Die Verkündigung

Letzthin, im Zug, direkt neben mir, das elend-fröhliche Digitalpiepsen eines Handys, du weißt, jetzt wirst du die Seite nicht in Ruhe zu Ende lesen können, du wirst mithören müssen, wo die Unterlagen im Büro gesucht werden sollten oder warum die Sitzung auf nächste Woche verschoben ist ...

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Letzthin, im Zug, direkt neben mir, das elend-fröhliche Digitalpiepsen eines Handys, du weißt, jetzt wirst du die Seite nicht in Ruhe zu Ende lesen können, du wirst mithören müssen, wo die Unterlagen im Büro gesucht werden sollten oder warum die Sitzung auf nächste Woche verschoben ist ... , kurz, du bist auf die unüberhörbaren Schrecknisse des Alltags gefasst – und da kramt der junge Mann sein Apparätchen aus der Tasche, meldet sich und sagt dann laut: «Nein! – Wann? – Gestern Nacht? – Und was ist es? – Ein Bub? – So herzig! – 3¹/? Kilo? – Und wie geht es Jeannette? – So schön! – Sag ihr einen Gruss, gell! – Wie? – Oliver? ...» Und über uns alle, die wir in der Nähe sitzen, ..., huscht ein Schimmer von Rührung, denn soeben haben wir die uralte Botschaft vernommen, dass uns ein Kind geboren wurde.

Aus Hohlers Buch «Das Ende eines ganz normalen Tages»

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