Doch keine Rettung für den Zoo

Der Versuch, den Zoo in Eichberg noch zu retten, ist gescheitert. Er wird geschlossen und liquidiert. Bei der Räumung hilft der Walter-Zoo. Für die Zoohuus-Pächterfamilie Freund ist das eine «sehr unglückliche Situation».

Gert Bruderer
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eichberg. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Deshalb hatten viele gehofft, der Zoo sei doch noch überlebensfähig. Dass er Probleme hat, ist ja nicht neu. Das einst auf die Zucht ausgerichtete Unternehmen, das nach und nach immer mehr zum Erlebniszoo wurde, hinkt mit dem Investieren tüchtig hintennach, um über eine Million, muss zunehmend strengere Auflagen erfüllen und sich mit einem jährlichen Defizit in der Grössenordnung von 100000 Franken herumschlagen.

«Grosse Risiken» trotz Märlizoo

Um weiterzumachen, hätte der Zoo nicht nur beträchtlicher finanzieller Mittel bedurft, sondern auch einer deutlich grösseren Attraktivität. Ein sogenannter Märlizoo war deshalb schon geplant, ein Beitrag von 150 000 Franken aus dem Lotteriefonds bereits gesprochen, weitere 50 000 Franken hätten die Gemeinde Eichberg und Rheintal Tourismus beigesteuert. Dies ist hinfällig geworden.

Manche bedauern das, aber nicht alle im Dorf trauern dem Zoo wirklich nach. Er habe sicher für die Schulen viel bedeutet, heisst es, auch das Image der Gemeinde habe er begünstigt, aber «immer wieder Geld hineinzupumpen» bringe nichts. Dies umso weniger, als der Erfolg bei einem Ausbau ja nicht garantiert gewesen wäre. Von «grossen Risiken» spricht der Stiftungsrat. In dessen Medienmitteilung heisst es, man habe alle Vorschläge, die aus der ganzen Schweiz und aus dem Ausland eingegangen seien, sehr gewissenhaft geprüft.

Viele Plätze für viele Tiere

Dass die Bemühungen nichts fruchteten, bedeutet: Der Zoo wird ab sofort geräumt. Der Plättli-Zoo in Frauenfeld übernimmt drei kleine Kängurus, ein anderer Zoo die Zwergfischotter, und für die rund 15 Alpakas und La- mas hat die Stiftung Erlebniszoo Rheintal gute Plätze in der Region in Aussicht. Auch Masha, das berühmte Trampeltier, das bei vielen Grossveranstaltungen zugegen war, braucht wohl nicht weit zu reisen. Alle anderen Tiere kommen zu Tierli Walter nach Gossau: Etwa 30 Affen aus verschiedenen Familien, je zwei Pandas und Geparden sowie ein Zwerghirschpaar mit Jungem.

Dank Spenden überwintert

Im November hatte der Entscheid, den Zoo zu schliessen, ein grosses Echo aus nah und fern ausgelöst. Grosszügige Zahlungen von Freunden und Sympathisanten ermöglichten es, den Zoobetrieb vorübergehend fortzuführen und in Ruhe nochmals alle Optionen zu prüfen. Nicht zuletzt die fünf Mitarbeitenden des Zoos machten sich für den Fortbestand stark – und hofften. Andererseits erlebten sie die Wintermonate als belastend. Thomas Lauber, der die Leitung des Betriebs vor eineinhalb Jahren übernommen hatte, spricht von einer grossen Unsicherheit. Nun, da die Schliessung nicht mehr abzuwenden ist, steht ihm die Rückkehr in den Raum Zürich bevor. Einen neuen Job hat er noch nicht. Die beiden Lehrverträge übernimmt der Walter-Zoo.

Die Schliessung des Zoos hat den Verkauf der Liegenschaft samt Wohngebäude und Zoohuus zur Folge. Weil der Zoo nicht mehr bestehen wird, kann es für das Land auch keine Sonderzone mehr geben.

Zoohuus: Zukunft ungewiss

Ob die Familie Heidi und Walter Freund das Restaurant Zoohuus weiterführt, ist offen. Walter Freund, der dem Zoo auch Pachtland überlassen hatte, nennt die Situation «sehr unglücklich», zumal die neue Ausgangslage völlig unklar sei. Sicher ist: Die Stiftung sucht für ihre Liegenschaft einen Käufer. Zumal mit der Rückstufung des Geländes in Landwirtschaftsland zu rechnen ist, kann das Grundstück für jemanden interessant sein, der Tiere (z. B. Pferde) halten möchte.

Kein Zeitdruck

Immerhin ist die Stiftung Erlebniszoo Rheintal nicht unter Zeitdruck. Nach Auskunft von René Ballmer geht es darum, nach dem Verkauf die Hypothekarschuld zu tilgen und Darlehen zurückzuzahlen. Ein allfälliger Reinerlös käme gemäss Statuten einer gemeinnützigen Institution zugute.