Eher mehr Immobilien als weniger: Die beiden Kandidaten fürs Auer Ortspräsidium legen ihre Haltung zu wichtigen Themen dar

Die Redaktion hat Christoph Kempter und Rico Kellenberger zehn Fragen zukommen lassen.

Gert Bruderer
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Nach (weiteren) Schwerpunkten gefragt, nennt Christoph Kempter die erneuerbare Energie und «neue Akzente beim ‹Wohnen im Alter›».

Nach (weiteren) Schwerpunkten gefragt, nennt Christoph Kempter die erneuerbare Energie und «neue Akzente beim ‹Wohnen im Alter›».

PD

Zehn Fragen hat die Redaktion Christoph Kempter und Rico Kellenberger zukommen lassen. Deutlich vor Ablauf der Frist kamen die Antworten. Es geht um Bodenpolitik, Langsamverkehr, Alterswohnungen, das Auer Riet, um Verkehr und einiges mehr.

Was beide Kandidaten zum Teil wiederholt hervorstreichen, ist ihre Absicht, von Entscheiden Betroffene stets einzubeziehen und Aufgaben gemeinsam anzugehen. Mit Blick auf die weitere Ökologisierung des gut zwei Quadratkilometer grossen Auer Riets auf österreichischem Staatsgebiet spricht Christoph Kempter von der Institutionalisierung eines regelmässigen Dialogs mit den Pächtern.

Rico Kellenberger erachtet es als Aufgabe der Ortsgemeinde, weitere Alterswohnungen zu bauen.

Rico Kellenberger erachtet es als Aufgabe der Ortsgemeinde, weitere Alterswohnungen zu bauen.

PD

Rico Kellenberger nennt die Bekämpfung der Neophyten sowie die Schaffung einzelner kleiner Lebensräume für Tiere und Pflanzen als Beispiele für künftige Aufgaben, die «in Absprache mit den Pächtern» zu erfolgen hätten.

Verkehr betrifft auch das Auer Riet

Wie stehen die beiden Kandidaten zur S18, also der Verbindungsstrasse zwischen den Autobahnen dies- und jenseits des Rheins? «Absolut nötig» sei diese Querverbindung, meint Rico Kellenberger, doch das Auer Riet und somit die Existenz der Pächter müsse geschützt werden; die vorgeschlagenen Varianten (Z und Y) hätten noch Verbesserungspotenzial.

Christoph Kempter, der sich ebenfalls die Entschärfung der Probleme im grenzüberschreitenden Verkehr wünscht, findet «wichtig, dass das Auer Riet als Einheit bewahrt und nicht verschandelt wird». Dass das Vorarlberg auch eine «Velo-S18» im Sinn hat und allenfalls Auer Ortsgemeindeboden im Schweizer Riet betroffen ist, provoziert weder bei Kellenberger noch bei Kempter grundsätzliche Ablehnung.

Kellenberger setzt sich «generell für die Interessen des Langsamverkehrs ein», wobei bestehende Naturstrassen natürlich einzubeziehen und «ökologische Begleitmassnahmen umzusetzen wären». Kempter ist ebenfalls für die Förderung des Veloverkehrs, erwartet aber (ebenfalls) eine «ganzheitliche Betrachtung und ein regionenverbindendes und durchdachtes Radwegkonzept».

Wozu den Boden der Gemeinde nutzen?

Soll die Ortsgemeinde weiterhin Boden für Gewerbe- und In-
dustriebauten abgeben? Rico Kellenberger antwortet, zuerst gelte es, den Gewerbepark im ehemaligen Locher-Areal aufzubauen. Arbeitsplatzintensive Betriebe seien weiterhin herzlich willkommen.

Christoph Kempter bejaht die Frage ebenfalls und ergänzt, entsprechende Geschäfte hätten aber gut überlegt zu sein und sollten in erster Linie einheimischen Betrieben dienen. Grundsätzlich habe die Abgabe von Land im Baurecht zu erfolgen.

Wie steht es mit neuem Wohnraum? Soll die Ortsgemeinde auch den fördern? Rico Kellenberger propagiert einen grundsätzlich «sehr haushälterischen» Gebrauch von Ortsgemeindeboden, in den Dorfteilen Au und Heerbrugg gebe es einen grossen Wohnungsleerstand. Es gelte, die Entwicklung im Auge zu behalten und bei Bedarf als ganzer Rat zu reagieren.

Christoph Kempter sieht die Abgabe von Boden für den «normalen» Wohnungs- und Einfamilienhausmarkt nicht primär als Aufgabe der Ortsgemeinde. Sollten aber irgendwelche übergeordneten Ziele, etwa in Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde, verfolgt werden, könnte er sich die Prüfung eines Landabtausches vorstellen.

Mehr Alterswohnungen oder neue Wohnformen

Geht es um Einfamilienhäuser, findet Rico Kellenberger, dass das Augenmerk auf bestehenden Wohnraum zu richten und mit geschickten Angeboten (zum Beispiel fürs Wohnen im Alter) eine gewisse Steuerung anzustreben sei: Hätten ältere Ehepaare oder einzelne Bewohner eines grossen Hauses einen Anreiz, dieses zu verlassen, würde mehr Wohnraum für Familien mit Kindern frei.

Christoph Kempter verweist auf städtische Projekte, die sich als gute Alternative zum klassischen Einfamilienhaus bewährt hätten. Eher in eine solche Richtung hätten die Überlegungen zu gehen, findet er.

Die damit zusammenhängende Frage nach dem Bedarf an zusätzlichen Alterswohnungen beantwortet Christoph Kempter so: Ob die klassischen Alterswohnungen oder ganz andere Formen gefragt seien, gelte es in Zusammenarbeit mit den Ortsbürgerinnen und Ortsbürgern zu eruieren.

Rico Kellenberger erachtet es als Aufgabe der Ortsgemeinde, weitere Alterswohnungen zu bauen. In Au seien Landreserven hierfür vorhanden, in Heerbrugg sei ein Neubau «mit einem allfälligen Landabtausch im Zentrum nach Bedarf» ebenfalls möglich.

Neue Liegenschaften: Ja, sofern «es passt»

Ähnlich äussern sich die beiden Präsidentschaftskandidaten zur Frage, ob die an Liegenschaften reiche Ortsgemeinde Au ihren Immobilienbesitz eher ausbauen oder verkleinern solle. Rico Kellenberger antwortet: «Wenn Zukäufe zur neuen Vision der Ortsgemeinde passen und zum Erhalt des Dorfbildes beitragen, kann ich mir Zukäufe vorstellen.» Zum Verkauf von Liegenschaften sieht Kellenberger zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass.

Christoph Kempter meint, entscheidend sei, ob die Ortsgemeinde mit ihrem langfristigen Denken durch Zukäufe einen Mehrwert für die Gesellschaft erzielen könne, der auf dem privaten Markt allenfalls nicht entstünde. Tendenziell spricht sich Kempter eher für Zukäufe aus. Er fügt hinzu, der Boden lasse sich als rares Gut und Realwert bewahren, wobei ein Mehrwert geschaffen werden könne; hingegen seien Geldwerte nicht nachhaltig.

Beide wollen Vereine und Jugendarbeit fördern

Nach (weiteren) Schwerpunkten gefragt, nennt Christoph Kempter die erneuerbare Energie und «neue Akzente beim ‹Wohnen im Alter›». Rico Kellenberger sähe die Entwicklung einer Vision in Zusammenarbeit mit den Ratskollegen und unter Einbezug der Bürgerschaft als eine vorrangige Aufgabe nach seiner allfälligen Wahl.

Sowohl im Bestreben, die Vereine und die Jugendarbeit zu fördern, stimmen beide Kandidaten ebenso überein wie in der Absicht, eine offene und direkte Kommunikation mit der Bevölkerung zu betreiben.

Hinweis: Auf rheintaler.ch sind an diesen Beitrag die Fragen und vollständigen Antworten der beiden Kandidaten angehängt.