DIEPOLDSAU: Sprachliche Integration für alle

Die Quartierschule in Diepoldsau bietet ab August Deutschunterricht für alle Altersstufen an. Das Angebot soll einen späteren Einstieg in eine professionelle Sprachschule ermöglichen.

Anina Gächter
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Jörg Mannhart, Patrick Spirig und Gerhard Strasser (v. l.) haben das Konzept Quartierschule gemeinsam erarbeitet. (Bild: Anina Gächter)

Jörg Mannhart, Patrick Spirig und Gerhard Strasser (v. l.) haben das Konzept Quartierschule gemeinsam erarbeitet. (Bild: Anina Gächter)

Anina Gächter

«Unser Ziel ist es, optimale Integrationsvoraussetzungen für den Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen», erklärt Schulratspräsident Patrick Spirig. Gemeinsam mit Schulleiter Jörg Mannhart und Sozialamtsleiter Gerhard Strasser entwarf er das Konzept der neuen Quartierschule Diepoldsau-Schmitter. Diese bietet ab Mitte August verschiedene Möglichkeiten an, Deutsch zu lernen.

Drei mögliche ­Ausbildungswege

Das Projekt ist auf drei Schienen aufgegleist. Klienten ohne jegliche Deutschkenntnisse können die LieLa Regional in Widnau besuchen, wo ihnen Anita Blosser während vier Wochen die Grundlagen der deutschen Sprache vermittelt.

Wer den Kurs abgeschlossen hat oder bereits grundlegende Kenntnisse hat, kann die Quartierschule Diepoldsau-Schmitter besuchen. Das dortige Lehrpersonal besteht aus freiwilligen Helfern mit pädagogischem Hintergrund, wie beispielsweise pensionierte Lehrer oder PH-Studenten. Unterrichtet wird mit dem Lehrmittel Büchler, das auch von professionellen Sprachschulen für Prüfungsvorbereitungen genutzt wird. So soll ein reibungsloser Übergang zur ABC-Sprachschule nach Bestehen des Leistungseinstufungskurses mit Niveau A2 ermöglicht werden. Um den Übergang zu erleichtern, bietet die Quartierschule zudem einen Übergangskurs mit Hausaufgabenhilfe an.

Das dritte Angebot ist der Integrationsförderkurs. Dieser richtet sich an Teilnehmer zwischen 15 und 21 Jahren oder Personen im Asylverfahren zwischen 21 und 24 Jahren, die bereits Deutschkenntnisse haben. Während eines Jahres werden sie an vier Halbtagen pro Woche sprachlich auf eine Vor-, Attest- oder normale Lehre vorbereitet. Auch die Sprachkenntnisse in Bezug auf das Alltagsgeschehen sollen verbessert werden.

Verschiedene Angebote zur sozialen Integration

Nebst der sprachlichen Integration will die Quartierschule Diepoldsau-Schmitter auch die gesellschaftliche Integration fördern. Bestehende Angebote wie das freiwillige Beschäftigungsprogramm des Sozialamts, das Gartenprojekt und der EDV-Arbeitsplatz mit Internetanschluss sollen beibehalten werden. Neu dazukommen sollen eine Lernarena, Mutter-Kind-Angebote, ein Sprachencafé, eine Bibliothek und diverse Infoveranstaltungen.

«Vor einem Jahr haben wir das Fest der Nationen organisiert, bei dem Einwohner aus verschiedenen Nationen ihr Land und ihr Essen vorgestellt haben. Das grosse Engagement der Beteiligten hat uns gezeigt, dass der Wille, sich sozial zu integrieren, vorhanden ist und man ihn fördern sollte», sagt Jörg Mannhart.

Das leer stehende Zimmer optimal genutzt

Stattfinden soll die Quartierschule in einem wegen Schülermangels leer stehenden Raum im Nebenpavillon der Oberstufe Kleewies. «Wir haben das Schulzimmer bereits zuvor für die Deutschförderungsangebote der Schule genutzt, nun soll es nebst dem Latein- und Religionsunterricht auch die Quartierschule beherbergen», sagt Jörg Mannhart. Damit der Schulalltag nicht gestört wird, wurde ein Reglement für die Nutzung der Infrastruktur ausgearbeitet. Da die freiwilligen Helfer aber sowieso eher zu Randzeiten wie an Abenden, Mittagen oder Samstagen verfügbar sind, komme es kaum zu zeitlichen Überschneidungen.

Ob die Quartierschule langfristig im «Kleewies» bleiben wird, ist noch unklar. Man werde von Jahr zu Jahr schauen, wie sich die Schülerzahl und die Lehrpläne entwickeln und dann vorzu entscheiden, ob man den Raum weiterhin vermietet.