere Wasserschildkröte hatte einen Pilzbefall und war auf eine Badekur in einer speziellen Lösung angewiesen. «Das Tier unterliess das Fauchen und Beissen, merkte, dass ich ihm nichts Böses wollte und wurde immer zutraulicher.» Man spüre die Dankbarkeit der Tiere nach der Rettung oder Pflege, dies wirke sich auf die Beziehung aus.

Jacqueline Gschwend-Pfenninger weiss, dass sie keine Kuscheltiere hat. Trotzdem eignen sie sich hervorragend zum Beobachten. «Die Tiere existierten schon vor den Dinosauriern und haben sich über die Jahrmillionen kaum weiterentwickelt», sagt sie. Trotzdem seien sie sehr anpassungsfähig, neugierig und legen interessante Verhaltensweisen an den Tag.

Die Tiere von Jacqueline Gschwend-Pfenninger können alt werden. «30 Jahre und älter, kein Problem.» Das sei einer der Hauptgründe, wieso viele ausgesetzt werden: «Weil sie ihre Halter schlicht überleben.»

Schaffe man sich eine Wasserschildkröte an, müsse man bedenken, dass es ein Verhältnis über Jahrzehnte sei und das Tier fast als Erbstück den Kindern weitergegeben werden kann. Dennoch habe es jüngst mehr Aussetzungen geben, weshalb Rot- und Gelbwangenschildkröten nicht mehr importiert werden dürfen. Gehandelt werden nur noch hier gezüchtete Tiere. Obschon Schildkröten weitgehend als Pflanzenfresser gelten, vertilgen sie nebst Schnecken und Insekten gern auch einmal Crevetten oder Shrimps.

Die Temperatur bestimmt das Geschlecht

Jacqueline Gschwend-Pfenningers Tiere haben keine Namen. «Ich erkenne sie an den Charaktereigenschaften.» So fauche die eine, während eine andere eher zubeisst und eine Dritte beinahe anhänglich ist. Ihre Augenlinse gleicht den Brechungswinkel des Wassers aus, sodass sie auch unter Wasser scharf sehen können.

Besonders spannend sei die Fortpflanzung. «Einerseits kann ein Weibchen das männliche Sperma teils über Jahre speichern und zur Befruchtung der Eier verwenden», sagt die Widnauerin, «andererseits kann sich ein trächtiges Weibchen an den Eiern tottragen, wenn die Umgebung nicht stimmt.» Bei der sogenannten Legenot stimmt entweder die Umgebung zur Eiablage nicht oder das Tier hat physiologische Probleme. Bei den meisten Arten entwickelt sich das Geschlecht in Abhängigkeit von der Temperatur während der Brutzeit.

«Ein Gelege in der prallen Sonne wird eher Weibchen produzieren, ein Gelege im Schatten eher Männchen», erklärt Jacqueline Gschwend-Pfenninger.

Durch die zunehmende Erderwärmung gerate das Geschlechtergefüge aus dem Gleichgewicht und es schlüpfen zunehmend weibliche Schildkröten.

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