EICHBERG: Eine zweite Adlerart im Zoo

Im Zoo von Jasmin und Ralf Hutter hat es nun auch Habichtsadler. Greifvogelexperte Heinz Köppel hat sie aus einer Zucht in England hierher geholt.

Max Tinner
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Der erste der künftig vier Habichtsadler im Zoo Eichberg inspiziert sein neues Zuhause. (Bild: Jasmin Hutter)

Der erste der künftig vier Habichtsadler im Zoo Eichberg inspiziert sein neues Zuhause. (Bild: Jasmin Hutter)

Max Tinner

Der Eichberger Zoo ist nicht wie andere Zoos. Es gibt keine Kasse und keine Öffnungszeiten. Das ist auch nicht nötig. Wer einen Spaziergang um den Hochkapf macht, kommt direkt an den Gehegen vorbei. Einen Neuzugang im Zoo hat das enorm irritiert: Dass fremde Menschen an seinem Gehege vorbeispazieren, kannte der Habichtsadler in der neuen Voliere gleich neben dem Zoohuus nicht. Er ist von einem Züchter in England grossgezogen worden, in einer Voliere, die seitlich geschlossen war. Die Spaziergänger in Eichberg machten ihn deshalb dermassen nervös, dass er hektisch herumflatterte und sich ins Gitter der Voliere krallte.

Jasmin Hutter stand darum nach dem Einzug des neuen Zoomitbewohners vor einem Monat während Tagen immer wieder vor der Voliere und bat Schau­lustige, weiterzugehen. Am Gitter angebrachte Schilder fordern nach wie vor dazu auf. Mittlerweile scheint der Aufruf allerdings nicht mehr so dringlich. Der Adler beobachtet Spaziergänger zwar weiterhin wachsam, aber wesentlich gelassener als in den ersten Tagen.

«Der Tierschutzinspektorin kamen die Freudentränen»

Den Platz für die neue Voliere haben Freiwillige im letzten Frühling während eines Helfertags vorbereitet. Im früheren Erlebniszoo war an dieser Stelle ein Gehege für Geparde. Mit einer Länge von 44 Metern, einer Breite von 12 Metern und einer Höhe von 8 Metern ist die Voliere um ein Mehrfaches grösser geworden, als vorgeschrieben wäre. «Der Tierschutzinspektorin kamen die Freudentränen», meint Jasmin Hutter. Für sie war das tröstend, hatte doch der Bau der Voliere mehr Mühe gemacht als erwartet. Sie habe zunächst mit einer Bauzeit von drei Wochenenden gerechnet. Es seien dann vier Monate draus geworden. Teils auch selbst verschuldet, wie Jasmin Hutter zugibt: «Wir haben das Gitter zu früh auf den Rahmen gespannt – das hat das Ausstatten der Voliere erschwert.»

Wie schon frühere Umbauten im Zoo ist auch der Bau der Voliere von Gönnern unterstützt worden. Ein Bodenseefischer stellte Schwemmholz für die Innenausstattung zur Verfügung. Auch die Stahlträger habe man geschenkt bekommen, so dass nur das Gitter zugekauft werden musste. Und Freiwillige, darunter auch Gewerbler, hätten gratis beim Bauen und Einrichten geholfen …

Die Habichtsadler – jener, der bereits in der Voliere ist, wird noch Gesellschaft bekommen, sodass es zuletzt zwei Pärchen sein werden – gehören nicht dem Zoo, sondern dem Diepoldsauer Greifvogelexperten Heinz Köppel. Er hält hier in einer älteren Voliere auch ein Pärchen Riesenseeadler, das heuer Nachwuchs bekam – eine kleine Sensation.

Anders als die Riesenseeadler, die in einem Artenschutzprogramm registriert sind, sind die Habichtsadler nicht vom Aussterben bedroht. Die Art kommt von Südostasien bis in den Mittelmeerraum vor. In Südeuropa gilt sie aber wegen illegaler Bejagung als stark gefährdet. Als problematisch erachtet Heinz Köppel auch den schleichenden Verlust der Lebensräume. Deshalb ergäbe eine Auswilderung von Jungtieren vorläufig keinen Sinn. Stattdessen legt Köppel alles daran, den Tieren möglichst naturnahe Bedingungen zu bieten, damit sie bei guter Kondition bleiben.

www.zoohuus.ch/zoo