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Die Tonleiter hinunter in die Seele

Matthias Ziegler, Flöten, und Franz Hohler, Lesungen, entführten am Mittwochabend die Gäste der Rheintalischen Gesellschaft für Musik und Literatur in verborgene fantastische Bilderwelten.
Max Pflüger
Matthias Ziegler entlockte seiner Riesenflöte verblüffende Klangbilder.
Franz Hohler las aus seinen Büchern und begeisterte mit Kurzgeschichten. (Bild: Bilder: Max Pflüger)
2 Bilder

Die Tonleiter hinunter in die Seele

Franz Hohler, Kabarettist und vielseitiger Autor, ist vor allem für seine nicht immer ganz ernst gemeinten und doch oft tiefsinnigen Kurzgeschichten bekannt. Nicht selten darf man deren Ansatz schon beinahe als philo­sophisch bezeichnen. Matthias Ziegler pflegt als virtuoser Meister der riesigen Kontrabassflöten und des Loopgeräts moderne experimentelle Musik, deren Klangwelt die fantasievolle Bilderwelt Hohlers geradezu ideal ergänzt. Zusammen präsentierten sie in der Aula der Kantonsschule Heerbrugg auf Einladung der Rheintalischen Gesellschaft für Musik und Literatur am Mittwochabend einen gleichermassen amüsanten wie auch bedenkenswerten Dialog zwischen Wort und Musik unter dem Titel «Die Tonleiter».

Verblüffend unerwartete Wendungen

Köstlich, wie Hohler Kunst, Künstler und Kunstfreunde liebevoll auf die Schippe nimmt, wie er einen Liederabend schildert, der die Zuhörer ergreift und sie beinahe zu Tränen rührt, diese dann aber gleich nach dem Konzert wieder im alltäglichen Trott der Hektik und der Gleichgültigkeit zurücklässt. Locker schmunzelt man, wenn er mit den Religionen abrechnet, mit dem Christentum ebenso wie mit dem Islam: Da trifft er im Iran Frauen in nonnenhaften Ganzkörperschleiern und stellt fest, dass dort der Tanz verboten ist, wie zu Zeiten Zwinglis in Zürich. Ganz der alte Militärdienstgegner Hohler der Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahre grüsst aus der Geschichte der beiden letzten Kriegsveteranen aus dem Ersten Weltkrieg, die sich bei der Erinnerungsfeier 1996 nicht die Hände reichen, sondern sich gegenseitig spitalreif schlagen und dann sterben. Damit sei endlich der Erste Weltkrieg endgültig vorbei gewesen.

So verblüffend die unerwarteten Wendungen in Hohlers Kurzgeschichten und Gedichten sind, so überraschend sind auch die Klänge, die Ziegler seinen übergrossen Flötenrohren entlockt. Da wird die in die Flöte geblasene Atemluft zu Wind überhöhter Musik, und die geschnalzten Laute seiner Zunge werden zu Rhythmen verstärkt. Das Publikum spendete begeisterten Applaus.

Selbstverständlich sind die beiden Künstler schliesslich zu einer Zugabe bereit: Matthias Ziegler untermalt mit zarten Flötenklängen und Flötengeräuschen die lustigen Non-Sense-Kindergedichte, die Franz Hohler aus seiner eigenen Fantasie- Tierwelt zum Besten gibt. Und mit einem solchen, speziell für diesen Abend gedichteten Vers setzt er dann auch den Schlusspunkt hinter seinen Rheintaler Auftritt: Eine Forelle mit Namen Ina/schwamm munter in der Tamina./Sie schwamm runter zum Rhein/und schaute da schnell hinein./Doch warum sollte sie bleiben?/Sie liess sich einfach treiben/und kam so bis nach Heerbrugg./Doch kam sie dann nicht mehr zurugg.

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