E-Bike-Boom mit Schattenseiten

E-Bikes werden immer beliebter. Über eine halbe Million Elektrovelos bewegen sich heute auf Schweizer Strassen. Nebst Fortschritt und Geschwindigkeit bringen sie jedoch auch Gefahren mit sich.

Chris Eggenberger
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Ältere Personen unterschätzen häufig die Geschwindigkeit eines E-Bikes. (Bild: Depositphotos/Koldunov)

Ältere Personen unterschätzen häufig die Geschwindigkeit eines E-Bikes. (Bild: Depositphotos/Koldunov)

Im Jahr 2017 kamen laut Statistik der Kantonspolizei im Kanton St. Gallen 69 Personen bei E-Bike Unfällen zu Schaden, zwei Menschen starben. Dazu kommen wohl noch etliche nicht gemeldete Vorfälle.

Vor allem ältere Menschen verunfallen immer öfter auf elektrisch unterstützten Fahrrädern. Diese Zahlen sind im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen und der Trend dauert an. Gründe dafür sind unter anderem die stark ansteigende Nutzung von Elektrovelos, aber auch, dass sich viele Fahrerinnen und Fahrer der Gefahren nicht wirklich bewusst sind, wie ein Experiment des Verkehrsclubs Schweiz verdeutlicht.

Die Geschwindigkeit wird falsch eingeschätzt

Weiter zeigen die Unfallstatistiken der Kantonspolizei, dass mehr als die Hälfte der Vorfälle Selbstunfälle ohne Fremdeinwirkung sind, die zum Beispiel durch fehlende Übung oder falsch eingeschätzte Bremswege auf den bis zu 45 km/h schnellen Bikes erklärt werden können. Auch erfahrene Lenker sind vor gefährlichen Situationen nicht geschützt. «Aufgrund der höheren Geschwindigkeiten wird meist der Bremsweg falsch (zu kurz) eingeschätzt», heisst es in einer Studie des Verkehrsclubs Schweiz (VCS).

Ein weiteres dort genanntes Risiko ist, dass andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit des Elektrovelos ebenfalls unterschätzen oder den Velofahrern keinen Vortritt gewähren. Die Kantonspolizei St. Gallen und der Touring Club Schweiz empfehlen jedem E-Bike-Fahrer, einen Helm zu tragen und wenn nötig Einführungskurse zu besuchen, auch wenn die Kurse erst für Geräte ab 25 km/h verpflichtend sind.

Unfallverursacher oft über 45 Jahre

Daten der Kantonspolizei zeigen, dass sich fast alle Unfallverursacher auf Elektrovelos der Alterskategorie 45+ zuordnen lassen. Oft sind es Rentner, die sich nicht mehr in der Lage fühlen, Auto zu fahren und sich dann für einen Wechsel aufs E-Bike entscheiden. Bei manchen fehlt es allerdings nach einer langen Zeit ohne Velo an Erfahrung und Sicherheit, was bei den beachtlichen Geschwindigkeiten schnell Unfälle provozieren kann. Einen Lösungsansatz bietet die Pro Senectute. Mit Kursen für Anfänger und regelmässigen Velotouren werden Möglichkeiten geboten, sich auf seinem E-Bike zurechtzufinden.

Doch die Anfrage bei der Pro Senectute Rheintal Werdenberg Sarganserland ergab, dass die Nachfrage nach diesen Kursen sehr gering sei. Daher finden sie nur sehr selten statt. Allerdings wird auch schon vor der ersten Velotour Prävention geleistet. Radsport Frei in Au gibt an, beim Verkauf von E-Bikes immer auf die Fahrtauglichkeit und Fähigkeiten des Kunden zu achten, damit ein passendes Fahrrad gefunden werden kann. Wenn nötig würden Extras wie zum Beispiel Rückspiegel empfohlen, um die Sicherheit zu gewährleisten. «Wir erklären den Kunden die Bedienung der Unterstützung, der Schaltung etc. sowie auch das richtige Bremsen», sagt Armella Waser von Mano’s Veloshop in Lüchingen.

«Gerade älteren Kunden empfehlen wir, im angemessenen Tempo zu fahren und das Tempo sowie das Gewicht des E-Bikes nicht zu unterschätzen», ergänzt sie. «Und natürlich raten wir dazu, immer einen Helm zu tragen». In beiden Geschäften sei individuelle Beratung zentral beim Verkauf eines E-Bikes, heisst es.