«Du Früelig lirisch neime lang»

Garten

Urs Stieger
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Frostkunst im Weiher. (Bild: Urs Stieger)

Frostkunst im Weiher. (Bild: Urs Stieger)

So heisst ein bekanntes Jodellied von Ernst Nievergelt. Seit den Minnesängern war der späte Frühling ein Thema in den Liedern. Es ist ja noch nicht einmal «offiziell» Frühling, doch hört man hier und dort jetzt schon Jammern auf Vorrat von wegen kalter Frühling, Frost im Mai etc.

Der Föhn hat uns hier im Rheintal immer wieder warme Wellen gebracht, schon Mitte Februar sah man die ersten Frösche, Kröten, Salamander, Molche. Die kalten Januarwochen waren für einheimische Pflanzen kein Problem. Wenn jetzt aber der Pfirsich vor dem Haus schon rosa ist und dann der Himmel bei Bise nachts auftut, gibt es vielleicht keine Pfirsiche dieses Jahr. Natürlich kann ich die ja dann im Geschäft kaufen, aber für die Bauern sind kalte Nächte im Frühling, noch im Mai, eine Zitterpartie.

Im Rausch der Frühlings­gefühle die Kartoffeln schon früh in den Boden bringen ist wie Lotto spielen, vielleicht hat man ja Glück! Das gönne ich auch den Spielern und den Gärtnern. Die alte Regel, dass katholische Kreise am Karfreitag die Kartoffeln in die Erde bringen, funktioniert meistens nicht, da sich das Wetter keinen Deut um religiöse und andere Termine kümmert. Und die Protestanten haben dann ja eh Feiertag.

In jedem Garten gibt es Bereiche, die sind eher frostgefährdet als andere. Wir wohnen am Hang mit ziemlich mildem Klima. Im nahen Tobel fliesst abends kalte Luft zu Tal, das spüren wir stark. Auch der Nordwind kann Kälte in den Garten bringen. Den Gemüsegarten habe ich darum gegen Norden mit einer hohen Eibenhecke abgeschirmt. Tatsächlich gibt es in vielen Gärten Kaltluftseen, Mulden, in denen die kalte Luft nicht abfliessen kann. Im Toggenburg (Hintergräppelen) hat Meteo Schweiz einen solchen See erforscht und dokumentiert. Er sieht wie ein richtiger See aus, nur ist kein Wasser drin, sondern kalte Luft ( <%LINK auto="true" href="http://www.kaltluftseen.ch" text="www.kaltluftseen.ch" class="more"%> ).

Die kritische Zeit für Setzlinge oder wärmeliebende Pflanzen kommt erst noch. Ein Öfeli in den Garten stellen ist ja keine Lösung. Klar hat jeder und jede seine ­Erfahrung, Tricks, Hilfsmittel (Treibkästen, Vlies etc.). Dem Wetter anpassen und, schwierig im Frühling, warten! Warten, bis der Boden schon eine gewisse Wärme gespeichert hat, damit die Samen auch genug davon haben zum Keimen, warten, bis das Bodenleben voll im Schuss ist. Die Robusteren wie Zwiebeln, Chefen, Erbsen und viele andere kann man ja jetzt in den Boden bringen.

Wenn es dann doch noch Spätfrost gibt, kann sich der Weiher mit einer hauchdünnen Eisschicht überziehen. Diese ist geradezu künstlerisch gestaltet!

Wenigstens etwas Trost für die erfrorenen Pfirsichblüten.

Urs Stieger

Berneck

www.u-stieger.com