Ein Appenzeller mit Durchblick

WIDNAU. Die drei Aufführungen mit Simon Enzler und seinem neuen Programm im «Metropol»-Saal sind restlos ausverkauft. Für den Verein Kabarett-Abend Widnau einmal mehr ein grosser Erfolg.

Max Pflüger
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Simon Enzler (r.) begeisterte zusammen mit seinem Partner Daniel Ziegler in Widnau das Publikum. (Bild: Max Pflüger)

Simon Enzler (r.) begeisterte zusammen mit seinem Partner Daniel Ziegler in Widnau das Publikum. (Bild: Max Pflüger)

Seit 2005 präsentiert der Verein Kabarett-Abend Widnau immer wieder grosse Namen. Sechsmal schon war Simon Enzler zu Gast. Vorgestern Donnerstagabend, am Freitag und heute Samstag füllte und füllt der bekannte Appenzeller Humorist den Widebaumsaal im «Metropol» wiederum bis auf den letzten Platz. Dreimal fünfhundert Zuschauer: Simon Enzler kommt im Rheintal gut an.

Enzler bleibt Enzler

Mit seinem neuen Programm «vestolis» (oder für Nicht-Appenzeller: «verstohlen») und seinem langjährigen Partner, dem Gitarristen Daniel Ziegler, bearbeitete er das Zwerchfell der Besucher und erntete dafür immer wieder begeisterten Applaus. Seine Appenzeller Lausbuben-Mimik, die Bauernschläue seiner verschlungenen Gedankengänge und sein oft himmel-herrgott-sack-mässig deftiger Appenzeller Dialekt waren auch in «vestolis» die Essenz seiner Beliebtheit.

Enzler ist seinem Stil treu geblieben. Und der Erfolg scheint ihm recht zu geben: Er füllt mit seinen Erzählungen und kritischen Betrachtungen zur Zeitgeschichte Säle, und das Publikum ist von ihm angetan. In lockeren und leichtfüssig daher sprudelnden Betrachtungen zur Zeitgeschichte scheint Simon Enzler den Durchblick zu haben. Besonders glücklich macht dies ihn aber nicht. Seine Einsichten bewegen ihn eher dazu, sich aufzuregen, zu schimpfen und zu wettern über die Umstände, die Hintergründe und seine Zeitgenossen.

Da ist der Beamte, der «vestolis» mit russischen Investoren am Telefon verhandelt. «Doch, doch, der Heimatschutz ist ausgebootet, das Sägewerk kann gebaut und der Bannwald abgeholzt werden. Und an der Kantonsschule kann Russisch als Hauptfach eingeführt werden.» Das kostet natürlich, eine Hand wäscht die andere.

Und da sind die Katastrophen: Die beste Bewältigung der einen ist die nächste Katastrophe: vom Waldsterben über Tschernobyl, vom Ozonloch über Hautkrebs und Vogelgrippe bis zur Klimaerwärmung. Und natürlich: von Krise zu Krise.

Ärgerliches im Appenzellerland

Und dann die Ausländer: Ausschaffen allesamt. Das gelte auch für die protestantischen Nachbarn im Quartier. Ausschaffen wohin sie immer wollen: nach Hääden, Gääs oder Herisau! Sonst wollen sie noch Familiennachzug. Wenn man dem Vater erlaube, im Kirchenchor mitzusingen, so wolle bald auch der Bub das Rauchfass in der Kirche schwingen.

Weitere Themen, die ihn aufregen, sind die Leserbriefschreiber, der Nothelfer St. Anton in Verlustsituationen, bei verlorenen Geldtaschen, verlorenen eidgenössischen Wahlen und Verlust der Ehegattin.

Schliesslich beschäftigt er sich auch mit dem Leben nach dem Tode und regt sich auf über die Auferstehung, die seine ewige Ruhe bedroht.

Musikalische Absurditäten

In einem anderen Gespräch nach Appenzeller Art bewundert Enzler unseren Verteidigungsminister und seine beste Armee der Welt. Zur bekannten Melodie «Danke für diesen schönen Morgen» singt Daniel Ziegler im Anschluss an die Gedanken von Simon Enzler das schöne Lied «Danke, lieber Ueli, danke.»

Daniel Ziegler überzeugt nach jedem Auftritt Enzlers mit seiner Gitarre, seinem Loopgerät und Gags. Aber auch Enzler bringt sich selbst in die musikalischen Werke ein, mit musikalischen Absurditäten allerdings: Da ist die Blockflöte, die er mittels einer Spraydose bläst, der Tanz, den die beiden auf Bierflaschen flöten. Auch diese witzigen Einlagen trugen zum guten Gelingen des Widnauer Kabarett-Abends bei.