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Ein Fremder im Wintergarten

Wenn man sich Jahrzehnte mit Pflanzen intensiv beschäftigt, bekommt man einen Grundstock an Wissen, wie die oder jene aussieht oder welche Farben Blüten haben können. Zu glauben, dass man irgendwann genug weiss, ist eine Illusion.
Urs Stieger Berneck

Wenn man sich Jahrzehnte mit Pflanzen intensiv beschäftigt, bekommt man einen Grundstock an Wissen, wie die oder jene aussieht oder welche Farben Blüten haben können. Zu glauben, dass man irgendwann genug weiss, ist eine Illusion. Je mehr man weiss oder kann, umso mehr weiss man, was man nicht weiss oder kann. (Musizieren ist das beste Beispiel.) «Ich weiss, dass ich nicht weiss!» (Sokrates)

Mit den Namen ist es so eine Sache. International werden Pflanzen lateinisch benannt. Daneben gibt es noch die deutschen und lokalen Namen. Diese sind nicht immer hilfreich oder zutreffend. Wer zum Beispiel eine nackte Jungfer im Garten hat, braucht keinen Sichtschutz, aber doch einiges an Phantasie, um die Pflanze zu erkennen und zu beschreiben.

Wer sich als Botaniker ein Denkmal schaffen will, beschreibt eine Pflanze neu oder entdeckt sogar eine, die irgendwo drei Härchen mehr hat, also eine Neue ist. Während der relativ kurzen Zeit der Arbeit an meinem Kolumnenbuch hat sich der Name von zwei Pflanzen geändert, Pflanzen, die vorher ein Jahrhundert lang anders hiessen.

Ich bin kein Held bei Pflanzennamen, ausser vielleicht bei Orchideen, hier kenne ich viele botanische Namen. Doch wenn ich auch mehr als 1000 kennen würde, bei 30 000 Orchideen oder mehr auf der Welt ist das fast nichts. Bei vielen Züchtungen, zum Beispiel bei Rosen, interessiert mich der Name eh nicht, aber das Aussehen kann ich gut beschreiben.

Jedoch helfen Namen, wenn man eine Pflanze nicht kennt und wissen will, wie sie zu behandeln ist, woher sie kommt usw. Bei Rosen oder bei Orchideen kann ich mir den Duft manchmal besser merken als den Namen.

Ein bekannter Wissenschaftler hat die Fähigkeit, mir auf Anfrage den ganzen Cocktail mit 20, 30 Ingredienzen an chemischen Verbindungen des Duftes zu sagen, notabene von einigen tausend Pflanzen! Der Einfachheit halber merkt man sich dann trotzdem den botanischen Namen.

In meinem Wintergarten hat es etliche Pflanzen, die ich nicht mit Namen kenne, ja nicht einmal weiss, woher sie stammen und wie man sie behandelt. Dass aber gestandene Fachleute und Botaniker nicht wissen, was da wächst, macht die Sache schon ziemlich interessant. Ich habe letzten Herbst eine Pflanze, sogar mit wachsenden aufgepflanzten Orchideen von Gartenliebhabern bekommen. Geschenkt! Das abgebildete Bäumchen blühte, sobald man es vom Garten an die Wärme stellte. Die Blütenstruktur ist mir völlig unbekannt. Vielleicht weiss ja ein Leser, eine Leserin, worum es sich handelt, damit aus dem Fremden ein Bekannter wird.

Das Buch «Hädöpfl und Mäzeschtärn», gesammelte Kolumnen aus «Der Rheintaler» und «Rheintalischen Volkszeitung» ist im blabla-verlag.ch erschienen.

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