Drei Bewerber, alle liberal

Geheimnisse sind auch nicht mehr, was sie mal waren. Von drei Namen war einer bereits bekannt, als die CVP die Kandidierenden fürs Gemeindepräsidium vorgestellt bekam. Am meisten Fragen waren an Werner Bolter gerichtet.

Gert Bruderer
Merken
Drucken
Teilen

BERNECK. Die Findungskommission hatte nichts verraten. Aber Stadtschreiber Bruno Seelos setzte am Donnerstagnachmittag die Verwaltungsangestellten der Stadt Rorschach über seine Bernecker Kandidatur in Kenntnis. Das war korrekt, im Zeitalter der elektronischen Medien jedoch ein Strich durch die Rechnung der Findungskommission. Die CVP-Mitglieder wussten bereits von der Kandidatur, als sie zur Vorstellungsrunde erschienen. Zwei weitere Namen waren dann aber doch neu: Werner Bolter und Silvia Lenz (siehe Zeitung von gestern).

Bolter: «An jedem Torkelfest»

Die zwei Männer haben zwei Gemeinsamkeiten: Werner Bolter wie Bruno Seelos haben nicht nur ein Hochseepatent, sondern auch eine starke Beziehung zu Berneck.

Bolter lebt seit 15 Jahren hier, in der «alten Lacki», schon in den Neunzigerjahren verbrachte er fünf Jahre im Ort. Er ist parteilos, hat noch nie für ein politisches Amt kandidiert, bezeichnet sich als liberal und unbürokratisch, als grossen Föderalismus-Fan, der eine möglichst grosse Gemeindeautonomie schätzt und dem Anordnungen von oben «zutiefst zuwider» sind. Der 52-jährige Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftsingenieur, Bürger von Balgach und (seit einem Monat) von Berneck, war mehrfach Projektleiter, u.a. beim Amt für Informatik oder beim Kantonsspital, ist heute selbständiger Berater und Dozent für Projekt-, Service- Prozess-Management, Organisation, Wirtschaftsinformatik und Unternehmensführung.

An Bolter gingen die meisten Fragen. Warum er nicht im Ort präsent ist? Antwort: Sei er doch, an jedem Torkelfest zum Beispiel, allerdings in kleiner Runde. Ist ihm klar, dass von einem Präsidenten Präsenz verlangt wird? Antwort: Sicher. Zu den Menschen finde er leicht Zugang. Hat er Führungserfahrung? Antwort: Immer wieder habe er bunt zusammengewürfelten Gremien vorgestanden und viele verschiedene Berufsgruppen unter einen Hut gebracht.

Kantonsrätin seit zwölf Jahren

Statt nach dem Motto «Ladies first» trat Silvia Lenz als zweite auf, gemäss alphabetischer Reihenfolge. Die 53-jährige Juristin aus Gais arbeitete neun Jahre beim kantonalen Baudepartement und vier Jahre im Departement des Innern. Heute ist sie Unternehmensjuristin/Leiterin Recht und Personal bei einem international tätigen Unternehmen in Sennwald. In Appenzell Ausserrhoden gehört sie seit zwölf Jahren dem Kantonsrat an. Sie ist Mitglied des Fraktionsvorstands und hat in Gais während einigen Jahren die FDP-Ortspartei präsidiert. Führungserfahrung hat Silvia Lenz dank verwaltungsinterner Verfahrensleitung gewonnen; erfolgreich habe sie gemischte Teams mit bis zu 15 Personen geführt, sagte sie. Einer von mehreren unter ihr entstandenen Überbauungsplänen diente als Grundlage für die St.Galler AFG Arena. Angenommen, Silvia Lenz wird Gemeindepräsidentin, lebt sie dann von Anfang an in Berneck? Antwort: Auf den Umzug würde sie sich freuen; allerdings sei möglich, dass sie einen Teil der einjährigen Übergangsfrist beanspruchen müsste.

CVP nominierte Seelos

Bruno Seelos ist in Berneck aufgewachsen, war hier lange in der Jugendmusik und wirkte als Ministrant. Wie Bolter ging er in Balgach zur Lehre (Bolter bei einer Bank, Seelos bei der Gemeinde), in Wil arbeitete er auf der Stadtkanzlei, die HWV schloss er ab mit Vertiefung Marketing. Dann war er Produktmanager, seit 2004 ist er Rorschachs Stadtschreiber. Seelos ist parteilos, nennt sich liberal, sagt, er habe Gemeinsinn und wolle mit Berneck den Anschluss wahren. Den CVP-Mitgliedern gefällt das. Sie nominierten als erste Ortspartei Bruno Seelos. – Und zwar deutlich.