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EICHBERG-OBERRIET: Ein Pfarrer sucht die Balance

Am 14. März stellt sich Martin Böhringer in Evangelisch Eichberg-Oberriet der Pfarrwahl. Er ist seit einem Jahr Seelsorger in der Kirchgemeinde und teilt sich die pfarramtlichen Aufgaben mit Ute Neef.
Monika von der Linden
Martin Böhringer sucht die Balance und versucht, das unmöglich Scheinende wahr zu machen. (Bild: Monika von der Linden)

Martin Böhringer sucht die Balance und versucht, das unmöglich Scheinende wahr zu machen. (Bild: Monika von der Linden)

Martin Böhringer, Sie haben mich in den Oberrieter Steinbruch geführt, um mir zu zeigen, wie Sie Steinsäulen bauen. Was hat das mit Ihrem Beruf als Pfarrer zu tun?

Martin Böhringer: Ich suche die Balance. Gelingt es mir, ein Türmli zu bauen oder zwei miteinander zu verbinden, mache ich das unmöglich Scheinende wahr. Hält das Bauwerk, freue ich mich wie ein Kind. Ich fotografiere es und ergänze die Bilder mit meditativen Texten.

Fixieren Sie die Türme?

Böhringer: Nie, sie sind vergänglich. Wind, Regen und Schnee bringen sie aus der Balance und geben sie der Natur zurück.

Seit einem Jahr sind Sie Seelsorger in der Kirchgemeinde Eichberg-Oberriet. Warum wechselten Sie aus dem Toggenburg ins Rheintal?

Böhringer: Ich war 15 Jahre lang Pfarrer in Alt St. Johann und wollte eine Veränderung. Das Rheintal ist attraktiv, weil ich in der Kantonalkirche bleiben und nicht in eine Grossstadt wechseln wollte.

Ist die hiesige Kirchgemeinde städtischer geprägt?

Böhringer: Das könnte man meinen. In Alt St. Johann lag alles nah beieinander. Hier ist es eine grosse Herausforderung, das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Kirchgemeinde zu stärken.

Sind die Kirchbürger zerstritten?

Böhringer: Nein, aber die Kirchgemeinde erstreckt sich über ein grosses Gebiet. Zu ihr gehören mehrere Dörfer und Weiler, neben Eichberg und Oberriet auch Montlingen, Eichenwies, Hinterforst, Freienbach sowie Kobelwald. Ich möchte Menschen zusammenbringen, die sonst in Dorfvereinen organisiert sind und nicht in der gleichen politischen Gemeinde leben. Hinzu kommt, dass in Oberriet nur zehn Prozent der Bevölkerung evangelisch ist. In Eichberg ist es ungefähr die Hälfte.

Haben sich Ihre Erwartungen im ersten Dienstjahr erfüllt?

Böhringer: Ich hoffte, dass sich viele Menschen einbringen und offen für Veränderungen sind. Das hat sich erfüllt.

Nennen Sie bitte ein Beispiel?

Böhringer: Kürzlich feierten wir einen Familiengottesdienst mit Dritt- und Viertklässlern. Es war das erste Mal, dass sie Abendmahl im Gottesdienst feierten. Nachdem ich sie im Unterricht darauf vorbereitet hatte, durften sie auch die Einsetzungsworte sprechen.

Bei den Katholiken ist das dem Priester vorbehalten. Wie reagierten die reformierten Kirchbürger?

Böhringer: Ich erhielt positive Rückmeldungen, sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen. Es ist schön, dass ich auch experimentieren darf.

Wollen Sie den klassischen Sonntagsgottesdienst abschaffen?

Böhringer: Nein, es braucht den Gottesdienst. Er vermittelt Heimat und Vertrautheit. Weil sich aber die Welt und die Alltagserfahrungen laufend ändern, sind auch Neuerungen nötig. Bei mir liegen Bibel und Zeitung nebeneinander auf dem Schreibtisch.

Stehen beide im Widerspruch zueinander?

Böhringer: Es geht darum, die Botschaft der Bibel auf die Menschen zu beziehen. Ganz im Sinne des kantonalkirchlichen Leitworts «Nahe bei Gott – nahe bei den Menschen.»

Welche Themen sind das?

Böhringer: Einerseits sind es die Ängste, die die Menschen umtreiben. Andererseits ist es das, was sie feiern. Man sagt, die Not lehre das Beten. Auch die Freuden und Schönheiten des Alltags lassen sich auf Gott beziehen.

Wie meinen Sie das?

Böhringer: Ich nehme meine Primarschüler als Beispiel: Ich möchte sie dahin führen, dass sie erkennen, wofür sie dankbar sein können, jeden Tag und im Grossen wie im Kleinen. Was für Schüler gilt, gilt auch für Erwachsene. Der spirituelle Zugang zum Schönen und Guten hilft auch in schweren Zeiten, zusammenzustehen.

Wie stehen Sie zur Ökumene?

Böhringer: Ich pflege das Miteinander aus Überzeugung. Mir wurde meine Konfession in die Wiege gelegt. Wäre ich Katholik, wäre ich heute möglicherweise Priester, als Moslem vielleicht Imam.

Denken Sie interreligiös?

Böhringer: In erster Linie sind wir menschlich, in zweiter religiös und erst in dritter konfessionell. Es wäre wichtig für die Welt, wenn sich Religionen und Konfessionen nicht von Mächtigen vereinnahmen liessen. Kann ich die Zusammengehörigkeit aller Menschen fördern, bin ich am richtigen Platz.

Nach einem Jahr in der Kirchgemeinde wollen Sie sich zum Pfarrer wählen lassen. Was ändert sich?

Böhringer: Es ändert sich nur die vertragliche Grundlage, sonst nichts. Ich möchte gerne hier bleiben und hoffe, hier ist die letzte Pfarrstelle vor meiner Pensionierung.

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