Ein christlich-politischer Präsident

Nach 20 Jahren gibt Christof Köppel das Kirchenpräsidium ab. Jean-Pierre Chéreau bewirbt sich um das Mandat.

Monika von der Linden
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Christof Köppel (links) sieht in Jean-Pierre Chéreau den Kandidaten, der dem Profil am nächsten kommt, das der Verwaltungsrat der Widnauer Katholiken für das Präsidium erstellt hat.Bild: Monika von der Linden

Christof Köppel (links) sieht in Jean-Pierre Chéreau den Kandidaten, der dem Profil am nächsten kommt, das der Verwaltungsrat der Widnauer Katholiken für das Präsidium erstellt hat.Bild: Monika von der Linden

Widnau Jean-Pierre Chéreau ist eben erst von einer Geschäftsreise aus Hongkong zurückgekehrt. Seine Eindrücke und die Begegnungen dort beschäftigen ihn. Er öffnet die Foto-App auf seinem Handy. Die Bilder illustrieren die kulturellen und sozialen Gegensätze in der Stadt, deren Alltag die Protestbewegung seit Wochen bestimmt.

Die Unterschiede zwischen Asien und der Schweiz beschäftigen Jean-Pierre Chéreau. Sie verstärken seine sozial ausgerichtete Haltung und sein Handeln. «In der Schweiz geboren zu sein, ist ein Glück», sagt er. Das Gefühl möchte er in Familie, Job und Kirchgemeinde weitergeben. Der Ruf der katholischen Kirche sei nicht sehr gut, sagt er. Er will sich dem Problem stellen. Deshalb kandidiert er an den Erneuerungswahlen am 8. September als Präsident der Widnauer Katholiken. «Der Ruf der Kirchgemeinde Widnau hingegen ist sehr gut», sagt Jean-Pierre Chéreau. «Auch bei meinen Kindern.» Christof Köppel habe sie solide organisiert.

Kirchgemeinde arbeitet effizienter und transparenter

Präsident Christof Köppel wünscht sich Jean-Pierre Ché- reau als seinen Nachfolger. Um geeignete Kandidaten für den Rat und das Präsidium zu rekrutieren, hatte der Verwaltungsrat vor etwa zwei Jahren Profile für jede Funktion beschrieben. Jeder, der potenzielle Kandidaten anfragen sollte, absolvierte eine Gesprächsschulung. Mit der Zeit kristallisierten sich Personen heraus, die für das Amt motiviert sind, emphatisch auftreten und mit der Kirchgemeinde verbunden sind. «Wir leben den Geist einer offenen Pfarrei, pflegen die Ehrenamtlichkeit und kommunizieren, wofür wir wie viel Geld ausgeben», sagt Christof Köppel. Ausserdem suche der Rat die Zusammenarbeit mit der Schule.

Seine zwanzig Jahre dauernde Amtszeit fasst der per Ende Jahr scheidende Präsident als «herausfordernd und erfüllend» zusammen. Zu Beginn war das Aufgabenfeld übersichtlich, die Wege waren kurz. «Auch auf Druck des Administrationsrates haben wir die Struktur effizienter und transparenter gestaltet», sagt Christof Köppel.

Zum Beispiel gilt inzwischen ein professionelles Lohnreglement für alle Mitarbeitenden im Bistum St.Gallen. «Das versachlicht die Anstellungsbedingungen und der Einzelne hat weniger Nischen, in denen er sich verstecken kann.» Folglich fordert der Präsident mehr von den Mitarbeitenden ein und darf Konflikte nicht scheuen.

Christof Köppel sucht stets den Dialog. «Wir haben als Kirchgemeinde einen christlichen Auftrag zu erfüllen: Verkündigung und Katechese.» Dies unter Wahrung der Grenzen des dualen Systems. In ihm sind Pastoral und Behörde autonom. Der Zeitpunkt zu gehen sei in persönlicher Hinsicht richtig, sagt Chrsitof Köppel, aber auch in Bezug auf die Entwicklung der Organisation. Der Steuerfuss sei mit 17 Prozent der niedrigste im Dekanat Altstätten. Mit der Gründung des Zweckverbandes auf dem Gebiet der Seelsorgeeinheit war der Widnauer Verwaltungsrat ein Pionier in der engeren Zusammenarbeit mit anderen Kirchgemeinden.

Nach vier Amtsperioden wollte Christof Köppel noch nicht demissionieren. «Ich hatte die Aufgleisung des Zweckverbandes mitgestaltet und wollte die Umsetzung im Amt miterleben.» Nun funktioniere der Verband gut und er habe die beteiligten Verwaltungsräte massiv entlastet. Einen Traum hat der scheidende Präsident nicht aufgeben müssen. Sein grösster erfüllte sich, die Kirchgemeinde und die Pfarrei mit dem Team zu entwickeln. «Wir haben immer einen Konsens gefunden.»

Erfahrungen als Vereinspräsident

«Der Schuh ist gross, den mir Christof Köppel hinterlässt», sagt Jean-Pierre Chéreau. «Aber das Resultat seiner Amtszeit ist positiv. Darauf kann ich aufbauen.» Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem Rat. An den ersten Treffen stimmte die Chemie. Der gute Geist im Rat wird ihn unterstützen, seine Aufgabe zu erfüllen, ohne zuvor bereits ein Ratsmitglied gewesen zu sein. Jean-Pierre Chéreau sieht Parallelen vom Kirchenpräsidium zu dem des Vereins Ehemaliger der Oberstufe Widnau. Administrativ sind beide Ämter ähnlich. Hingegen leistet der Vereinspräsident eine reine Freiwilligenarbeit und erledigt vieles selbst. Als Kirchenpräsident erhält er ein öffentliches Mandat und arbeitet in klarer Struktur in Ressorts.

Denkt der Kandidat an die Aufgabe, der er sich stellt, hat er das Bild eines Staudammes vor Augen. «Christof Köppel hat ihn gebaut.» Der Stausee sei gut eingebettet in die Landschaft und diene der Gewinnung positiver Energie.

Der amtierende Ratspräsident hinterlässt keine Pendenzen, die über das Tagesgeschäft hinausgehen. Er überlegt, die Umgebung der Kirche durch bauliche Massnahmen zu beleben. «Das Ziel ist, erst einmal herauszufinden, ob die Infrastruktur dem Bedarf entspricht oder ob es etwas Besseres gibt», sagt Christof Köppel. Denkbar wäre es, Seelsorgerbüros und Pfarrsekretariat zusammenzulegen. Geplant sei noch nichts.

Vielleicht kommt es zur Fusion

Einige Kirchgemeinden im Rheintal befassen sich derzeit mit dem Szenario einer Fusion. Geschieht dies, weil die Kirchgemeinden kleiner werden, ist das Thema negativ behaftet. «Wollen wir eine grössere Gemeinschaft bilden, ist es positiv», sagt Jean-Pierre Chéreau. «Unsere drei Kirchgemeinden schaffen mit einem engeren Schulterschluss als das Pastoralteam», sagt Christof Köppel. Hier müsse der Dialog fortgesetzt werden. «Es hat Luft nach oben. Das Pastoralteam muss noch enger zusammenarbeiten.»

Zum Beispiel könnte man die Gottesdienstordnung enger verzahnen, entsprechend der Bedürfnisse der Menschen in den Pfarreien. Christof Köppel wünscht sich, dass das Patrozinium einer Pfarrei von der ganzen Seelsorgeeinheit an einem Ort gefeiert wird. Die Pfarreien sollten aber bestehen bleiben, weil jede ihre eigene Prägung hat. «Es muss in jedem Dorf ein Licht brennen.» So könne jeder die übrigen Pfarreien besser kennen lernen, sagt Jean-Pierre Chéreau.