Dombläser und Orgel gefielen

OBEREGG. Mit Willibald Guggenmos auf der Orgel und dem St. Galler Dombläser-Quartett gastierte am Sonntagabend ein perfekt eingespieltes Ensemble in der Oberegger Pfarrkirche. Es erntete stehenden Applaus.

Rolf Rechsteiner
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Willibald Guggenmos und das St. Galler Dombläser-Quartett gastierten in der Oberegger Pfarrkirche. (Bild: Rolf Rechsteiner)

Willibald Guggenmos und das St. Galler Dombläser-Quartett gastierten in der Oberegger Pfarrkirche. (Bild: Rolf Rechsteiner)

Geboten wurde ein schwungvoller Start in den Wonnemonat Mai mit wuchtigen Fanfaren, aber auch mit sanften Zwischentönen, die der St. Galler Domorganist sehr einfühlsam einstreute. Zum Zuge kam Literatur aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die ein stimmiges Ganzes ergab, mit einer permanenten Steigerung zum Finale hin.

Ein Zeitgenosse

Nicht ganz zufällig bot die Festmusik des Eidgenössischen Musikfestes 2011 in St. Gallen den Auftakt: Deren Komponist, Gilbert Tinner, ist einer der beiden Posaunisten im Dombläser-Quartett. Er hat sein Werk «Celebration and Dance» eigentlich für grosses Blasorchester komponiert, nachträglich aber für Orgel und Bläserquartett umgeschrieben. Geblieben sind die tragenden Säulen des Werks, etwa die prachtvolle Fanfare zu Anfang, der festliche Hymnus und der tänzerisch leichte Teil, und das grosse Finale kann auch in kleiner Besetzung zelebriert werden, wie in Oberegg eindrücklich bewiesen.

Gut eingestimmt

Die Zusammenarbeit des Ensembles lebte nicht nur vom herausragenden Können der Bläser, sondern auch von der filigranen Arbeit des Organisten, der mit perfekter Registrierung jene Klangfarben herbeizauberte, die ein stimmiges Ganzes ergeben. Als Beispiel sei das Choralkonzert «Sonne der Gerechtigkeit» von Friedrich Zipp erwähnt, dessen Mittelsatz förmlich Wärme abstrahlte – passend zum Vorsommer in schwebendem Legato mit frisch gespielten Einwürfen der Bläser. Besonders festlich kam auch «All Creatures of our God and King» von Vàclav Nelhýbel daher, wie Glockenklang anmutend, wuchtig und überraschend kurz. Ein Wurf. Gut gewählt zeigte sich auch das Schlussstück: Toccata und Hymnus «Nun danket all und bringet Ehr» von Jan Janca rief wahrnehmbar den Höhepunkt herbei, den das Publikum mit einer Standing Ovation quittierte. Wie gewohnt hatte man sich Zwischenapplaus verbeten und das Publikum hatte sichtlich etwas nachzuholen.

Ereignisreiches Orgelspiel

Willibald Guggenmos übte im Zusammenspiel mit den Bläsern einige Zurückhaltung. Er stellte sich und sein Instrument in den Dienst der Sache und nicht in den Mittelpunkt. Doch liess er die Orgel auch als Solist erklingen. Er verschaffte den Bläsern die nötigen Atempausen, indem er gekonnt Brücken schlug von einem Ensemblestück zum nächsten. Die «Méditation» von Gabriel Dupont verdiente diesen Namen in ihrer zarten, ja fast verhaltenen Art, die etwas Schwebendes an sich hat. Gegensätzlicher hätte die «Legende E-Dur» von Franz Liszt in einer Bearbeitung des Organisten nicht sein können mit ihren brausenden Vorboten eines aufkommenden Gewitters, das sich schliesslich mit aller Wucht entlädt – ein Thema, das Organistenherzen immer höher schlagen lässt, weil hier alle Register gezogen werden können.

Geheimnisvolle Atmosphäre

Doch ist der virtuose Münchner bekannt als Meister auch der sanften Töne. Im Final aus der 5. Orgelsymphonie von Louis Vierne erzeugte er eine geheimnisvolle Atmosphäre, als sei das Stück nur halb von dieser Welt.

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