Ein grünes Band spannen

MARBACH. Der Rheintaler Höhenweg verbindet die Dörfer wie ein grünes Band miteinander. Auf die Schönheiten und Aufgaben, um sie zu erhalten, macht der Verein St. Galler Rheintal mit Aktionen aufmerksam. Am Samstag war Kickoff in Marbach.

Monika von der Linden
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Die mehr als hundert Teilnehmer blicken durch die Wegmarke. Sie ist ein Portal, das von der Siedlung in die unbebaute Landschaft oder umgekehrt führt. (Bild: Monika von der Linden)

Die mehr als hundert Teilnehmer blicken durch die Wegmarke. Sie ist ein Portal, das von der Siedlung in die unbebaute Landschaft oder umgekehrt führt. (Bild: Monika von der Linden)

Wer am Samstagmorgen durch das Marbacher Oberfeld spazierte, hörte von weitem einen wohlklingenden Gesang. Urs Stieger und vier Frauen interpretierten zeitgenössische Volkslieder aus Europa. Sie musizierten vor der herbstlichen Kulisse des Blosenbergs – eine weite, unbebaute Landschaft, umrahmt von Laubbäumen – ein Farbenspiel im Wechsel von Sonnenschein und Nebel. Die Musikanten hatten ein grosses und aufmerksames Publikum. Es waren mehr als hundert Personen zum Heim Oberfeld gekommen. Die Landschaft am Rheintaler Höhenweg ist den meisten von ihnen bestens vertraut, dennoch wollten sie mehr erfahren, mehr erleben. Denn der grüne Streifen hat eine vielseitige und zunehmende Bedeutung für den heimischen Siedlungsraum.

Ein Anfang ist gemacht

Das Bewusstsein darum in den Gemeinden zwischen Rüthi und St. Margrethen zu verbessern und Massnahmen zu initiieren, dieser Aufgabe stellt sich die Fachgruppe Siedlung und Landschaft des Vereins St. Galler Rheintal. Sie war die Gastgeberin des Kickoff-Anlasses: «Grünes Band St. Galler Rheintal».

«Ich rede ohne Mikrophon. Es passt nicht so gut zum Heim Oberfeld», sagte Peter Albertin, langjähriger Heimleiter und heutiger Stellvertreter. Die Musik des ehemaligen Oberfeld-Mitarbeiters Urs Stieger passe viel besser. «An ihr haben die Vögel ganz viel Freude.» Mehr als zwanzig Arten leben im Gebiet Oberfeld/Blosenberg. Unter ihnen der gefährdete Gartenrotschwanz, die Waldohreule oder etliche Greifvögel wie der Milan.

Dass die Perle mit einer grossen Biodiversität erhalten bleiben konnte, habe handfeste Gründe und das Heim Oberfeld einen Anteil daran, sagte Peter Albertin. Vor rund vier Jahrzehnten wurde im Zonenplan festgelegt, dass nur unterhalb des Gebietes gebaut werden dürfe. Das Heim Oberfeld hielt diese Politik bis heute konsequent ein und verkaufte nur Boden im Tausch mit Landwirtschaftsgrundstücken. Weiter setzten alle Heimleiter nur Landwirte ein, die keine Gifte benutzten, also biologisch-dynamisch wirtschafteten.

Biodiversität am Siedlungsrand

«Das Rheintal entwickelt sich immer mehr zu einer urbanen Bandsiedlung», sagte Reto Friedauer, Präsident der Fachgruppe Siedlung und Natur. Zwar gebe es viele Einfamilienhäuser mit Umschwung. Diesen zu pflegen ist aber aufwendig, und viele Hausbesitzer legen Steingärten mit fremdartigen Pflanzen an, entscheiden sich für Rollrasen auf denen Mähroboter fahren. «Hier sind die Gemeinden gefordert. Für die verarmten Gärten in den Siedlungen müssen wir an den Rändern und auf öffentlichen Grünflächen einen Ersatz schaffen.»

«Wir können uns vom Beispiel grosser Schweizer Städte leiten lassen und eine grössere urbane Qualität erreichen», sagte Reto Friedauer. Weniger düngen, weniger ausräumen, mehr Nischen schaffen. Ein erster Schritt ist mit dem Label «Grünes Band» getan. Im nächsten Frühjahr wird eine Karte erscheinen, die sechs Fokusgebiete entlang des Rheintaler Höhenwegs zwischen St. Margrethen und Rüthi beschreibt.

Gleich einer Prozession

Einst pilgerten an Fronleichnam die Katholiken von Marbach und Lüchingen über den Weg am Blosenberg. Am Samstag schritten ihn die Besucherinnen und Besucher wie in einer Prozession ab. Dabei passierten sie die neue Wegmarke in Form einer Holzleiter. «Sie ist ein Symbol für den Übergang von der Siedlung zur Landschaft – gleich einem Portal», sagte Projektleiter Andreas Mathieu. Sie markiert den landschaftlich schönen und kulturhistorischen Abschnitt am Rheintaler Höhenweg. Die Leiter bleibt ein paar Monate stehen. Eventuell wird später ein Wettbewerb für fix installierte Wegmarken lanciert.

«Vielleicht trug das viele Beten auf dem Weg zur Erhaltung der Perle bei», meinte Peter Albertin. Ein Meditationsweg sei er bis heute. Am Samstag beschäftigten sich die Teilnehmenden sicher intensiver mit Details, als sie es sonst während eines Spazierganges tun.

Anregungen werden sie gewiss mit in die Gemeinden und Gärten genommen haben.