DIEPOLDSAU: Ein Damm gegen nasse Füsse in den Häusern

Der Zweckverband Rheintaler Binnenkanal informierte am Dienstag über sein Hochwasserschutzprojekt bei den Drei Brücken. Das Vorhaben interessiert nicht zuletzt jene, die vom Hochwasser 2013 betroffen waren. Manche würde lieber noch grösser bauen.

Max Tinner
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Hans Rohner aus Diepoldsau will wissen, wie man denn das zurückgestaute Wasser wieder wegbringe. Der Grossteil werde nach und nach über die Schleusen im Damm abgelassen, bekam er zur Antwort. Auf den Wiesen im Rückhaltebereich liegen bleibendes Wasser werde versickern und durch Drainageleitungen abgeführt, die von der Melioration im Rahmen eines flankierenden Projekts teils noch gebaut werden müssen. (Bild: Max Tinner)

Hans Rohner aus Diepoldsau will wissen, wie man denn das zurückgestaute Wasser wieder wegbringe. Der Grossteil werde nach und nach über die Schleusen im Damm abgelassen, bekam er zur Antwort. Auf den Wiesen im Rückhaltebereich liegen bleibendes Wasser werde versickern und durch Drainageleitungen abgeführt, die von der Melioration im Rahmen eines flankierenden Projekts teils noch gebaut werden müssen. (Bild: Max Tinner)

Max Tinner

Der eine oder andere, der am Dienstag in der Mehrzweckhalle Kirchenfeld sass, hatte 2013 oder 1999 nasse Füsse bekommen, als der Binnenkanal über die Ufer getreten war. Diesen Betroffenen ist es noch so recht, wenn das Hochwasserschutzprojekt, über das jetzt geredet wird, möglichst bald an die Hand genommen wird. Kern des Projekts ist ein Damm bei den Drei Brücken, an dem bei einem extremen Hochwasser bis 1,5 m hoch insgesamt 750'000 m3 Wasser rückgestaut werden können, so dass von dort kanalabwärts nicht mehr als 95 m3 pro Sekunde fliessen und in Widnau, Au und St. Margrethen kein Wasser über die Ufer tritt (siehe auch unsere gestrige Ausgabe).

Gebaut wird allerdings frühestens ab Ende 2020, denn die Detailplanung liegt noch nicht vor. Und nicht zuletzt muss das Projekt die Hürde der öffentlichen Mitsprachemöglichkeit nehmen. Zwar wird über das Projekt in keiner Gemeinde abgestimmt, weil es nicht von den Gemeinden direkt, sondern vom Zweckverband Rheintaler Binnenkanal realisiert wird. Die Finanzierung der Gemeindeanteile erfolgt über die Budgets der Gemeinden im Rahmen der Finanzkompetenz der Gemeinderäte. Allfällige Gegner könnten aber während der Bauauflage Einsprache erheben und das Projekt verzögern. Auch ohne Einsprache könnte der Rückhaltedamm bei einer Bauzeit von drei Jahren frühestens 2024 fertig sein, rechnete Roland Wälter vor. Der Diepoldsauer Gemeindepräsident präsidiert den Zweckverband Rheintaler Binnenkanal.

Was, wenn vor Fertigstellung das Wasser wieder kommt?

Eine der Sorgen der früher schon Betroffenen ist darum: Was, wenn bis dahin wieder etwas passiert? Zahlen die Versicherungen nochmals? Zwar konnte dies niemand im Namen der Versicherungen bejahen. Referenten und auch der eine oder andere Betroffene vertrauen aber darauf – sofern allfällig von der Gebäudeversicherung verlangte Objektschutzmassnahmen realisiert werden.

Hansjörg Sieber und Marcel Kunz aus Widnau wollten auch wissen, ob man nicht besser gleich grösser bauen sollte? Nämlich anstatt dimensioniert auf ein statistisch alle 100 Jahre auftretendes Hochwasser grad berechnet für ein 300-Jahr-Hochwasser, wie man es dem Hochwasserschutzprojekt Rhesi am Rhein zugrundelegt.

Zum einen, weil man nicht einfach um den Faktor 3 grösser bauen könne, antwortete Roland Wälter. Ein solches Projekt würde massiv aufwendiger. Dann zum anderen aber auch, weil ein Dammbruch am Rhein wesentlich schwerwiegendere Konsequenzen hätte als ein über die Ufer tretender Binnenkanal, fügte Ingenieur Reto Walser an. Denn dann stünde in Widnau das Wasser nicht nur einige Zentimeter hoch, sondern gleich mehrere Meter. Das rechtfertige die um ein Vielfaches vorsichtigere Bemessung beim Rhein-Hochwasserschutzprojekt.

Heinz Nüesch als einer der Landwirte, deren Boden im Hochwasserfall als Rückhalteraum dienen soll, warnte ausserdem vor höher gesetzten Wünschen. Er sei bis zu einem gewissen Punkt bereit, das Wasser und damit Schäden auf sich zu nehmen. Wer aber mehr wolle, solle sich überlegen, ob er das selbst auch auf sich nehmen würde.

Am Donnerstag, 8. Juni, findet eine weitere Informationsveranstaltung zum Bauvorhaben statt, dann im Saal im Werkhof der Politischen Gemeinde Oberriet. Beginn ist um 19 Uhr.

Informationen zum Projekt findet man auf der Homepage des Zweckverbands Rheintaler Bin- nenkanal: www.binnenkanal.ch

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