Echte St. Galler ausgestellt

Zum zweiten Mal haben am Samstag Züchter von Stiefelgeissen auf dem Eichhof in Balgach ihre Tiere bewerten lassen. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, die Tiere der anerkannten Schweizer Ziegenrasse anzuschauen.

Kurt Latzer
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Die Besucherinnen und Besucher hatten ihre helle Freude an den gehörnten, braun-schwarzen «St. Gallerinnen» und «St. Gallern». (Bild: Kurt Latzer)

Die Besucherinnen und Besucher hatten ihre helle Freude an den gehörnten, braun-schwarzen «St. Gallerinnen» und «St. Gallern». (Bild: Kurt Latzer)

BALGACH. Es gibt wenige Anlässe, an denen so viel gemeckert wird wie an dem des Stiefel-Geissen-Züchtervereins Schweiz (SGS). Vor allem die Kinder hatten ihren Plausch an den 70 bis knapp 80 Zentimeter grossen Tieren. Die zu bewertenden Ziegen und Böcke standen säuberlich aufgereiht an Krippen, die Gitzi in einem Gatter. An der Stiefelgeissen-Schau zeigten Züchter aus der Deutschschweiz gegen 60 Tiere. An einem Stand gab es für die Besucherinnen und Besucher eine Fülle von Informationen zu der speziellen Rasse. In einer kleinen Festwirtschaft gab es Speis, Trank und bodenständige Musik.

Beinahe ausgestorben

Die Stiefelgeiss ist eine anerkannte Schweizer Rasse, die vom Bund gefördert wird. Die aus dem St. Galler Oberland (Sarganserland und angrenzende Gebiete) stammenden Tiere wären beinahe ausgestorben. Die heutige Zucht geht auf 27 Geissen und sieben Böcke zurück. Obwohl sich die Zucht bis heute erfreulich entwickelt hat, gelten die Stiefelgeissen noch immer als gefährdete Rasse. «Um als gesichert zu gelten, müssen mindestens 1000 weibliche Zuchttiere im Herdebuch eingetragen sein», sagt Andreas Zingg, Zuchtbuchführer des SGS. Aktuell gebe es in der Schweiz etwa 300 Muttertiere.

Keine Landwirte

In einer kleinen Broschüre ist nachzulesen, dass die Stiftung Pro Specie Rara die letzten Stiefelgeissen, die zu finden waren, Anfang der 1980er-Jahre gekauft hat. Am meisten Stiefelgeissen werden heute in der Ostschweiz gezüchtet, mit einzelnen Zuchtgruppen in der Zentral- und Westschweiz. Andreas Zingg: «Unter unseren Züchtern haben wir keine Landwirte. Es sind alles Privatpersonen, die die Stiefelgeissen-Zucht als Hobby betreiben.» Und die Milch der Ziegen wird bei den Züchtern meist nicht zu Käse verarbeitet, sondern dient ausschliesslich der Aufzucht der Gitzi.

Sehr genügsam

Weil die echte St. Galler Ziegenrasse sehr genügsam ist, kann sie zur Landschaftspflege, zum Beispiel bei landwirtschaftlichen Extensivflächen, eingesetzt werden. Die Ziegen sollten in einem natürlichen Lebensraum gehalten werden, der den Tieren weitmöglichst entspricht. Darauf achtet der 1993 gegründete Stiefel-Geissen-Züchterverein Schweiz.