Diepoldsauer Maz

Das Diepoldsauer Maz, ein beliebter und regional bekannter Bade- und Erholungsplatz am Alten Rhein, hat seinen Namen von einem Widnauer, von Marzell Frei. Er lebte zu Beginn des 20 Jahrhunderts in Widnau, war ein angesehener Mitbürger, Bauer, Ortspräsident und Vater von 20! Kindern.

René Schneider
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Mutprobe am Alten Rhein dank der beliebten «Tarzan»-Installation beim Maz. (Bild: René Schneider)

Mutprobe am Alten Rhein dank der beliebten «Tarzan»-Installation beim Maz. (Bild: René Schneider)

Das Diepoldsauer Maz, ein beliebter und regional bekannter Bade- und Erholungsplatz am Alten Rhein, hat seinen Namen von einem Widnauer, von Marzell Frei. Er lebte zu Beginn des 20 Jahrhunderts in Widnau, war ein angesehener Mitbürger, Bauer, Ortspräsident und Vater von 20! Kindern. Er ist der Stammvater der grossen Widnauer Sippe der «Marzeller». Einer von ihnen ist der Widnauer Kommunikationsberater Reinhard Frei.

Aus der Sippe der Marzeller, warum weiss auch Reinhard Frei nicht, ging eine Reihe von Rheinkies-Abbauern hervor, die wiederum andere «Marzeller» als Angestellte beschäftigten. Der letzte Marzeller am Alten Rhein war der vor ein paar Jahren verstorbene Alois Frei, Marzeller Wisi, ein Onkel von Reinhard Frei. Marzeller Wisi förderte als einer der letzten kommerziellen Kiesabbauer am Alten Rhein bei Diepoldsau bis Ende der 1970er-Jahre den wertvollen Rundkies. Gebadet wurde beim «Marzeller Loch» oder eben beim «Marzeller» schon, als der Widnauer dort noch Kies förderte, und sein Schwimmbagger ersetzte den zumeist jungen Badenden den Sprungturm. Weil beim offiziellen Strandbad weiter oben an der stillgelegten Rheinschlaufe Eintritt bezahlt werden musste, eine Badeordnung galt und die öffentliche Kontrolle grösser war, entwickelte sich das «Maz» zum beliebten Treff der Jugend. Am Maz konnte sie nicht nur baden, sondern auch bräteln, Musik hören, Alkohol trinken, bis in die Morgenstunden feiern oder in Schlafsäcken übernachten. Samt allen Nebenerscheinungen wie Littering-, Lärm- und auch anderen Klagen aus dem Dorf. Einerseits forderte die Bürgerschaft Ende der 1970er-Jahre von Gemeinde und Kanton einen generellen Stop des Kiesabbaus am Alten Rhein und die Schaffung von Erholungsraum und Naturschutzgebieten. Anderseits wuchs der Widerstand gegen die Begleit- und Nebenerscheinungen bei der Nutzung des neuen Erholungs- und Naturraums durch die Öffentlichkeit. Aus dieser Zeit stammen die heute seltsam wirkenden Schilder, auf denen steht, dass nicht nur das Fahren am Alten Rhein verboten ist, sondern auch das Schieben und Stossen von Motorfahrzeugen. Dass nicht nur das Nacktbaden verboten ist, sondern auch das Nackt-Liegen, -Gehen oder -Stehen. Heute patrouillieren im Auftrag der Gemeinde vor allem im Sommer private Aufpasser am Alten Rhein und führen Mitarbeiter des Bauamtes wöchentlich ein paar Hundert Kilo Müll ab. Sie sammeln ihn nicht nur beim Maz ein. Beliebt sind bei den Badenden auch das «Rohr», das «Inseli», der Mittelstreifen oder der «Sigmund». Auch diesen Badeplatz taufte das Volk nach einem der letzten Kiesabbauer am Rhein, dem Diepoldsauer Sigmund Sieber.