DIEPOLDSAU: Chor beschenkt sich selbst zum Jubiläum

Der Katholische Kirchenchor Diepoldsau-Schmitter hat sein 125-Jahr-Jubiläum mit dem «Weihnachtsoratorium» von Bach gefeiert. Das Publikum gab stehende Ovationen. «Wir haben unsere Erwartungen übertroffen», sagt Präsidentin Susanne Hutter.

Monika von der Linden
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Zum grossen Jubiläum hat sich der Kirchenchor mit dem Weihnachtsoratorium Grosses vorgenommen. Die Erwartungen hat er übertroffen. (Bild: Monika von der Linden)

Zum grossen Jubiläum hat sich der Kirchenchor mit dem Weihnachtsoratorium Grosses vorgenommen. Die Erwartungen hat er übertroffen. (Bild: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

Stille. Jürgen Natter hebt den Dirigentenstab. Ein Moment des Innehaltens und die gespannte Erwartung in der Kirche. Der Dirigent gibt den Einsatz, zunächst der Pauke, dann den Bläsern, Streichern und schliesslich dem Chor. 70 Frauen und Männer singen: «Jauchzet, frohlocket!» Sofort erfüllt Freude das Gotteshaus – so, wie sie Johann Sebastian Bach in den Noten des «Weihnachtsoratoriums» festgehalten hat.

Chor und Jesus feiern gemeinsam Geburtstag

Der Donnerstag der Weihnachtswoche ist ein besonderer Tag für den Katholischen Kirchenchor Diepoldsau-Schmitter. Er feiert sein 125-Jahr-Jubiläum. «Es ist richtig, dass wir unseren eigenen Geburtstag mit dem von Jesus zusammenlegen», sagt Präsidentin Susanne Hutter. Denn der Chor gründete sich kurz vor Weihnachten 1891, am 1. Advent, als Pfarrcäcilien-Verein.

Wenige Minuten nachdem der letzte Ton des musikalischen Gebets verklungen ist, das Pub­likum sich von den Bänken er­hoben und minutenlang Applaus gegeben hat, blicken Susanne Hutter und Susanne Rüesch (OK-Präsidentin des Jubiläums) wie einst die Gründer zuversichtlich in die Zukunft. 1891 wollten die Männer und Frauen zur Ehre Gottes singen und für die Gottesdienste einen Beitrag leisten mit meist lateinischen Gesängen. Auch sangen sie weltliche Werke und führten Abendunterhaltungen durch. Der Auftrag hat sich nicht gewandelt und den Zusammenhalt pflegt der Verein nach wie vor intensiv.

So sei auch der erweiterte und sonst aus 25 Sängern bestehende Kirchenchor mit jeder Probe enger zusammengewachsen, sagt Susanne Rüesch. Das merkt das Publikum im Konzert. Während eineinhalb Stunden darf es die Orchestermusik geniessen, sich von den Chorälen ergreifen lassen, den Rezitativen und Arien der Solisten folgen, sich seinen Gedanken hingeben oder einfach nur Bach auf sich wirken lassen.

Ein gutes Gespür für die Musiker und Sänger

«Es ist genial, wie das Publikum von Anfang an das Stück mit uns erlebt hat», sagt Susanne Hut­- ter. Man sieht ihr und Susanne Rüesch den Stolz an, den sie für alle am Projekt beteiligten empfinden. «Wir haben uns das nicht vorstellen können, als wir letztes Jahr im Mai die Aufführung beschlossen haben. Wir sind stolz auf unsere Leistung.»

Die beiden Sängerinnen führen den Erfolg einerseits darauf zurück, dass sie Gesangsproben mit der Stimmbildnerin Sabine Winter absolviert haben. Ausserdem habe Jürgen Natter jeden begeistert und gefördert. Er habe ein gutes Gespür dafür, wie jede Passage klingen soll. «Jürgen Natter hat uns sehr gut begleitet und zum Ziel geführt.»

Die Sängerinnen und Sänger haben sich als Chor und als Verein gut verkauft. Im Stolz schwingt auch die Hoffnung mit, dass der ein oder andere Projektsänger vielleicht ein festes Mitglied des Kirchenchors der Antonius-Pfarrei wird.

Hinweis

Der Projektchor führt das Weihnachtsoratorium noch einmal auf, am Sonntag, 8. Januar, um 17 Uhr in der reformierten Kirche in Heiden. Solisten sind auch dann: Sabine Winter (Sopran), Martina Gmeinder (Alt), Nik Kevin Koch (Tenor) und Thomas Dobmeier (Bass). Es spielt das Rheintaler Bach-Orchester.