Dräck am Stecka

Garten

Urs Stieger
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Die faszinierende Welt der Moose. (Bild: Urs Stieger)

Die faszinierende Welt der Moose. (Bild: Urs Stieger)

Eigentlich habe ich keinen Wanderstecken, an dem der Dreck kleben bleibt. Das ist ja die alte Bedeutung von diesem Spruch. Die Schuhe hat man geputzt, der Landstrassendreck von damals klebt aber noch am Stecken.

Solche Leute sind nicht ganz sauber . . . Erde aber sei kein Dreck, so hat mein Vorgänger dieser Rubrik, der jetzt für eine schweizweit erscheinende Zeitschrift seine fundierten Artikel verfasst, in einem Vortrag subtil darauf hingewiesen, nachdem ich vom Glück des Drecks geschrieben hatte.

Natürlich hat er recht! Aber es kommt darauf an, was für einen Wert man diesem Wort gibt. In meinem Sprachgebrauch sage ich sogar manchmal dem Kompost «Dreck». Dreck, Erde, Scholla, Humus, neudeutsch Substrat usw. Worte für einen Stoff, ohne den Leben auf dieser Erde (!) nicht möglich wäre.

Erde ist nicht gleich Erde, sogar kleine Gärten haben verschiedene Erden. Glücklich die Gärtner und Bauern, die «guten Boden» haben. Aber was ist das, dieser gute Boden? Haben Sie schon einmal Heidelbeeren oder Rhododendron gepflanzt, ohne Torf versteht sich? Das wird nicht funktionieren, weil Heidelbeeren sauren Boden brauchen und Kalk lieber nicht an den Wurzeln haben. Das nutzen Rheintaler Bauern im Riet und pflanzen dort im «Schollaboda» Heidelbeeren. «Scholla, Schollatrocke», Rheintaler Begriffe von damals. Mein Schwiegervater hatte einen Garten, da war vielleicht einmal ein See. Die Erde oder besser der Lehm war sehr fruchtbar, aber so schwer und fett, dass umstechen zur Qual wurde und das Wasser nicht richtig abfloss, der Garten war eine veritable Fitnesscenterfoltermaschine.

Wir verwöhnten Gärtner am Hang haben dieses Problem nicht. Der Boden auf Sandstein und Mergel ist krümelig und über viele Jahre mit Kompost angereichert worden. Allerdings bereitet das Kompostieren viel Arbeit. Die Häckselmaschine macht zwar Lärm, fast so laut wie die Motorräder auf der nahegelegenen Strasse, aber ich habe Berge von Kompostgrundlage. Scholla, Torf gibt’s nicht! Wenn man bedenkt, dass jährlich 34 Mio. Tonnen Torf in Europa für Gartenzwecke verbraucht werden, für Stromproduktion noch mehr, kann man sich diese enorme Menge kaum vorstellen. Wenn auch der meiste Torf aus trockengelegten Sümpfen stammt, werden noch immer Torfabbaugebiete «erschlossen». Sumpfgebiete werden ausgebuddelt, alle Amphibien, Pflanzen zerdrückt, zermatscht, das gewesene Sumpf- moos als Torf mit Abertausenden Lastwagenfahrten in alle Welt gekarrt, damit man Gewächse in ein lockeres Substrat setzen kann. Da schluckt man zweimal, spuckt in die Hände und schichtet den Kompost um. Es gibt so viele Alternativen heute, die ohne Torf mindestens so gute Ergebnisse bringen.

Dräck am Stecka? Vielleicht hat’s der Torf im gelben Plastik.

Urs Stieger

Berneck

www.u-stieger.com