Die Taufe erinnert an die Auferstehung

In den zurückliegenden Weihnachtstagen hatte ich die Gelegenheit, wieder einmal eines der schönsten Bücher der romantischen Literatur zu lesen: «Der goldene Topf» von E. T. A. Hoffmann. Es erzählt von einem Studenten, dem im Leben scheinbar nichts gelingt.

Peter Legnowski Pfarreibeauftragter In Altstätten
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In den zurückliegenden Weihnachtstagen hatte ich die Gelegenheit, wieder einmal eines der schönsten Bücher der romantischen Literatur zu lesen: «Der goldene Topf» von E. T. A. Hoffmann. Es erzählt von einem Studenten, dem im Leben scheinbar nichts gelingt. Und auch sonst ist der Student Anselmus, so heisst der Held des Buches, höchst ungeschickt. Er fasst seine Situation in einem Bild zusammen: «Das Butterbrot fällt immer auf die falsche Seite.»

Wie gut kennen wir diese Situation aus unserem Leben? Wie oft fassen wir Pläne, haben wir Hoffnungen und Ziele, die sich nicht erfüllen? Oder wie oft müssen wir die Erfahrung machen, dass sich unser Leben von einem Tag auf den anderen grundlegend ändert und wir völlig von vorne anfangen müssen?

Hoffmann nennt sein Buch ein Märchen. Und so wird auch dem Studenten Anselmus auf märchenhafte Weise geholfen, bis er endlich seinen grossen Lebenstraum von Achtung und Liebe erfüllen kann. Dabei helfen ihm Schlagen und ein Zauberer. Wir leben nicht in einem Märchen, und Zauberei scheint uns nicht zu helfen.

An diesem Sonntag feiern wir das Fest Taufe des Herrn. In diesem Fest feiern wir gewissermassen, dass sich Gott voll und ganz auf unser Leben einlässt, auch auf die Schattenseiten des Lebens. Jesus reiht sich mit seiner Taufe ein in die Gruppe all der Menschen, die die Erfahrung gemacht haben, dass das Leben nicht immer Freude und Sonnenschein mit sich bringt.

Diese Zuwendung zu dem benachteiligten und in Probleme verstrickten Menschen wird durch die Symbolhandlung der Taufe noch verstärkt. In der orthodoxen Kirche vergleicht man die Taufe Jesu mit dem Ostergeschehen. In dem Jesus in das Wasser des Jordans taucht, begibt er sich zugleich in jenes Element, das dem Menschen sowohl das Leben als auch den Tod bringt. Das Auftauchen aus dem Wasser ist ein Symbol für die Auferstehung.

Nach der Taufe geschieht aber zugleich das Wunderbare, dass sich der Himmel öffnet und Jesus allen umstehenden Menschen als Sohn Gottes verkündet wird.

In diesem Moment wird allen klar, hier steht derjenige vor ihnen, auf den sie gehofft haben und mit dem sie auch weiterhin ihre Hoffnung verbinden können.

Das gilt auch für uns heute und hier. Lassen wir uns immer wieder neu ein auf ein Leben mit Jesus. Glaube ist nicht nur eine Sache des Kopfes. Er ist vielmehr auch eine Sache des Herzens. Indem wir uns anderen zuwenden, wie Jesus es getan hat, wird er von einem Moment auf den anderen konkret.

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