«Die Tiefgarage wird sowieso gebaut»

Im Auer Zentrum wird eine Tiefgarage gebaut. Die Gemeinde will 950 000 Franken investieren und damit 30 Parkplätze kaufen. Aus der Bevölkerung gibt es kritische Voten – zuletzt an der Kirchbürgerversammlung vom Dienstag. Gemeindepräsident Walter Grob nimmt Stellung.

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Wo die Visiere stehen, soll dereinst die Überbauung «Alte Moschti» erstellt werden. Die dazugehörende Tiefgarage wird unterhalb des Dorfplatzes (vorne) platziert – mit Parkplätzen der Gemeinde oder ohne. (Bild: Samuel Tanner)

Wo die Visiere stehen, soll dereinst die Überbauung «Alte Moschti» erstellt werden. Die dazugehörende Tiefgarage wird unterhalb des Dorfplatzes (vorne) platziert – mit Parkplätzen der Gemeinde oder ohne. (Bild: Samuel Tanner)

Die grösste Diskussion wurde an der katholischen Kirchbürgerversammlung über ein Politikum geführt: Die geplante Tiefgarage im Auer Zentrum. Worum geht es? Die Auer Firma J. Reich AG plant, auf dem Areal der alten Mosterei ein Hochhaus mit Tiefgarage zu bauen. Die Gemeinde Au will sich an der Garage mit dreissig eigenen Plätzen und einer Investition von 950 000 Franken beteiligen – dies ist der Investitionsrechnung zu entnehmen. Die Kirche ihrerseits wurde angefragt, ob sie 1,14 Meter ihres Bodens dafür verkaufen will. Darüber informierte Präsident Martin Köppel am Dienstag – und deshalb entstand eine Diskussion, in der Kritik am Gemeinderat geäussert wurde. Etwa: Warum hat er bisher nie informiert? Oder: Wozu braucht die Gemeinde überhaupt eine Tiefgarage? Gemeindepräsident Walter Grob antwortet auf diese und andere Fragen.

Herr Grob, die Beteiligung der Gemeinde an der Tiefgarage hat an der Kirchbürgerversammlung Kritiker auf den Plan gerufen. Sind Sie überrascht?

Walter Grob: Ja, zumal das Projekt ja längst bekannt ist. Am Behörden-Infoabend der CVP und an einem Anlass des Investors wurde bereits letztes Jahr darüber informiert.

Für all jene, die nicht an diesen Veranstaltungen waren: Im Jahresbericht der Gemeinde stehen nur zwei Zeilen zu diesem Thema …

Grob: … weil wir an der Vorversammlung vom nächsten Montag ausführlich über die Investition informieren werden.

Zwischen Vor- und Bürgerversammlung liegt nur eine Woche. Eine kurze Zeitspanne, um sich ein Bild vom Projekt zu machen.

Grob: Wir führen die Vorversammlung immer eine Woche vor der Bürgerversammlung durch. Diese Zeit reicht. Zudem ist das Projekt öffentlich aufgelegen. Im Mitteilungsblatt haben wir im November informiert und die Visiere sind gut sichtbar. Wer wollte, konnte sich informieren.

Weil die beträchtliche Ausgabe nur knapp in der Investitionsrechnung aufgeführt ist, entstand der Eindruck, Sie wollten das Projekt an den Bürgern vorbeischmuggeln.

Grob: Diesen Vorwurf verstehe ich nun überhaupt nicht! Die Position ist völlig transparent aufgeführt. Zudem werden wir wie gesagt noch weiter informieren.

950 000 Franken sind veranschlagt, ab einer Million brauchte es laut Gemeindeordnung eine Abstimmung. Kritiker sagen, die Tiefgarage werde sowieso teurer als budgetiert.

Grob: Nein, sie wird für die Gemeinde Au nicht teurer werden.

Warum wissen Sie das schon?

Grob: Weil ich die Verträge kenne. Dazu kann ich aber erst an der Vorversammlung mehr sagen.

Die geplante Tiefgarage tangiert mit dem Dorfplatz das Auer Zentrum. Gab es nie Überlegungen, eine Urnenabstimmung durchzuführen?

Grob: Die Gestaltung des Platzes ist ein Thema, das wir separat behandeln. – Für die Planung sind 50 000 Franken vorgesehen. Weiter haben «runde Tische» stattgefunden, an denen die Kirche ebenfalls vertreten war. Auch Kiesen bleibt eine Option.

Eine Urnenabstimmung im Sinn einer breit angelegten Umfrage war also nie ein Thema?

Grob: An der Bürgerversammlung kann jeder einen Antrag stellen, der diese Investition nicht tätigen will. Und nachher wird ja abgestimmt.

Der Kirchenvorstand sagt: Erst im Februar, nach Ablauf der Einsprachefrist, hätten Sie ihn über die Tiefgarage informiert. Zudem als Vertreter der J. Reich AG. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Grob: Das ist schlicht falsch. Die Kirche wurde rechtzeitig informiert und hat eine Bauanzeige erhalten. Wenn sie ihr Stück Boden nicht zur Verfügung stellt, kann die Tiefgarage dennoch gebaut werden – einfach etwas weniger komfortabel. Zum anderen Vorwurf: Ich habe immer als Präsident der Gemeinde orientiert.

Was passiert mit dem Projekt, wenn sich das Auer Volk gegen eine Investition entscheidet?

Grob: Die Tiefgarage wird trotzdem gebaut – ohne die dreissig zusätzlichen Plätze der Gemeinde. Der Gemeinderat hat dem Investor das erforderliche Unterbaurecht bereits zugesagt. Das liegt in seiner Kompetenz.

Warum braucht die Gemeinde denn überhaupt Tiefgaragenparkplätze?

Grob: Für uns ist das eine Chance. Betrachten Sie nur die Bautätigkeit in Au! Es wäre ein vorausschauender Entscheid.

Die nächsten Fragen zum Projekt werden wohl an der Vorversammlung am Montag gestellt. Äussern Sie sich bis dahin zu weiteren Fragen?

Grob: Ich habe genug Zeit eingeplant, um am Montagabend ausführlich über die Beteiligung der Gemeinde an dieser Tiefgarage zu informieren. Bis dahin gehe ich nicht weiter auf Gerüchte und Halbwahrheiten ein.

Interview: Samuel Tanner

Walter Grob (Bild: Archiv)

Walter Grob (Bild: Archiv)