Bachelorarbeit
Maschinenbaustudierende bauen E-Motorrad

Für seine Bachelorarbeit baute Kristian Bilic aus Widnau zusammen mit einem Studienkollegen ein E-Motorrad. Die Maschinenbaustudenten wendeten dafür 1500 Arbeitsstunden auf. Der grosse Einsatz zahlte sich aus.

Michael Kyburz
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Die Konstruktion von «Krale» brachte Kristian Bilic (l.) und Alessio Ambrosi die Bestnote sechs in ihrer Bachelorarbeit ein.

Die Konstruktion von «Krale» brachte Kristian Bilic (l.) und Alessio Ambrosi die Bestnote sechs in ihrer Bachelorarbeit ein.

Bild: pd

«Krale», so heisst das E-Motorrad von Kristian Bilic und Alessio Ambrosi, beide ehemalige Studenten der Ostschweizer Fachhochschule OST. Für ihre Bachelorarbeit haben sich die Motorradliebhaber entschlossen, einen Honda VFR750F mit Baujahr 1996 zu einem leistungsstarken E-Motorrad umzugestalten.

Entgegen den Erwartungen vieler kann sich «Krale» mit Modellen von bekannten Herstellern messen. Namensgebend für das Projekt waren die Vornamen der beiden jetzigen Maschinenbauingenieure.

Vorurteile gegen die E-Mobilität abbauen

«In unserem Projekt steckt sehr viel Leidenschaft, Herzblut und vor allem Zeit», sagt der Widnauer Kristian Bilic. Sie hätten mit den Vorurteilen gegenüber E-Mobilität und Töfffahrern brechen wollen. Motorradfahren könne auch ohne Lärm und viel Rauch Spass machen. Durch den elektrischen Antrieb verursacht das Motorrad weder Lärm noch belastet es die Umwelt mit Abgasen. Mit einer Beschleunigung von 3,4 Sekunden auf 100 km/h ist «Krale» sogar besser als das Original, welches dafür 3,7 Sekunden benötigt.

«Wir wissen, dass viele Töfffahrer die Beschleunigung lieben. Deshalb haben wir unser Projekt besonders darauf ausgelegt», erklärt Kristian Bilic. Dank dem Drehmoment von 160 Newtonmeter könne die Kraftübertragung optimal ausgenutzt werden. Das E-Motorrad ist mit 31 Lithium-Ionen- Batterien ausgestattet. Eine vollständige Aufladung dauert etwa zweieinhalb Stunden. Wie bei vielen Fahrzeugen mit E-Antrieben ist auch bei «Krale» die Reichweite das grösste Handicap.

Mit der jetzigen Ausstattung reicht der Akku für rund 120 Kilometer. Allerdings könne die Reichweite noch gesteigert werden. Eine Tankfüllung der Original Honda hätte hingegen für eine Strecke von 250 Kilometern gereicht.

Ambrosi und Bilic sind beide leidenschaftliche Motorradfahrer. «Für uns war von Anfang an klar, dass wir unser eigenes E-Motorrad bauen möchten», macht Bilic deutlich. Allerdings standen dem Projekt zu Beginn viele Leute skeptisch gegenüber. Denn mit Motorradfahren verbinden die meisten laut knurrende Motoren und ein Gemisch aus Öl und Benzin, das als dominanter Geruch in der Luft liegt. Bilic wohnt in Widnau und kennt die Probleme der Lärmemissionen, die Motorräder verursachen können, bestens. Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit würden jedoch auch im Maschinenbau zusehends wichtiger führt Bilic aus. Da den Ingenieuren die «futuristisch wirkenden» Modelle der bekannten Motorradhersteller nicht gefallen, haben sie sich dazu entschlossen, aus einem alten Honda VFR750F ihr eigenes E-Motorrad zu bauen.

Mit viel Mühe und Geduld haben die ehemaligen Studenten des NTB Waldau den Honda bis auf die Aufhängung zurückgebaut. So konnten sie das Aussehen von «Krale» selbst bestimmen. Vor allem die Berechnungen und Simulationen hätten viel Zeit in Anspruch genommen. Durchschnittlich entspreche eine Bachelorarbeit rund 750 Arbeitsstunden. Die beiden Ingenieure hingegen habe für ihr Projekt über 1500 Arbeitsstunden geleistet. «Zwölfstundentage waren keine Seltenheit», berichtet Bilic lachend.

Mit Lieferproblemen zu kämpfen gehabt

Der Zeitpunkt der Bachelorarbeit war ungünstig, denn die Coronapandemie machte der Projektplanung immer wieder einen Strich durch die Rechnung. «Da wir im Gegensatz zu den grossen Marken unsere Teile nicht selbst fertigen konnten, waren wir auf Lieferanten angewiesen», sagt Bilic. Die Suche nach geeigneten Lieferanten war die eine Sache. Dann gab im Juli 2020, kurz vor der Projektpräsentation, der Motor den Geist auf.

«Unsere Dozenten und Betreuer haben uns anerboten, dass wir nur eine theoretische Berechnung als Arbeit abgeben könnten.» Jedoch war das für die beiden Ingenieur keine Alternative. Glücklicherweise setzte sich der holländische Importeur für die Studenten ein und arrangierte eine Expresslieferung des Lieferanten aus den USA. Finanzierung gestaltete sich schwierig.

Die Entwicklung und Herstellung von «Krale» hat 14500 Franken gekostet. Fast zwei Drittel der Kosten konnten die Studenten über Crowdfunding decken. Diverse Sponsoren, die Familie sowie Freunde und Bekannte stellten den restlichen Betrag für das Projekt. Aufgrund der Pandemie sei die Finanzierung schwierig gewesen. Viele Unternehmen hätten ihr Budget für Sponsoringmassnahmen auf Eis gelegt, sagt Bilic.

Die Mühen haben sich gelohnt, denn die Bachelorarbeit wurde mit der Bestnote sechs ausgezeichnet. Nun spielen die beiden Ingenieure mit dem Gedanken, für «Krale» eine Strassenzulassung zu beantragen. «Diese ist nicht ganz billig und wir müssten noch einiges am Motorrad anpassen.»

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