Dunant statt Verbrecherjagd

HEIDEN. Mehr als 20 Jahre leitete Hansjörg Ritter die Ausserrhoder Kantonspolizei. Heute setzt sich der 69-Jährige in seinem Wohnort für den Verein Dunant2010plus und die katholische Kirche ein.

Jesko Calderara
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43 Jahre lang arbeitete Hansjörg Ritter für die Polizei. (Bild: Jesko Calderara)

43 Jahre lang arbeitete Hansjörg Ritter für die Polizei. (Bild: Jesko Calderara)

HEIDEN. Ehrenamtlich engagiert hat sich Hansjörg Ritter sein Leben lang. In früheren Jahren im Pfarreirat der katholischen Kirche Bern, später im Gemeinderat und der Schulkommission Heiden sowie als Präsident der Genossenschaft Kino Rosenthal. Es erstaunt daher wenig, dass der frühere Ausserrhoder Polizeikommandant nach der Pensionierung vor fünf Jahren sogleich entsprechende Anfragen bekam. Der heute 69-Jährige war 2010 als Vizepräsident des Organisationskomitees eine der treibenden Kräfte hinter dem Gedenkjahr zum 100. Todestag Henry Dunants. Zur Feier gehörte unter anderem das szenische Musikwerk und ein Jugendcamp für Humanität und Frieden mit Teilnehmern aus 36 Nationen. Seither präsidiert Ritter den daraus entstandenen Verein Dunant2010plus. «Ich bewege gerne etwas, ansonsten wird es mir schnell langweilig», sagt er.

Fünffacher Grossvater

Als Belastung sieht der Pensionär sein Engagement allerdings nicht. Nach Beendigung seiner beruflichen Laufbahn lege er Wert darauf, die Zeit selber einteilen zu können, sagt Ritter. Frei hält er sich wann immer möglich den Mittwochabend. Dann steht die wöchentliche Turnstunde der Männerriege auf dem Programm. Nebst seinen Tätigkeiten zugunsten der Allgemeinheit verbringt der Vater dreier Töchter die Freizeit mit seiner Familie, insbesondere mit den fünf Grosskindern. Seine Arbeitskraft stellt Hansjörg Ritter nicht nur dem Verein Dunant2010plus, sondern auch der Katholischen Kirchgemeinde Heiden zur Verfügung. Eine erste Anfrage zur Übernahme des Präsidiums der Kirchenverwaltung lehnte er noch ab. «Meiner Ansicht nach wäre das Amt mit der beruflichen Tätigkeit als Polizeikommandant nicht zu vereinbaren gewesen», ist Hansjörg Ritter überzeugt. Erst im Jahr 2013 sagte der Umworbene schliesslich zu.

Einsatz nach Tsunami

Auf seine Tätigkeit bei der Ausserrhoder Kantonspolizei blickt Hansjörg Ritter mit positiven Erinnerungen zurück – trotz der schwierigen Situationen, mit denen er konfrontiert war. Er habe bis zum letzten Tag gerne gearbeitet, sagt Ritter. «Ich konnte immer auf kompetente Mitarbeiter und Kaderangehörige zählen.» Zudem sei der Regierungsrat offen für Neues gewesen. Etwa dazumal, als Ausserrhoden zusammen mit dem Kanton St. Gallen im Kampf gegen häusliche Gewalt eine Vorreiterrolle übernahm. Als weiteres Erfolgserlebnis erwähnt Ritter den Aufbau der Jugendpolizei. Auch diese Idee setzte sich später landesweit durch.

In einer besonders anspruchsvollen Mission war er Ende 2004 unterwegs. Als Leiter des von ihm aufgebauten DVI-Teams Schweiz (Disaster Victim Identification Team) ging es nach dem Tsunami in Thailand für ihn darum, Leichen zu identifizieren. Mehr als 230 000 Menschen verloren ihr Leben, darunter 112 Schweizer. Solche Einsätze seien für alle Beteiligten eine grosse Belastung, betont Ritter. «Mit unserer Arbeit konnten wir einen Beitrag leisten, dass die Hinterbliebenen den Verlust ihrer Angehörigen verarbeiten konnten.» Nach insgesamt 43 Jahren im Polizeidienst, unter anderem als Chef Spionageabwehr bei der Bundespolizei, verabschiedete sich Ritter 2010 in den Ruhestand. «Für mich ging das Leben weiter», sagt er rückblickend sachlich und ohne Wehmut. Es war ein fliessender Übergang. Denn kaum hatte der scheidende Polizeikommandant sein Büro in Trogen geräumt, standen Aufgaben im Zusammenhang mit dem Dunant-Gedenkjahr an.

Fusion und Friedensweg

In naher Zukunft wird sich Hansjörg Ritter mit zwei Projekten beschäftigen. Am Samstag, 15. August, errichtet Bischof Markus Büchel die Seelsorgeeinheit über dem Bodensee. Darin schliessen sich die Pfarreien Eggersriet-Grub, Heiden-Rehetobel, Oberegg-Reute und Walzenhausen zusammen. Zudem ist auf den 1. Januar 2016 die Fusion der beiden Kirchgemeinden Heiden und Rehetobel geplant.

Ein anderes Vorhaben nimmt der Verein Dunant2010plus in Angriff. Zwischen Heiden und Walzenhausen soll ein Friedensweg entstehen. Damit werden die Lebenswerke einiger Persönlichkeiten aus dem Vorderland gewürdigt.