EICHBERG: Ein Stück Bach wird doch geöffnet

Während Jahren erhitzten sich wegen einer geplanten Verlegung und Offenlegung des Pfählmadgrabens die Gemüter. Etwas weiter bachabwärts wird das Gewässer nun doch noch aus der Röhre befreit. Dagegen wehrt sich niemand mehr.

Max Tinner
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Am Eichpark-Spielplatz vorbei wird der Bach geöffnet. Auf einer Länge von 220 Metern, steht im Plan in Gemeindepräsident Alex Arnolds Händen. (Bild: Max Tinner)

Am Eichpark-Spielplatz vorbei wird der Bach geöffnet. Auf einer Länge von 220 Metern, steht im Plan in Gemeindepräsident Alex Arnolds Händen. (Bild: Max Tinner)

EICHBERG. «Pfählmadgraben» war in Eichberg die letzten Jahre ein Reizwort. Wiederholt standen im Stude-Quartier Keller und Garagen unter Wasser. Besonders hoch stand es beim verheerenden Unwetter von 2009. Damals kam Wasser vom Auerbach und vom Hard her über die Wiesen. In der Stude floss es in den Pfählmadgraben, den man hier 2003 für die Erweiterung des Baugebiets hatte offenlegen müssen. Abfliessen musste das Wasser freilich dann immer noch über die alte 45-cm-Röhre. Diese vermochte das zusätzliche Oberflächenwasser nicht zu schlucken. Das Wasser staute zurück und lief über.

Horrende Perimeterbeiträge

Verständlicherweise war der Gemeinderat dann gefordert, etwas zu unternehmen, damit das nicht wieder vorkommt. Die erste Lösung war die naheliegendste, nämlich die Röhre durch eine grössere zu ersetzen. Dazu bot der Kanton aber nicht Hand. Die Gemeinde hätte die Kosten alleine tragen müssen und hätte sie zu einem beachtlichen Teil auf die Anstösser überwälzt. Diese liefen Sturm. Einzelne hätte es mit über 20 000 Franken getroffen. Der zweite Vorschlag war, den Bach aus dem Wohngebiet heraus und offen zu legen. Da hätte sich der Kanton finanziell beteiligt. Entsprechend wären die Perimeterbeiträge geringer ausgefallen. Aber die Bauern hätten viel Boden abtreten müssen. Ausserdem fürchteten nun andere Hauseigentümer weiter unten am Bachlauf, dass das Problem verlagert würde und es nun sie treffen könnte.

Gar nicht nötig

Nach langem Hin und Her, zwischenzeitlichem Ruhenlassen und zwei Gemeindepräsidenten später blies der Gemeinderat letztes Jahr die Übung ab. Auch weil er zur Auffassung gekommen ist, dass keine besondere Hochwassergefahr besteht, wenn Massnahmen weiter oben getroffen werden, am Auerbach bzw. durch die Gemeinde Oberriet im Gebiet Hard.

Schon einmal aufgelegen

Zu einer Offenlegung des Pfählmadgrabens kommt es nun etwas weiter bachabwärts, auf der andern Seite der Oberrieterstrasse, doch noch. Diese Bachoffenlegung hat allerdings nichts mit den Hochwassern der letzten Jahre zu tun. Es ist eine noch zu erledigende Verpflichtung, die sich aus der Eichpark-Überbauung ergeben hatte. Diese rund 220 Meter lange Bachoffenlegung sei schon einmal aufgelegen und unbestritten gewesen, sagt Gemeindepräsident Alex Arnold. Weil das Projekt längere Zeit liegen blieb, habe man es erneut aufgelegt. Einsprachen gab es auch diesmal keine.

Auf eine Einsprache verzichtet hat im Besonderen Karl Räss. Bis zu seiner Liegenschaft an der Staudenstrasse wird der Pfählmadgraben offengelegt. Dann fliesst das Wasser wieder in eine Röhre, in der es unter der Zufahrt zu seinem Haus hindurch geleitet wird. Wegen dieser Eindolung hatte Räss Bedenken zu den weiter oben im Gebiet Stude diskutierten Projekten. Wäre der Bach dort offen oder in eine grössere Röhre gelegt worden, hätte er nach der weiteren Offenlegung bis zu seinem Haus damit rechnen müssen, dass der Bach bei Hochwasser beim Zulauf ins 60er-Rohr überläuft – praktisch vor der Haustür. Weil sich weiter oben im Stude-Quartier nun aber nichts ändert und das Bächlein dort weiterhin durch ein 45er-Rohr muss, geht Karl Räss davon aus, dass seinem Haus keine Gefahr droht.

Gelegenheit zum Planschen

Alex Arnold rechnet, dass der Bach im September oder Oktober offengelegt wird. Im Bereich des Eichpark-Spielplatzes möglichst etwas breiter, damit die Uferböschung flach ausfällt. So haben die Kinder die Möglichkeit, in dem Rinnsal, welches der Bach ja fast immer nur ist, zu planschen. Den Bach abzuzäunen ergäbe nach Ansicht Arnolds ohnehin keinen Sinn. «Mich hätte man als Kind auch durch nichts vom Bach fernhalten können», meint er.