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Die zerrissene Perlenkette

Aus christlicher Sicht
Armin Scheuter
Die Gedenkstätte für die 71 Opfer des Flugzeugabsturzes vom 1. Juli 2002 in Überlingen besteht aus einer zerrissenen Perlenkette in Form von sieben grossen und kleinen Edelstahlkugeln, die an einem Waldrand an die Toten erinnert. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Die Gedenkstätte für die 71 Opfer des Flugzeugabsturzes vom 1. Juli 2002 in Überlingen besteht aus einer zerrissenen Perlenkette in Form von sieben grossen und kleinen Edelstahlkugeln, die an einem Waldrand an die Toten erinnert. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Ziemlich genau fünfzehn Jahre ist es nun her, dass ein Flugzeugunglück und seine Folgen mir sehr nahegingen – und es wirkt in meiner und vielleicht auch in Ihrer Erinnerung immer noch fort.

Unweit von Überlingen am Bodensee stiessen in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli zwei Flugzeuge zusammen, dabei verloren 71 Menschen ihr Leben, darunter 56 Kinder und Jugendliche, die diese Flugreise als Geschenk erhalten hatten. Wie viel Trauer, Schmerz und Schrecken immer noch dahinterstecken, kann man nur erahnen – so wurde die Untröstlichkeit der Angehörigen mehr als deutlich, als Witali Kalojew, der bei dem Unglück seine beiden Kinder und seine Ehefrau verloren hatte, den damals für die Kollision mitverantwortlichen Fluglotsen in Kloten erstach.

Als gläubiger Mensch, konfrontiert mit einer solchen Katastrophe, frage ich nach Gott.

Allein Zufall und die unglückliche Verkettung von Umständen und Fehlentscheidungen dafür verantwortlich zu machen, reicht mir nicht aus. Denn mein Glaube sagt mir, dass Gott all diesen Menschen nahe ist, die von solch einem Schicksalsschlag betroffen sind. Aber nicht im Sinne von schuldig und verantwortlich sein, sondern von mittragen. Gott trägt dieses Unglück bei Überlingen mit. Und dadurch kann er uns Menschen in unserer Not durch seine Zuwendung beistehen – Leiden, Trauer und Wut, aber auch Hoffnung und Trost haben dadurch noch einen anderen Ort als nur in unserer Seele und durch Schuldzuweisungen.

Das Denkmal der Künstlerin Andrea Zaumseil an der Stelle, wo die Wrackteile und Toten der baschkirischen Maschine gefunden wurden, bringt diesen Gedanken auf besondere Weise zum Ausdruck – durch eine überdimensionale zerrissene Perlenkette. Die Künstlerin schreibt dazu: «In Erinnerung an das jähe Reissen des Lebensfadens der Opfer. (…) Manche Perlen haben sich bereits vom Faden gelöst, liegen auf abschüssigem Gelände. Sie hätten weiterrollen können, in Richtung der nahe gelegenen Stadt, sie sind nur durch Zufall zum Stillstand gekommen.» So gibt dieses Denkmal der Trauer, der Todesangst und dem Leiden einen Ort der Andacht, wie es auch jeder Grabstein tut.

Dadurch wird deutlich, dass wir Menschen keine Marionetten Gottes sind, viel mehr freie Kreaturen, die allerdings von Gott her Halt und Kraft benötigen, um ihr Leben bestehen zu können – und dass wir letztlich auch über unseren Tod hinaus geborgen sind in Gott, wie ich im Tiefsten meiner Seele hoffen darf. Wie heisst es in Friedrich Hölderlins Gedicht «Patmos»: «Nah ist / Und schwer zu fassen der Gott / Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch.»

Armin Scheuter

Pastoralassistent in Kobelwald

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