Ein äusserst wechselhafter Sommer

Der Juni brachte ein meteorologisches Wechselbad mit sich. Schnee, Tropennächte und Gewitter wechselten sich ab. Und sollte die Bauernregel stimmen, stehen uns Blitz und Donner ins Haus.

Andreas Walker
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Morgenröte: Ein Rorschacherberger Sonnenaufgang. (Bild: Andreas Walker)

Morgenröte: Ein Rorschacherberger Sonnenaufgang. (Bild: Andreas Walker)

Seeregion. Der vergangene Juni war sehr warm und niederschlagsreich. Die Besonnung erreichte fast durchschnittliche Werte. Der Monat begann kalt und nass. Pünktlich zum klimatologischen Sommerbeginn am 1. Juni erfolgte in den Bergen ein Wintereinbruch, und die Schneefallgrenze sank lokal bis gegen 1000 Meter hinunter. Danach erfolgte ein Vorstoss von feuchter Mittelmeerluft aus dem Süden, die wieder eine rasche Erwärmung brachte. Das Wetter war bis am 7. Juni schwül und sommerlich warm mit Schauern und Gewittern. Am 8. Juni erfolgte erneut ein Kälteeinbruch, verursacht durch den Vorstoss von feuchter Polarluft. Danach herrschte wechselhaftes Wetter, das auch grössere Niederschlagssummen brachte. Somit brachte der Juni endlich den heissersehnten Regen, der vor allem für die Landwirtschaft nötig war.

Hitzetage Ende Juni

Pünktlich zum astronomischen Sommeranfang am 21. Juni herrschten dann aber wieder sommerliche Verhältnisse, die jedoch sogleich am 22. des Monats durch die nächste Störung mit strichweise heftigen Gewittern und Sturmböen von lokal über 100 Kilometern pro Stunde beendet wurden. Am 25. Juni brachte erneut ein kräftiges Hochdruckgebiet heisses Sommerwetter. Als Folge davon stiegen die Temperaturen am 27. und 28. Juni auf Höchstwerte von 30 bis 34 Grad. In dieser Zeit sank die Temperatur an vielen Orten in der Nacht nicht mehr unter 20 Grad – dies wird in der Meteorologie als Tropennacht bezeichnet. Am Monatsende verursachten heftige Gewitter und Regenfälle erneut eine Abkühlung.

Warm und nass

Nach Angaben des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie war der Juni im Landesdurchschnitt 1,5 Grad wärmer als im Mittel der Normperiode zwischen 1961 und 1990. Am Bodensee betrug die durchschnittliche Temperatur im Juni 17 Grad und war damit 1,5 Grad zu warm. Die Niederschläge verteilten sich sehr unterschiedlich. Vereinzelt wurden mehr als 150 Prozent der Norm registriert.

192 Stunden Sonne

Auch am Bodensee fiel mehr Regen als im Durchschnitt, was seit Monaten wieder zum ersten Mal der Fall war. Das Juni-Mittel betrug 128 Liter pro Quadratmeter und entsprach damit 126 Prozent des langjährigen Durchschnitts.

Die Besonnung erreichte nur lokal normale Werte. Am Bodensee betrug die Sonnenscheindauer 192 Stunden, was gerade 93 Prozent des langjährigen Mittels entspricht.

Nicht wörtlich nehmen

Das Ende des Monats Juni ist aus meteorologischer Sicht eine sehr interessante Zeit, da folgende Bauernregel vom herrschenden Juniwetter eine Vorhersage auf den bevorstehenden Sommer macht: «Regnet es am Siebenschläfertag (27. Juni), es noch sieben Wochen regnen mag.» Dabei ist diese Bauernregel nicht wörtlich zu verstehen. Die Statistik zeigt jedoch, dass Regenperioden Ende Juni oder Anfang Juli oft noch längere Zeit andauern.

Heiss und gewittrig

Das gilt natürlich auch für schönes Wetter. Am Anfang des Sommers scheint sich das grossräumige atmosphärische Zirkulationssystem auf einen relativ stabilen Zustand eingestellt zu haben. Die Wetterlage ist zu dieser Zeit dann so stabil, dass grosse Wetterumschläge unwahrscheinlich sind, egal ob ein Tief aus Island oder ein Hoch aus den Azoren die Wetterlage dominiert. Behält die Bauernregel recht, sollte uns ein heisser Sommer mit Gewittern bevorstehen.