DIEPOLDSAU: Ein Herz für Schwalben

Das sechsstöckige Gebäude der Casa Invest ist mit 30 bis 40 Schwalbennestern eine der grössten Kolonien weitherum. Jetzt wurden Nisthilfen eingerichtet.

Maya Seiler
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Um unter dem Flachdach des sechsstöckigen Hochhauses arbeiten zu können, kam der Hubretter der Feuerwehr Mittelrheintal zum Einsatz. (Bilder: Maya Seiler)

Um unter dem Flachdach des sechsstöckigen Hochhauses arbeiten zu können, kam der Hubretter der Feuerwehr Mittelrheintal zum Einsatz. (Bilder: Maya Seiler)

Maya Seiler

Am Samstag fragte man sich, warum der Hubretter der Feuerwehr an der Werkstrasse im Einsatz war. Gab es einen Brand im Hochhaus der Casa Invest?

Zum Glück diente der Einsatz der Feuerwehr einem ganz andern Zweck. Für einmal halfen Angehörige der Feuerwehr, die bedrohten Nistplätze von Mehlschwalben zu sichern. Der Initiant der Aktion, der 84-jährige Jäger und Naturfreund Stephan Hutter, hatte vor 20 Jahren die Dachwohnung des Bürogebäudes an der Werkstrasse gekauft; seither beobachtet er mit Freude die Schwalben, die jeden Sommer unter dem auskragenden Flachdach ihre Jungen aufziehen. Es handelt sich um Mehlschwalben, die das bald 30-jährige Gebäude als idealen Nistplatz nutzen.

Nester aus bis zu 1200 Lehmkügelchen

Die flinken Flieger sind Koloniebrüter. Sie bauen ihre charakteristischen Nester gerne in den Winkel zwischen Dachuntersicht und Fassade, im Gegensatz zu den Rauchschwalben, die bevorzugt in Viehställen brüten. Die Mehlschwalbennester sind wahre Kunstwerke, aus 1000 bis 1200 Lehmkügelchen zusammengeklebt. Der Rückgang von geeigneten Lehmpfützen und die trockenen Sommer der letzten Jahre haben am Bürohochhaus immer wieder zum Abbrechen der Nester geführt. Als Abhilfe hat Stephan Hutter schon vor einiger Zeit Kunstnester der Vogelwarte Sempach montiert. Da der Dachunterzug aber nur im Bereich der Balkone zugänglich war, die Schwalbenkolonie sich aber rund um das ganze Gebäude zieht, suchte er eine umfassende Lösung. Er setzte sich mit der Diepoldsauer Naturschutzgruppe Alta Rhy und deren Präsidenten Jürg Sonderegger in Verbindung. Eines der Vorstandsmitglieder ist Paul Lüchinger, von 1984 bis 1996 Diepoldsauer Feuerwehrkommandant. Er hatte die nötigen Beziehungen, um den Hub­retter zu organisieren.

Knifflige Montagearbeit unterm Dach

AdF Samuel Eberli und Zaim ­Gagulic brachten das riesige Fahrzeug nach Diepoldsau und opferten ihren freien Samstag, um Naturschützer Hansruedi Schümperlin und Daniel Hutter in die Höhe zu hieven, wo sie die Lehmbauten der Schwalben durch Kunstnester ersetzten. In kniffliger Schraubarbeit montierten sie auch noch einige Mauersegler-Kästen, denn seit einigen Jahren zeigen auch die Spyren Interesse am hochstehenden Gebäude.

Mit den künstlichen Nestern kann ein weiteres Problem gelöst werden: Befinden sich die Nistplätze direkt an der Hausfassade, werden diese und alle darunterliegenden Vorsprünge mit Kot verschmutzt. Da die neuen Nester in einigem Abstand von der Hausmauer angebracht sind, bleibt das Gebäude sauber.

Mehlschwalben sind Zugvögel, die in Afrika, in einem Gebiet von der Sahara bis zur Kapprovinz überwintern. Die Diepolds­auer Schwalben machen sich Ende August auf den Weg ins Winterquartier und kommen Anfang Mai zurück. Da sie fast immer an ihren Geburtsort zurückkehren, werden sie im Mai 2018 die neuen Nistplätze vorfinden und dank Stephan Hutters Initiative dem Hochhaus an der Werk­strasse treu bleiben.