Diogenes mit eigener Weihnacht

Seit Jahren lädt das Diogenes-Theater zur Weihnachtsvorstellung an Heiligabend ein. Eva Graf, Präsidentin des Diogenes-Theaters Altstätten, und ihr Team freuen sich, bei dieser Gelegenheit morgen erstmals eine Eigenproduktion aufzuführen.

Merken
Drucken
Teilen
Eva Graf freut sich, auch morgen um 14.30 und um 15.30 Uhr auf der Bühne eine Eigenproduktion zu präsentieren. (Bild: Kurt Latzer)

Eva Graf freut sich, auch morgen um 14.30 und um 15.30 Uhr auf der Bühne eine Eigenproduktion zu präsentieren. (Bild: Kurt Latzer)

Frau Graf, seit wann gibt es Weihnachtsvorstellungen im Diogenes-Theater?

Eva Graf: Soweit ich mich zurückerinnern kann. Ich habe die Weihnachtsvorstellungen mit meinen Kindern besucht, als sie noch klein waren. Wie lange es diese Aufführungen bereits gibt, weiss ich nicht.

Sind die Vorstellungen an Heiligabend bei Kindern und Erwachsenen immer noch so beliebt wie damals?

Graf: Leider nicht. Im Gegensatz zu früher besuchen weniger Kinder die Weihnachtsaufführung.

Wie erklären Sie sich das?

Graf: Das dürfte verschiedene Ursachen haben. Früher gab es im Diogenes vier bis fünf Kindervorstellungen pro Jahr, heute nur noch die an Heiligabend. Dazu war früher die Weihnachtsaufführung im Diogenes der einzige Anlass in der Umgebung von Altstätten, der den Kindern das Warten aufs Christkind verkürzen half. Sicher spielt auch das Alter der Theater-Vorstandsmitglieder eine Rolle, niemand von uns hat noch kleine Kinder.

Kann man dieser Entwicklung überhaupt noch Gegensteuer geben im Zeitalter von TV, Video und Spielkonsolen?

Graf: Wir versuchen, die Kinder über Aktiv-Erlebnisse zu erreichen. Dies beispielsweise mit dem Zirkus Lollypop in den Sommerferien, an dem bis zu 100 Kinder mitwirken. Weiter bieten wir in den Herbstferien jeweils eine Theaterwoche an, und zurzeit ist ein Buchprojekt in Arbeit. Kinder aus dem Rheintal schreiben spannende Reisegeschichten. Übrigens: Bis morgen können dafür noch Texte abgegeben werden.

Und wie erreichen Sie die Jugendlichen?

Graf: Wir stellen unser Theater dieses Jahr schon zum dritten Mal der Jugendarbeit Altstätten zur Verfügung. Zurzeit sind die Vorbereitungen für die Aufführung des Jugendtheaters im Frühjahr im Gange. Weiter ist bei uns die Kantonsschule Heerbrugg intensiv am Proben, und die Oberstufe Altstätten arbeitet im Diogenes an ihrem Musical. Wir begrüssen es sehr, dass unsere Bühne so mehr genutzt wird.

Welche Bedeutung hat diese vermehrte Nutzung fürs Diogenes?

Graf: Jugendliche und Kinder, die selbst aktiv Theater spielen, sind unser zukünftiges Publikum, und wer weiss – vielleicht spielen sie auch als Erwachsene wieder mit bei einer unserer Eigenproduktionen. Es ist uns ein grosses Anliegen, dass Rheintalerinnen und Rheintaler auch einen Platz auf der Bühne haben, nicht nur im Zuschauerraum.

Auf der Diogenes-Bühne wird zum ersten Mal an Heiligabend eine Eigenproduktion zu sehen sein. Weshalb?

Graf: Wir haben vor einigen Jahren beschlossen, mehr Eigenproduktionen auf die Bühne zu bringen. Dies wird seither konsequent umgesetzt: Es gibt den Diogenes-Chor und die Theatergruppe, die beide sehr aktiv sind. So haben wir nun auch für die beiden Vorstellungen von morgen um 14.30 und 15.30 Uhr eine langjährige Diogenes-Frau angefragt. Elisabeth Büchel Neuhold ist Kursleiterin der Theaterwoche und hat viele Jahre bei uns Puppentheater gespielt. Sie hat spontan zugesagt, die Aufführung zu übernehmen und präsentiert mit ihrer Tochter Selina Neuhold ein Kamishibai-Bildtheater.

Kamishibai-Bildtheater sind japanischen Ursprungs. Weshalb gibt es an den Kindervorstellungen im Diogenes-Theater nichts Traditionelles, ein Weihnachtsmärchen beispielsweise?

Graf: Das Stück ist eine Weihnachtsgeschichte, sie kommt allerdings in anderer Form daher. Die Aufführung soll beruhigend wirken, wir wollten keinen Klamauk. Das Kamishibai-Bildtheater basiert auf der Idee eines von Ort zu Ort reisenden Erzählers, der seine Geschichten zu bestehenden Bildern vorträgt. Die unspektakuläre und ruhige Art, Geschichten zu präsentieren, zieht auch heute noch viele Kinder in ihren Bann und begeistert sie.

Nicht nur die Eigenproduktion ist neu, sondern auch die Eintrittspreise sind es. Früher wurde nur für Kinder Eintritt verlangt, morgen müssen Eltern und Kinder bezahlen. Geht dem Diogenes-Theater das Geld aus?

Graf: Nein, uns gehen nicht die finanziellen Mittel aus. In den vergangenen Jahren mussten einmal nur die Eltern, dann wieder nur die Kinder Eintritt bezahlen. Letztes Jahr haben wir pro Kind zehn Franken verlangt. Dabei gab es Fälle, bei denen eine Mutter 30 Franken zahlen musste, weil sie mit drei Kindern teilnahm, auf der anderen Seite zahlten zwei Grosseltern mit einem Kind zehn Franken. Wir glauben, es ist gerechter, wenn wir für Erwachsene und Kinder je fünf Franken einziehen.

Interview: Kurt Latzer