Ein Dorfclub fürs ganze Tal

Der HC Rheintal beendet am Samstag eine Saison, die sportlich durchzogen verläuft. Dennoch ist Präsident Marc Schwarber zufrieden mit der Entwicklung des Vereins: Die Nachwuchsabteilung wächst seit Jahren und das Vereinsleben ist intakt.

Yves Solenthaler
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Die Zukunft des Handballclubs Rheintal: Die Grösse der Nachwuchsabteilung hat sich in den letzten sieben Jahren mehr als verdoppelt. Präsident Marc Schwarber möchte möglichst viele der jungen Spielerinnen und Spieler auch später als Erwachsene im Verein halten. (Bild: pd)

Die Zukunft des Handballclubs Rheintal: Die Grösse der Nachwuchsabteilung hat sich in den letzten sieben Jahren mehr als verdoppelt. Präsident Marc Schwarber möchte möglichst viele der jungen Spielerinnen und Spieler auch später als Erwachsene im Verein halten. (Bild: pd)

HANDBALL. Nach vier Jahren Absenz konnten die Männer des HC Rheintal in dieser Saison wieder 2. Liga spielen. Marc Schwarber, selbst Teil dieser Mannschaft, sagt: «Wir wussten, dass es schwer wird, in der höchsten Regionalliga zu bestehen.» Der Anfang mit einer knappen Niederlage gegen Bruggen und einem Sieg gegen Seen machte Mut, danach folgte aber der Einbruch: «Nur drei Spieler unserer jungen Mannschaft hatten schon in der 2. Liga gespielt, die mangelnde Erfahrung machte sich bemerkbar.»

Die Folge war eine Niederlagenserie; vier, fünf Mal setzte es eine richtige Watsche, was sich auf die Tordifferenz (– 102) auswirkte: «Teilweise hat Trainer Stefan Thür bei klaren Rückständen taktische Sachen probiert – und in einigen Spielen liessen wir auch den Kopf zu früh hängen.» Erst als der Abstieg feststand, hat die Mannschaft die Kurve wieder gekriegt: «Wenn wir immer so gespielt hätten wie in den letzten zwei Heimspielen, hätten wir uns in der 2. Liga besser behaupten können.» Schwarber ist aber überzeugt, dass die Mannschaft das Potenzial besitzt, um sich später in der 2. Liga zu etablieren: «Sehr positiv ist, dass der Teamgeist stimmt – was sich daran zeigt, dass uns trotz den vielen Niederlagen kein Spieler verlassen hat.»

Knatsch im Frauenteam

Im Frauenteam des HC Rheintal gestaltete sich die Saison etwas schwieriger. Auch die 3.-Liga-Frauen hatten einen guten Saisonstart, fielen dann aber auch wegen Ausfällen in ein spielerisches Loch: «Die Frauen haben ein kleineres Kader, da fallen zwei, drei Verletzte natürlich mehr ins Gewicht.» Mitte Saison war auch im Teamgefüge der Wurm drin: «Unser Sportchef Gabor Eder hat darauf eine Aussprache organisiert. Sein Vorgehen – er hat die Gespräche ohne vorgefertigte Meinung aufgenommen – ist auch von den Spielerinnen geschätzt worden.» Das Rheintaler Frauenteam ist wieder in die Gänge gekommen und beendet die Meisterschaft zumindest anständig.

Der langjährige Trainer Martin Lüchinger wird das Team hingegen verlassen: «Das hat aber nichts mit der schwierigen Saison zu tun – er hat mir diesen Entscheid schon sehr früh in der Saison mitgeteilt.»

Sportlich liegt die nähere bis mittlere Zukunft der HCR-Frauen aber klar in der 3. Liga. Der Umbruch ist seit Jahren ein Thema, richtig gelungen ist er noch nicht. «Allerdings kommen aus der U17 – nächste Saison U18 – einige gute Spielerinnen nach. Wenn uns diese erhalten bleiben, müssen wir nur noch eine weitere Saison überbrücken.»

Aber schon das ist eine Herausforderung: «Zwischen 16 und 18 Jahren hören viele mit dem Sport auf.» Das gilt für Jugendliche beiden Geschlechts, und auch andere Mannschaftssportarten haben damit zu kämpfen, dass die älteren Juniorinnen und Junioren den Verein verlassen.

Schwarbers Lösungsansatz gegen diese Entwicklung ist es, die Durchlässigkeit der Teams zu erhöhen: «Es stärkt das Gefühl für die Vereinszugehörigkeit, wenn die ältesten Nachwuchsspieler regelmässig mit den Aktiven trainieren.» Man kennt sich dann besser – und die jungen Spieler sind eher zum Übertritt bereit.

Gute Mischung im zweiten Team

Aus diesem Grund ist Schwarber geradezu stolz auf die Herren II des HC Rheintal, die in der 4. Liga spielen: «Dort geht es nicht primär um sportlichen Erfolg. Aber Siege helfen natürlich, einen Teamspirit zu entwickeln.» Das Team von Trainer Raphael Bruderer hat in 14 Spielen sechsmal gewonnen, wichtiger ist aber die Mischung im Team: «Früher spielten im Zwei die Alten. Das hatte oft zur Folge, dass ein Junger, dem es nicht ins Fanionteam reichte, den Verein verlassen hat.» Inzwischen bestehe das Team sowohl als alten als auch jungen Spielern – und es ist gross genug, um eine Meisterschaft ohne Engpässe bestreiten zu können.

Das Bestreben, die Spieler im Verein zu halten, ist beim HC Rheintal spürbar. Das zeigt sich auch bei den Juniorenteams, die fast ausnahmslos von ehemaligen oder gar noch aktuellen Spielerinnen und Spielern trainiert werden: «Dank Trainern, die selbst gespielt haben, können wir den Nachwuchsspielern eine hohe Trainingsqualität bieten.»

Der Nachwuchs ist das Herzstück des HC Rheintal. «Man kann fehlende Nachwuchsförderung durch Einsatz von Geld ersetzen – aber auf Dauer geht das nicht gut», sagt Marc Schwarber mit Nachdruck: «Wenn der Verein seine Ziele mit finanziellen Mitteln erreichen wollte, würde ich als Präsident sofort aufhören.» Er ist seit sieben Jahren Vorsitzender des HC Rheintal.

In dieser Zeit ist die Juniorenabteilung von 50 auf 120 Kinder und Jugendliche gewachsen. Sieben HCR-Nachwuchsteams gibt es nächste Saison, wenn noch die U14-Juniorinnen dazukommen: «Wir können inzwischen in jeder Stufe – angefangen bei den 4-, 5-jährigen Kids – mindestens ein Team stellen.»

In mehreren Hallen daheim

Trotz dieses Zuwachses hat sich die zwischenzeitlich angespannte Hallensituation verbessert: «Wir konnten erstmals eine volle Saison in der OMR-Halle in Heerbrugg spielen.» Trainiert wird auch noch in der Kantihalle Heerbrugg, in Widnau (Gässeli), Altstätten, Diepoldsau und in Berneck. Rund 15 Trainings muss der Verein pro Woche im Hallenplan unterbringen: «Das ist immer noch eine Knacknuss. Aber dank gutem, persönlichem Kontakt mit den Hallenchefs hat sich die Lage gebessert.»

HC-Rheintal-Präsident Marc Schwarber: «Das Vereinsleben ist das A und O.» (Bild: ys)

HC-Rheintal-Präsident Marc Schwarber: «Das Vereinsleben ist das A und O.» (Bild: ys)

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