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«Ein einmaliger Jux – Ehrenwort»

Der 23-jährige Oberrieter Student Florian Meier rückte letzte Woche ins Visier Diepoldsauer Wikipedia-Nutzer, weil er im weltweiten Internet-Lexikon einen dörflichen Scherz (s. Kasten) eingetragen hatte. Dieser blieb drei Jahre lang unbemerkt.
Florian Meier, Oberriet. (Bild: sc)

Florian Meier, Oberriet. (Bild: sc)

Florian Meier, was haben Sie für oder gegen die Diepoldsauer?

Florian Meier: Gar nichts. Aber ich war in der Jungwacht Oberriet, und da hat man sich halt mit den Diepoldsauern gegenseitig gefoppt und geneckt, zumal dies die grössten Rheintaler Jungwacht-Scharen sind. Da wurden freundschaftlich Spässe gemacht und die zwischen-dörfliche Konkurrenz gepflegt. Zudem ging ich mit einem Diepoldsauer Jungwächter in dieselbe Kanti-Klasse, was das Austauschen von Scherzen förderte.

Vertrauen Sie persönlich im Alltag dem Internet-Nachschlagewerk Wikipedia?

Meier: Ja. Ich finde Wikipedia gut und habe auch eine Reihe ernsthafter und genauer Beiträge verfasst. Klar, braucht man für wissenschaftliches Arbeiten andere Quellen, aber für die meisten Menschen und Gelegenheiten ist Wikipedia ausreichend, gut strukturiert und einfach zu bedienen. Begriff eintippen und schon bekommt man übersichtlich alle Informationen dazu, samt Bildern.

Welcher Teufel hat Sie geritten, als Sie den Ulk-Eintrag machten?

Meier: Es war nach der RS, 2009. Ich war zu der Zeit recht aktiv in der Jungwacht und erlaubte mir den Spass, um die Jungwacht-Kollegen aus Diepoldsau zu ärgern.

Was passierte danach?

Meier: Gar nichts. Einige der Jungwacht-Kollegen in Diepoldsau wussten es, und ich dachte, der Eintrag würde wohl von Wikipedia-Benutzern innert weniger Tage gelöscht.

Er hielt sich aber drei Jahre lang.

Meier: Ich bin selber erstaunt, dass er bis letzten Sonntag zu lesen war. Vielleicht, weil Details stimmten. Etwa, dass Diepoldsau einst zu Oberriet gehörte. Das weiss kaum jemand, stimmt aber. Und am ersten Oktober-Wochenende ist in Oberriet Kilbi. Aber der «Brauch» vom Empfang mit Musik und Ballonen ist natürlich erfunden – Steuereintreiber werden und wurden nie so empfangen.

Warum wurde der Eintrag plötzlich Thema, letzte Woche in Diepoldsau, in Mails, bei Facebook?

Meier: Keine Ahnung. Jemand ausserhalb der Jungwacht wird ihn wohl gefunden und andere darauf verwiesen haben. Ich weiss auch nicht, wer ihn dann gelöscht hat.

Sie studieren Geographie und Geschichte in Bern. Warum haben Sie den geschichtlichen Inhalt unter dem Titel Geographie plaziert?

Meier: Als ich den Eintrag machte, stand bei Wikipedia zu Diepoldsau noch fast nichts. Zwischentitel gab es erst später, nach zunehmenden Einträgen. Da ist mein Beitrag wohl unter den Geographie-Titel gerutscht.

Hat Sie die – wohl gespielte – Empörung berührt?

Meier: Ich bekam gar nichts mit, bis ich von einem Jungwacht-Kollegen aus Diepoldsau davon erfuhr. Da war der Eintrag aber schon gelöscht. Die Diepoldsauer hatten immerhin drei Jahre Zeit, den Eintrag zu finden. Erstaunlich, dass ihn niemand gelesen und als Jux erkannt hat. Aber vielleicht gefiel der Beitrag ja den Diepoldsauern.

Kann bei Wikipedia jedermann jeden inhaltlichen Mist hinterlassen?

Meier: Grundsätzlich schon, aber man sollte es nicht tun. Inzwischen kontrolliert sich Wikipedia selber recht gut und effizient. Auch ich helfe dabei. Ein Heer von Freiwilligen beobachtet Veränderungen in selbst gewählten Bereichen. Ich beobachte ziemlich genau, was bei Wikipedia über unsere Region und die Dörfer zu lesen ist.

Entfernen Sie ab und zu Beiträge?

Meier: Ja, etwa wenn zu lokalen und regionalen politischen Vorgängen polemisiert wird. Das gehört nicht zu Wikipedia.

Sie wurden beim Internet-Lexikon vom Saulus zu Paulus?

Meier: Das war eine einmalige Sache, damals, ein kleiner, harmloser und spontaner Jux.

Haben Sie selber schon objektiv falsche Einträge gefunden?

Meier: Ja, etwa bei Oberriet, zu den Einbürgerungen und Nicht-Einbürgerungen. Da habe ich schon Inhalte herausgenommen. Ab und zu gibt es Ungenauigkeiten, Wertendes oder Beschönigendes. PR-Abteilungen von Firmen machen das gern. Personen vielleicht auch. Aber die Wikipedia-Nutzer und -Moderatoren merken viel. Wer in seinen Einträgen dick aufträgt, wirkt unglaubwürdig. Es ist erstaunlich, wie sich dieses Lexikon selber kontrolliert.

Hand aufs Herz; haben Sie noch andere regionale Kuriositäten im demokratischsten Lexikon der Welt platziert?

Meier: Nein. Ehrenwort. Es war einmalig. Vor drei Jahren. Alles andere von mir sind ernsthafte, fundierte Einträge. Und ich helfe mit, dass alles richtig ist, was bei Wikipedia über das Rheintal steht. Interview: René Schneider

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