Durch das Gartentörli in die EU

Schon öfter haben wir in dieser Rubrik jenen Vorstössen eine Plattform gegeben, die es nicht unbedingt in die «Tagesschau» schaffen.

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Schon öfter haben wir in dieser Rubrik jenen Vorstössen eine Plattform gegeben, die es nicht unbedingt in die «Tagesschau» schaffen.

Heute eine weitere Folge: Einer der SVP-Kantonsräte fragte die Regierung neulich, warum am 5. Mai 2012 ausgerechnet die EU-Flagge am Regierungsgebäude hing. – Er schrieb: «Das fand ich äusserst störend.» Vor allem ginge gar nicht, schreibt der Kantonsrat, dass dies ausgerechnet während des Gallus-Festes passierte, das doch viel mit der Geschichte des Kantons zu tun habe.

Nur zwischen den Zeilen

Knallhart fragte der betreffende Parlamentarier schliesslich nach: Wie ist die Beflaggung am Regierungsgebäude geregelt? Wird diese Flagge noch einmal aufgehängt? Und: Weshalb wurde die Kantonsfahne nicht aufgehängt? Und jetzt, Regierung, eine Antwort, aber sofort! – Der letzte Satz stand nicht im Begehren, nur zwischen den Zeilen. Die Regierung schrieb Monate später zurück; mit der Laune eines abgewählten Bundesrates.

Erstens: Die Frage nach der Beflaggung sei schon einige Male gestellt worden. Zweitens: Es war natürlich nicht die Flagge der EU, es war die Flagge des Europarates. Drittens: Die Fahne des Europarates mit den zwölf goldenen Sternen auf blauem Grund wird seit Jahren jeweils am 5. Mai gehisst, da die Schweiz seit dem 5. Mai 1949 Mitglied des Europarates ist.

Der verdächtige Schal

Nun, wären wir in der Rolle des Kantonsrates, wir würden uns mit solch einer Antwort auf keinen Fall zufriedengeben. Und weiter nachhaken: 1. Ich habe gesehen, dass an besagtem 5. Mai das Gartentörli vor dem Haus einer Regierungsrätin offen gewesen ist. Öffnen die Vertreter unseres Kantons der EU ab sofort Tür und Tor?

2. Ende Mai trug einer der Kanzlei-Mitarbeiter einen blau-gelben Schal. Ist das Teil einer schleichenden Annäherung an die Europäische Union? Samuel Tanner