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«Dranbleiben ist heute die Kunst»

René Bürgler und seine Firma Menzi Muck kommen gut durch die anhaltende Frankenstärke – die Bagger sind wetter- und krisenfest. Und die Firma hat sich seit Beginn der Krise angepasst, liefert jetzt vor allem in die Schweiz, nicht mehr ins Ausland.
René Bürgler: «Kaum haben wir eine neue Maschinen-Generation am Markt, entwickeln wir die nächste.» (Bild: Samuel Tanner)

René Bürgler: «Kaum haben wir eine neue Maschinen-Generation am Markt, entwickeln wir die nächste.» (Bild: Samuel Tanner)

Natürlich geht es auch bei Menzi Muck in Widnau um Qualität, den Preis, effizientere Abläufe. Aber es geht auch um eine Farbe: Wer den Abzweiger zum Firmengebäude an der Auenstrasse nicht findet, ist im Auto eingeschlafen. In greller, gelber Farbe thronen die Bagger an der Hauptstrasse wie Leuchttürme. Ja, klar, das hilft uns beim Vertrieb, wird Geschäftsführer René Bürgler im Interview sagen. Er öffnet die Tür zum Zimmer «Meeting 1» und setzt sich auf einen gelben Stuhl.

Herr Bürgler, wie oft fahren Sie durch die Schweiz und zählen Kräne?

René Bürgler: Nicht täglich, aber schon ziemlich oft. Wir zählen jedoch nicht nur Kräne, wir schauen vor allem die Zahlen an. Der Auftragseingang ist eher ein Indikator als die Anzahl Baustellen.

Dennoch: Welchen Eindruck nehmen Sie von Baustellen-Touren mit ins Büro?

Bürgler: Es wird noch immer viel gebaut; eigentlich logisch bei diesen tiefen Hypothekarzinsen.

Sie schrieben in den Geschäftsberichten der letzten Jahre denn auch stets, der Bauboom in der Schweiz helfe Menzi Muck sehr.

Bürgler: Ja, zwar ist für uns nicht der Hochbau entscheidend. Aber der Hochbau beflügelt den Tiefbau – wo schliesslich wir zum Zug kommen. Aktuell erzielt Menzi Muck über 50 Prozent des Umsatzes in der Schweiz.

Noch vor vier Jahren haben Sie 65 Prozent der Produkte ins Ausland verkauft.

Bürgler: Das stimmt. Aber unsere Firma hat zwei Bereiche. Das Eigenprodukt, ein Schreitbagger für heikles Gelände. Und die Handelswaren wie Radlader oder Raupenbagger. Damals, vor vier Jahren, standen wir noch vor dem Ausbau der Handelswaren, wir lieferten Eigenprodukte ins Ausland, es war die Zeit der grossen Investitionsprogramme in der EU.

Das hat sich geändert?

Bürgler: Es gab Märkte, die über Nacht zusammenbrachen. Rumänien, Spanien, ja, vor allem Spanien, dieser Markt ist noch heute tot. Unsere Schreitbagger werden in heiklem Gelände gebraucht, bei Gewässern, an Hängen. Und fehlt in grossen Ländern das Geld, verschiebt sich die Bautätigkeit halt auf andere Gebiete, werden Projekte in heiklem Gelände sofort abgesagt. Aus dem Grund kamen wir zum Schluss, dass wir ein weiteres Standbein brauchen: die Handelsprodukte.

Welchen Einfluss hatte dieser Schritt auf Ihre Firma?

Bürgler: Die Handelsprodukte vertreiben wir in der Schweiz, wir bauen die Palette dauernd aus – deshalb hat sich der Schweiz-Anteil an unserem Umsatz auch vergrössert. Zudem wird in der Schweiz nicht in dem Ausmass gespart, wie in anderen Ländern. Wir müssen da ernten, wo es etwas zu ernten gibt.

Gehen wir mal davon aus, auch in der Schweiz bricht der Markt ein. Was machen Sie dann?

Bürgler: Der Tiefbau schwankt bei uns kaum. Veränderungen von zwei, drei Prozent gelten als markant. Solche Schwankungen können wir ausgleichen. Zudem investiert die Schweiz, da der Boden begrenzt ist, sehr stark in Hangsanierungen, in Bauten in schwierigem Gelände.

Sie können sich also mit der aktuellen Situation, mit dem nach wie vor starken Franken arrangieren?

Bürgler: Auf jeden Fall. Der starke Franken hat im Export Nachteile, im Import aber Vorteile. Wir kaufen mittlerweile zu einem beträchtlichen Teil in Euro ein. Und wir haben in der Slowakei einen Standort, der vor einem Ausbau steht. Wir müssen unsere Vorteile nutzen.

Ist das eine Verlagerung ins Ausland?

Bürgler: Nein. Unsere Tochterfirma in der Slowakei besteht seit vielen Jahren. Wir bauen da Lagerhallen, für die wir hier in der Schweiz keinen Platz haben. Auch nicht an unserem neuen Standort in Kriessern, den wir 2014 beziehen.

Herr Bürgler, wenn ich die Massnahmen studiere, die Ihre Firma gegen die anhaltende Krise getroffen hat, fallen vor allem drei Dinge auf: Der Ausbau der Produktepalette. Damit die Verlagerung in die Schweiz. Zudem vermehrter Einkauf im Euro-Raum. Stimmt dieser Eindruck?

Bürgler: In Euro einkaufen ist vielleicht zu banal gesagt. Wir haben ein sogenanntes Re-Design vorgenommen. Die Ingenieure sollten unsere Produkte in Zukunft besser und konkurrenzfähiger gestalten. Sie mussten sich fragen: Nützt ein neues Getriebe etwas? Ein neuer Motor? Ein neuer Antrieb? Dann haben wir untersucht, ob wir mit neuen Lieferanten günstiger fahren. Sie müssen heutzutage alle Faktoren berücksichtigen.

Das Geschäft wird unsteter.

Bürgler: Das ist ja heute die Kunst, immer dran zu sein, immer zu optimieren, immer günstiger einzukaufen. Was heute gut ist, passt morgen vielleicht nicht mehr.

Treibt der Spardruck auch das Tempo auf der Produkteseite an?

Bürgler: Der Innovationsdruck ist grösser geworden. Kaum haben wir eine neue Maschinen-Generation am Markt, entwickeln wir die nächste. Die Geräte sollen immer mehr leisten zu immer kleinerem Preis. Zudem sollen sie immer ökologischer werden. Das Tempo hat sich verändert, bei uns ist aktuell kein Produkt älter als zwei Jahre.

Was wir bis jetzt noch nicht angesprochen haben: der Vorteil im Marketing. Sie verkaufen grellgelbe Bagger für heikle Hänge, eine Art Extremsportler unter den Baumaschinen. Einer, der Entgratungswerkzeuge verkaufen muss, wird mehr Mühe haben, die Leute zu begeistern.

Bürgler: Das stimmt, wir sind im Vergleich zur Grösse der Firma unglaublich bekannt. An Ausstellungen kommen dreitausend Leute. Bagger bedeuten eben Emotionen. Ein guter Fahrer bewegt den Bagger, aber er bewegt eigentlich sich selbst. Er multipliziert seine Kräfte. Wir sind ein Synonym für solche Geräte: Es gibt Leute, die zur Konkurrenz gehen und da einen Muck bestellen. Und auf YouTube gibt es Filme von uns, die über eine Million Mal angeklickt wurden.

2004 haben Sie den fünftausendsten Menzi Muck verkauft. Ist der zehntausendste schon in Sicht?

Bürgler: Nein, nein. Wir verkaufen immer mehr Spezialanfertigungen, etwa hundert Bagger im Jahr. Jetzt können Sie selber rechnen.

Da kann die Wirtschaftskrise aber nichts dafür.

Bürgler: Richtig.

Interview: Samuel Tanner

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