Die Tage in der Unterkunft sind lang

GAMS. Es ist ein Kommen und Gehen in der Zivilschutzanlage beim Schulhaus Höfli: Neue Flüchtlinge treffen ein, andere verlassen die Unterkunft und reisen weiter ins Empfangs- und Verfahrenszentrum Altstätten, weil dort ein Platz frei geworden ist.

Seraina Hess
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GAMS. Es ist ein Kommen und Gehen in der Zivilschutzanlage beim Schulhaus Höfli: Neue Flüchtlinge treffen ein, andere verlassen die Unterkunft und reisen weiter ins Empfangs- und Verfahrenszentrum Altstätten, weil dort ein Platz frei geworden ist. Nur wenige verlassen die Anlage, um auf eigene Faust weiterzuziehen – und wenn doch, hält sie niemand auf. Taucht jemand für längere Zeit nicht mehr in der Unterkunft auf, geht der Zivilschutz davon aus, dass er oder sie in ein anderes Land weitergereist ist.

Angst vor der Polizei

Ganz gleich wohin es nach dem Aufenthalt in der Unterkunft geht; bis es soweit ist, sind die Tage lang. Für Kinder gibt es ein paar Spielsachen, für Erwachsene haben die Zivilschützer einen Töggeli-Kasten mitgebracht, damit jene ein wenig Zerstreuung finden. Einige spazieren ins Dorf, doch viele sitzen einfach im Massenschlag auf den Stockbetten, versuchen zu schlafen oder hören Musik. Denn der Tag besteht nur aus vier Terminen: Frühstück, Mittagessen, Abendessen aus dem nahegelegenen Altersheim und die obligatorische Information durch den Dolmetscher.

Dieser klärt die 90 bis 100 Flüchtlinge, die vorwiegend aus Syrien und Afghanistan stammen, über ihre Rechte und Pflichten auf – was die Menschen ungemein erleichtert, sagt Robert Brocker. «Viele haben noch in der Zivilschutzanlage Angst, sie könnten festgenommen und ins Gefängnis gesperrt werden». Auch der sporadische Besuch der Polizei versetze die Menschen in Panik, da sie die Schweizer Polizisten mit jenen in der Heimat assoziieren.

Separiert: allein reisende Frauen

Ärger gebe es in der Anlage nicht, sagt Robert Brocker. Was einerseits an der Dankbarkeit liege, andererseits an der geschickten Zimmerorganisation des Zivilschutzes (siehe «Befragt»). Allein reisende Frauen erhalten trotz enger Platzverhältnisse ein separates Zimmer, um ihre Privatsphäre zu wahren – soweit das in einer Anlage mit knapp hundert Personen möglich ist.