Drogen in die Schweiz importiert

Einem 35-jährigen Nigerianer droht wegen Drogengeschäften eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und vier Monaten. Er bestreitet den Grossteil der Straftaten.

Claudia Schmid
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Der Beschuldigte soll Kokain an nigerianische Asylbewerber verkauft haben, die die Drogen dann weiter veräusserten. (Symbolbild: Shutterstock)

Der Beschuldigte soll Kokain an nigerianische Asylbewerber verkauft haben, die die Drogen dann weiter veräusserten. (Symbolbild: Shutterstock)

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, zwischen Mai und Oktober 2010 im organisierten, internationalen Kokainhandel tätig gewesen zu sein und an der Spitze eines westafrikanischen Netzwerkes zu stehen. Drogen soll er in den Niederlanden und Südamerika bestellt und sie durch Kuriere, Schlepper und Transportunternehmen in die Schweiz liefern gelassen haben. Im Raum St. Gallen habe er Kokain an nigerianische Asylbewerber verkauft, die die Drogen weiter veräusserten.

Telefonate überwacht

Für die Verbrechen gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und qualifizierte Geldwäscherei wurde eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und vier Monaten und eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à zehn Franken gefordert. Zudem sei eine Ersatzforderung des Staates über 140 000 Franken zu schützen. An der Gerichtsverhandlung am Kreisgericht St. Gallen listete der Staatsanwalt etliche überwachte Telefongespräche auf. Sie belegten, dass der Beschuldigte mehrmals ins Ausland gereist und für die ihm vorgeworfenen Drogengeschäfte verantwortlich sei.

Laut Anklage überwies er 90 000 Franken an Adressen in verschiedenen Ländern; etwa an seine Ehefrau in Tschechien und an seine Familie in Nigeria. Als abgewiesener Asylbewerber habe er vom Staat täglich acht Franken erhalten, wovon die überwiesenen Beträge nicht stammen könnten. Ein früheres Urteil beweise, dass er bereits in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sei. Das Gericht von Biel-Nidau hatte ihn wegen verschiedener Delikte zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Vieles deute darauf hin, dass der Beschuldigte in seiner Heimat Nigeria Vermögenswerte aus Drogengeschäften angehäuft habe. Es bestehe Hoffnung, dass diese mit den dortigen Behörden eingezogen werden könnten.

Papiere missbraucht

Der Beschuldigte bestritt alle Vorwürfe. Er habe mit den Drogengeschäften bis auf einen einzigen Fall nichts zu tun. Für die Geldüberweisung seien seine Papiere missbraucht worden. Die Verteidigerin verlangte Freispruch in den meisten Anklagepunkten. Ihr Mandant habe einzig versucht, aus den Niederlanden 100 Gramm Kokain einzuführen. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wobei 16 Monate im Gefängnis zu verbüssen und 20 Monate bedingt auszusprechen seien. Das Untersuchungsverfahren dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihrem Mandanten die Taten zweifelsfrei nachgewiesen werden müssten, was nicht der Fall sei. Die Anklage stelle nicht rechtsgenügende Mutmassungen an. Das Urteil des Kreisgerichtes St. Gallen steht noch aus.