Dorfladen für die Zukunft rüsten

Die Studie der FHS St. Gallen zum Dorfladen in Reute zeigt Verbesserungspotenzial auf. Ob ein Umzug in das projektierte Zentrumsgebäude sinnvoll ist, muss die Konsumgenossenschaft erst noch entscheiden.

Karin Steffen
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REUTE. Die Zukunft des Dorfladens in Reute liegt den Genossenschaftern der Konsumgenossenschaft, aber auch den Einwohnern von Reute am Herzen. Die 60 Stühle reichten bei weitem nicht, um allen Interessierten einen Platz zu bieten. Es ging am Dienstagabend in der Turnhalle in Reute um Verbesserungsmöglichkeiten am heutigen Standort, aber auch um eine allfällige Standortverlegung des Dorfladens Denner Satellit in das Zentrumsgebäude. Vor rund drei Jahren forderte das Ideen-Café die Gemeinde auf, mehr Wohnraum und einen Begegnungsraum im Dorf zu schaffen, was zum Projekt «Zentrumsgebäude» führte. Gemäss Gemeindepräsident Ernst Pletscher soll das neue Gebäude möglichst viele Funktionen erfüllen, also nebst Wohn- und Begegnungsraum auch einen Laden oder Gewerberaum erhalten.

Eigenes Ladenlokal verkaufen

Fünf Studenten der FHS St. Gallen (Hochschule für Angewandte Wissenschaften) führten die Studie durch. Für die Arbeitsgruppe mit Simon Scherrer als Projektleiter, Benjamin Gächter, Janine Wirth, Filipo Spaletta und Philipe Bannwart ist ein Umzug in das neue Zentrumsgebäude nur mit finanzieller Unterstützung realistisch. Ein mögliches Szenario sieht vor, das heutige eigene Ladenlokal zu verkaufen und ins Zentrumsgebäude zu ziehen. Mit dem Erlös soll die Konsumgenossenschaft vorerst für einen marktüblichen Mietzins selber aufkommen. Ist dieser aufgebraucht, müsste mit der Gemeinde ein symbolischer Mietzins ausgehandelt werden, die Konsumgenossenschaft also finanziell unterstützt werden. In der Diskussion zeigte sich, dass viele Genossenschafter ungern das eigene Gebäude verkaufen würden. Nach einem Standortwechsel auf finanzielle Hilfe angewiesen zu sein, ergibt für sie keinen Sinn.

Bei der Analyse der letzten fünf Jahre zeigte sich, dass der Umsatz des Dorfladens kontinuierlich rückläufig war, was zu rückläufigem Gewinn führen werde, erklärte Philipe Bannwart. Für die Studenten ist das ein Indiz dafür, dass die Partnerschaft der Konsumgenossenschaft mit Denner nicht optimal ist. Zum einen seien die Margen viel kleiner als bei vergleichbaren Partnerschaften wie Maxi von Spar oder Volg. Zum anderen zeige sich Denner nicht flexibel, wenn es um das Produktesortiment gehe, führt Bannwart aus. Oft müsse der Laden Produkte einkaufen, die er nicht weiter verkaufen könne. Die Studenten empfehlen, den Lieferanten von Denner auf Maxi von Spar zu wechseln. Spar fördere auch Nebenlieferanten und das führe zu mehr regionalen Produkten in den Regalen.

Geschäftsführer gefordert

Simon Scherrer weist darauf hin, dass der Umsatz bei einem Lieferantenwechsel anfangs bestimmt zurückgehen werde. Durch die höheren Margen solle aber dennoch ein grösserer Gewinn resultieren. Verschiedene Votanten wiesen darauf hin, dass die Einwohner mit ihrem Einkauf selber entscheiden, ob der Laden überlebensfähig bleibt.

Grosses Verbesserungspotenzial sieht die Arbeitsgruppe in der Optimierung der Führungsstruktur. Es sei unverzichtbar, einen Geschäftsführer einzustellen, der organisiere und Doppelspurigkeiten vermeide. Zudem sollten die Öffnungszeiten vor allem morgens und am Mittag um wöchentlich fünf Stunden ausgedehnt werden. Heinz Duppenthaler, Präsident der Konsumgenossenschaft, informierte, dass bereits ein Geschäftsführer für den Laden gesucht werde. Die restlichen Empfehlungen werde der Vorstand genau prüfen und den Genossenschaftern vorlegen. Ernst Pletscher rief die Genossenschafter auf, den Zeithorizont für die Betrachtung der Zukunft des Dorfladens grosszügig zu wählen.