Dietsche tritt gegen Huber an

Der Kriessner Kantonsrat Marcel Dietsche kandidiert im Herbst für das Oberrieter Gemeindepräsidium. Somit kommt es zu einer Kampfwahl. Herausgefordert sieht sich der amtierende Gemeindepräsident Rolf Huber.

Gert Bruderer
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OBERRIET. Speziell ist, dass nicht Dietsches Partei, die SVP, ihren Parlamentarier als Oberrieter Präsidentschaftskandidaten portiert, sondern Dietsche aus eigenem Antrieb entschieden hat, «der Bürgerschaft eine Auswahl zu ermöglichen». Über seine Kandidatur hat Marcel Dietsche am Mittwochabend den Vorstand der SVP Oberriet und den Gemeinderat in Kenntnis gesetzt. Natürlich hoffe er, dass die Partei ihn unterstütze, sagt er.

An der Bürgerversammlung vom 1. April hatte Dietsche eine Senkung des Steuerfusses um fünf Prozent beantragt – und nicht nur um zwei Prozent, wie vom Gemeinderat vorgeschlagen. Dietsche unterlag zwar, aber ziemlich knapp. Dietsches Blick auf die Finanzpolitik der Gemeinde ist ein Beispiel für eine Sichtweise, die jener des amtierenden Präsidenten entgegensteht.

Betrachtet man die Ergebnisse Dietsches und Hubers bei den vorletzten sowie bei den jüngsten Kantonsratswahlen, ist in der Gemeinde Oberriet ein klarer Trend zugunsten Dietsches feststellbar. Hatte der amtierende Gemeindepräsident vor vier Jahren in seiner eigenen Gemeinde noch knapp vor Dietsche gelegen, blieb er vor zwei Monaten in der Gunst der Wählerschaft klar hinter seinem SVP-Konkurrenten zurück; Marcel Dietsche erhielt diesmal in der Gemeinde Oberriet rund ein Viertel mehr Stimmen als Rolf Huber. Dieser präsidiert die Gemeinde seit 1. Januar 2011. Er gab das Gemeindepräsidium in Nesslau-Krummenau auf, um die Gemeinde Oberriet zu übernehmen, wo er herstammt.

Wunsch nach Auswahl

Seit Monaten verspürt in Oberriet ein Teil der Bevölkerung den Wunsch, bei den nächsten Präsidentschaftswahlen im Herbst eine Alternative zu haben. Verschiedene Kräfte sind deshalb bestrebt, einen neuen Bewerber zu finden. Ein eigentliches Komitee ist allerdings nicht am Werk, und Dietsche ist denn auch nicht von einer bestimmten Gruppe zur Kandidatur ermuntert worden. Vielmehr, sagt er, sei ihm der offenkundig verbreitete Wunsch nach einer Auswahl in Gesprächen bewusst geworden, schon im letzten Jahr. In jüngster Zeit hätten mehrere Stimmbürger konkret gefragt, ob er sich die Arbeit als Gemeindepräsident vorstellen könne, wobei es sich um keine Exponenten seiner eigenen Partei gehandelt habe.

Andere Schwerpunkte

Die Frage, was ihm besonders am Herzen liege, beantwortet Marcel Dietsche ohne zu zögern: «Das Gewerbe, das Wohnen.» Die angesichts kaum noch verfügbaren Baulandes zunehmend erschwerten Bedingungen, sich zu entfalten, sieht Dietsche als vordringliche Aufgabe. Auch die möglichst geringe Belastung durch den Verkehr und eine vorbildliche Infrastruktur für den Langsamverkehr sind ihm ein Anliegen. Schon beim Bau der Hochwasser-Interventionspiste vor einem Jahr hatte der Kriessner angeregt, den Veloweg zwischen St. Margrethen und Sargans mit einer Teerung des Teilstücks vom Kriessner Wäldli bis zum Fohlenhof zu vervollständigen.

Mit der Arbeit des Gemeinderats, sagt Dietsche, sei er grundsätzlich zufrieden. Die Schwerpunkte würde er teils aber anders setzen. Entweder, sagt er, sei die steuerliche Belastung des Einzelnen zu senken – oder wenigstens das verfügbare Geld, das sonst vorhanden sei, bestmöglich zugunsten der Gemeinde einzusetzen. Was Dietsche nicht erwähnt, in der Gemeinde jedoch kein Geheimnis ist und hinter vorgehaltener Hand viele schon länger beschäftigt, ist das nicht immer staatsmännische Auftreten des amtierenden Präsidenten. Auch mit der Kommunikation sind nicht alle zufrieden.

Im linken SVP-Flügel

Rolf Huber bekommt mit Marcel Dietsche starke Konkurrenz. Der 36-jährige Kriessner Polizist, der einer klassischen CVP-Familie entstammt und für verschiedene Vereine und Gremien viel getan hat, ist nicht nur im eigenen Dorf als sachbezogen politisierender Parlamentarier anerkannt.

Dietsche rechnet sich selbst «dem linken Flügel der SVP» zu. Das zeigt sich unter anderem darin, dass er von Baulandhortung nichts hält und er angesichts der aktuellen technischen Möglichkeiten ein neues Atomkraftwerk ablehnt.

Gruppenchef, Präsident, Vater

Marcel Dietsche hat eine Lehre als Elektromonteur absolviert und ebenso erfolgreich die Polizeischule im Kanton St. Gallen besucht. Seit zwölf Jahren ist er bei der St. Galler Kantonspolizei als Mitarbeiter der Regionalpolizei tätig, seit 2012 als Gruppenchef Mobile Polizei beim Stützpunkt Thal.

Berufsbegleitend hat Dietsche den Diplomlehrgang Sportmanager SSMC absolviert. Er ist Sicherheitsverantwortlicher der Sport Union Schweiz. Bis in diesem Jahr wirkte der Kriessner während je eines Jahrzehnts als Präsident des KTV Kriessern und als Vizepräsident des St. Galler Leichtathletik-Verbandes. Seit 2013 präsidiert er die IG Sportvereine Oberriet. Acht Jahre lang gehörte Dietsche zudem der Jugendschutzkommission Oberriet-Eichberg-Rüthi an, vier Jahre lang dem Pfarreirat Kriessern.

Als Kantonsrat ist Marcel Dietsche seit 2004 tätig. Vor zwei Jahren wurde er Vizepräsident der SVP-Fraktion und Mitglied der Staatswirtschaftlichen Kommission. Dietsche hat in über fünfzig vorberatenden Kommissionen mitgewirkt und acht von ihnen präsidiert. Bei der SVP Oberriet hat er seit 2001 verschiedene Funktionen als Vorstandsmitglied erfüllt.

Marcel Dietsche ist verheiratet mit Carmen Dietsche und Vater der zweijährigen Anouk. Im Mai bekommt das Paar sein zweites Kind.

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